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Bundesliga-Kommentar : Systemausfälle bei der Konkurrenz

Schon wieder die rote Karte beim Duell FC Bayern gegen RB Leipzig. Bild: dpa

Die Rivalen der Bayern straucheln: RB Leipzig fehlt es an mentaler Balance und innerem Gleichgewicht, gerade bei Duellen mit Bayern München. Und BVB-Trainer Bosz sollte sein Dortmunder Dogma schleunigst einem Realitätscheck unterziehen.

          Frage an Peter Gulacsi, was er sich für das nächste Spiel gegen die Bayern wünsche. Antwort des Leipziger Torhüters nach dem Pokal-Aus am Mittwochabend: „Wir müssen sicher sein, dass wir mal mit elf Mann durchspielen.“ Gulacsis Teamkollege Marcel Sabitzer am Samstagabend, nach dem 0:2 in der Bundesliga, zum selben Thema: „Ich würde gegen Bayern auch mal gerne ein Spiel Elf gegen Elf sehen.“

          Das, so kann man hinzufügen, hätte im einen wie im anderen Fall nicht nur die Leipziger gefreut, sondern auch die neutralen Beobachter, die gerne ein aktuelles objektives Ergebnis im bayerisch-sächsichen Systemvergleich hätten – eines, das bei gleichen Kräfteverhältnissen zustande kommt und nicht, wie nun schon zum dritten Mal in vier Versuchen, auf einer Art schiefen Ebene.

          Womöglich ist das aber – selbst wenn man das in Leipzig nicht so sehen wird – auch der falsche Ansatz. Nach nunmehr 390 Minuten zwischen diesen beiden Teams, von denen die Bayern 204 Minuten einen Mann mehr auf dem Feld hatten, darf man die Forschungsfrage für den RB-Fußball auch einmal andersherum stellen: Ob es den jungen Leipzigern nicht zumindest teilweise an innerem Gleichgewicht, an mentaler Balance fehlt, gerade wenn es in die großen Duelle mit den Münchnern geht.

          Die wiederholte Unterzahlsituation wäre dann nicht eine Verzerrung der Versuchsanordnung, sondern Teil des Ergebnisses. Selbst wenn jeder der drei Platzverweise auch seine eigene Geschichte hat: Nach dem schmerzhaften K. o. vom Mittwoch hätte Ralph Hasenhüttls Team um jeden Preis vermeiden müssen, gleich wieder in verhängnisvolle Schieflage zu geraten. So konnte die Selbsterkenntnis zum Leipziger Leidwesen nicht den erhofften Schritt zur Besserung bringen.

          Beim zweiten strauchelnden Rivalen der Bayern sieht das noch einmal ganz anders aus. In Dortmund fand Sportdirektor Michael Zorc nach dem 2:4 in Hannover zwar deutliche Worte in Richtung Mannschaft („pomadig“, „selbstgefällig“, „Alibifußball“), die Systemfrage aber, die sich nach wiederholtem Ausfall desselben stellt, wird von den Verantwortlichen des BVB, allen voran Trainer Peter Bosz, weiterhin beharrlich ignoriert. Dabei haben inzwischen nicht nur Teams wie Tottenham oder Real Madrid die Anfälligkeit der hoch verteidigenden und dann oft hinterherhechelnden Borussen offengelegt, sondern auch Hannover, Augsburg oder Nikosia.

          Bosz sollte sein Dortmunder Dogma schleunigst einem Realitätscheck unterziehen. Derart zu pressen, wie der Niederländer es lehrt, erfordert nicht nur maximale Konzentration und Koordination, sondern auch Selbstvertrauen und Selbstverständlichkeit. So, wie es derzeit läuft, produziert jedes Spiel nur neue Unsicherheit – nicht die beste Voraussetzung, um am Samstag die Bayern zum Klassiker zu empfangen.

          Aus fünf Punkten Vorsprung des BVB auf die Münchner sind in nur drei Spielen drei Punkte Rückstand geworden. Dafür brauchte Jupp Heynckes keine Wundertaten, sondern Autorität und solides Trainerhandwerk: eine allgemeine Straffung des Programms, den klaren Blick auf die Stärken Einzelner, Javi Martinez etwa, vor allem aber die Besinnung auf die Uraltdevise Defense first. Wenn die Bayern nun fast schon wieder gewohnt bedrohlich wirken, dürfen sie sich auch bei der Konkurrenz bedanken: Sie hat sich selbst geschrumpft.

          Quelle: F.A.Z.

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