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Bundesliga Fußball-Hauptstadt Hamburg

31.08.2009 ·  HSV Erster, St. Pauli Erster - aber nur beim Zweitligaklub herrscht ungetrübte Stimmung. Der Favorit auf den Posten des Sportchefs beim Hamburger SV löst bei manchem Spieler Bedenken aus.

Von Frank Heike, Hamburg
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Es könnte alles so schön sein beim Tabellenführer der Bundesliga. Aber in dieser Saison sorgt der Hamburger SV nicht nur mit seinen Leistungen auf dem Rasen für Schlagzeilen. Erst das Zerwürfnis zwischen Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer, das im Juni mit dem Rauswurf des Sportchefs endete. Dann die unangenehme Geschichte um die verdeckte Millionenzahlung für den nur scheinbar ablösefreien Zé Roberto am vergangenen Wochenende. Und nun ein Spielerberater als Sportchef ante portas, von dem einige Führungsspieler nur ganz wenig halten – dass der HSV nach dem 3:1 gegen den 1. FC Köln am Sonntagabend die Tabelle vor der Länderspielpause anführt, ging fast unter.

An diesem Dienstag soll Roman Grill den zwölf Aufsichtsräten des HSV sich und seine Ideen vorstellen. Der Münchner Grill berät unter anderem die Profis Piotr Trochowski und Philipp Lahm; er ist der Favorit des HSV-Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann. Auch der ehemalige Bayern-Spieler Oliver Kreuzer darf sich geringe Hoffnungen auf die Beiersdorfer-Nachfolge machen. Intern gilt aber als ausgemacht, dass die Räte den 39 Jahre alten Grill durchwinken und Kreuzer so wenig Chancen hat wie zuvor Teammanager Bernd Wehmeyer, der vom Räte-Chef Horst Becker den Hinweis erhielt, dass er nicht unbedingt ihr Mann sei – und sich daraufhin zurückzog.

Grill wäre ein Sportchef von Hoffmanns Gnaden

Soll Kreuzer sich überhaupt nur vorstellen, um den Räten eine Wahlmöglichkeit zu geben? Profis wie Frank Rost und Joris Mathijsen beobachten genau, wie Hoffmann seine Machtposition immer weiter ausbaut. Beiersdorfer war ja oft genug sein Gegenspieler, Grill wäre ein Sportchef von Hoffmanns Gnaden. Und zudem ein Vorgesetzter der Profis mit großer Nähe zu einigen wenigen. Rost sagte: „Es wirft Fragen auf, wenn ein Spielervermittler bei uns Sportchef werden soll. Das ist ein Thema in der Mannschaft.“ Und Mathijsen ergänzte: „Es muss Ruhe einkehren. Im Team wird viel darüber geredet.“ Dass Grill als Angestellter der Bayern-Pressestelle Owen Hargreaves bei anderen Klubs anbot, soll ihm damals den Job gekostet haben.

Es gibt also einige Glutöfen beim HSV, da ist es beruhigend, dass es sportlich so gut läuft. Gegen tief stehende Kölner gelang der Sieg am Sonntag durch Kampf und Einsatz, nicht durch Spielkultur wie zuletzt gegen Dortmund und in Wolfsburg. Trainer Bruno Labbadia freute sich, dass seine Mannschaft ein anderes, weniger schönes Gesicht gezeigt und trotzdem gewonnen hatte. „Diesmal ging es nur über Arbeit. Wir haben uns den Sieg redlich verdient.“

In Paolo Guerrero war ausgerechnet der Spieler der Tagesbeste, der vor einer Woche beim VfL noch die größten Chancen ausgelassen hatte. Seine Treffer zum 1:0 und 2:0 (19. und 66. Minute) ebneten den Weg an die Tabellenspitze, der nach Chihis wundervollem Anschlusstreffer in der 76. Minute wieder etwas steiniger wurde. Erst als Grill-Klient Trochowski per Foulelfmeter den Schlusspunkt gegen den alten und neuen Tabellenletzten setzte, stimmten die Fans wieder ihr Lied vom deutschen Meister HSV an.

Durch den Treffer nach Mondragons Foul an Zé Roberto hatte sich Hamburg am Sonntagabend endgültig zur deutschen Fußballhauptstadt entwickelt. Der HSV an eins, der FC St. Pauli an eins – das hat es noch nie gegeben. Wobei der Höhenflug von Holger Stanislawskis Zweitliga-Mannschaft sicher überraschender kommt als der von Labbadias Team. Und die Freude der Kiez-Kicker ist seit dem überragenden 4:0 beim KSC am Freitag auch deshalb vergleichsweise größer als beim Nachbarn aus Stellingen, weil es im Umfeld stimmig und professionell zugeht wie selten.

„Eine beängstigende Frühform“

Präsident Corny Littmann kümmert sich um den Stadionausbau und hält sich ansonsten glücklicherweise mit Aussagen zurück, in Stanislawski und Assistent André Trulsen gibt es ein perfekt abgestimmtes Trainerteam, und in Helmut Schulte ist ein Sportchef zurückgekehrt, der die Jahre außerhalb Hamburgs sowieso als Strafe empfunden haben mag. Schulte arbeitet Stanislawski ruhig zu und schielt nicht selbst auf den Posten des Trainers.

Der, als Spieler eher grobmotorisch veranlagt, hat St. Pauli schon seit längerem ein gepflegtes Kurzpassspiel verordnet. „Wer mit St. Pauli immer noch kratzen, beißen, spucken verbindet, hat keine Ahnung“, sagt Stanislawski. Vor allem die neuen Offensivkräfte Charles Takyi (von Greuther Fürth) und Deniz Naki (von Leverkusens Amateuren) erfreuen die Fans. „Herrlich, die Mannschaft ist in einer beängstigenden Frühform“, schwärmt Helmut Schulte. Und schon wird in Hamburg vom Derby geträumt. In der ersten Liga, natürlich.

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