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Bundesliga Demichelis für die bayerische Abwehrkraft

03.11.2006 ·  Aus der Personalnot hat der FC Bayern eine Tugend gemacht. Seitdem der Argentinier Martin Demichelis für den verletzten Brasilianer Lucio verteidigt, gab es kein Gegentor mehr. Aus München berichtet Elisabeth Schlammerl.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Felix Magath hat derzeit viel zu tun beim FC Bayern München. Gerade muß der Trainer sich wieder einmal mit einer Debatte über das System auseinandersetzen; entfacht wurde diese von Kapitän Oliver Kahn. Es wird vor dem Bundesliga-Spitzenspiel am Sonntag beim FC Schalke 04 heftig diskutiert, ob es nicht doch besser sei, mit nur zwei statt drei Stürmern zu spielen, weil sich vor allem Roque Santa Cruz und Claudio Pizarro zu wenig bewegten und deshalb manchmal eine zu große Lücke klaffe zwischen Mittelfeld und Angriff.

Da ist es doch beruhigend, daß es wenigstens hinten klappt beim deutschen Rekordmeister. Endlich, denn die Abwehr war lange Zeit kein Bollwerk. Nun steht sie kompakt, hat kein Gegentor mehr zugelassen seit drei Spielen, seit Martin Demichelis für den verletzten Lucio in die Innenverteidigung gerückt ist nach der Niederlage in Bremen (Siehe auch: FC Bayern: Zwei Krücken und die Crux mit Lucio).

„Wir reden viel miteinander“

Es wäre natürlich zu einfach, daraus zu schließen, der Argentinier sei der bessere Abwehrspieler. Aber ohne Zweifel bereitet er seinem Partner Daniel van Buyten im Zentrum der Defensive weniger Kopfzerbrechen, als dies zuvor Lucio getan hat. „Wir reden viel miteinander“, sagt der Belgier. Lucio hat seine Qualitäten, gewiß, aber dazu gehört sicher nicht ein Übermaß an Kommunikationsbereitschaft. Der Brasilianer stürmte oft unvermittelt nach vorne, ohne vorherige Absprache, und hinterließ dann in der Defensive eine Lücke, die zu schließen oft an van Buyten allein hängenblieb

Demichelis redet nicht nur mehr, er hat auch einen ausgeprägteren Sinn für Disziplin als Lucio. Er sieht seinen Arbeitsplatz in erster Linie im eigenen Strafraum, in dem des Gegners taucht er fast nur bei sogenannten Standardsituationen auf. Daß ihm der Argentinier als Partner lieber ist, merkt man van Buyten an. Sagen würde er dies allerdings nicht. Er verhält sich höchst diplomatisch, sagt nur: „Momentan stehen wir vielleicht ein bißchen besser. Wir wachsen eben immer besser zusammen.“

Letzte Chance beim FC Bayern

Eigentlich harmonieren die beiden so, als ob sie schon seit längerem gemeinsam versuchten, Tore zu verhindern. Es sei gut zu wissen, sagt Magath, daß man auch mit diesen beiden Innenverteidigern erfolgreich sein könne.

Der 25 Jahre alte Demichelis scheint seine Chance genutzt zu haben, die vielleicht schon die letzte beim FC Bayern war. „Ich hoffe, daß jetzt meine Zeit kommt“, sagt der Südamerikaner, der keine schönen Monate hinter sich hat. In der Rückrunde der vergangenen Saison war er nach durchwachsenen Leistungen umstritten, mußte immer öfter Owen Hargreaves im defensiven Mittelfeld weichen. „Ich war übermotiviert und habe mich zu sehr unter Druck gesetzt“, gibt Demichelis zu.

Keine Freigabe für Hargreaves

Dann wurde er nicht für die Weltmeisterschaft vom damaligen argentinischen Nationaltrainer José Pekerman nominiert und geriet zu Beginn dieses Spieljahres bei Bayern noch weiter ins Hintertreffen.
Für ihn schien plötzlich überhaupt kein Platz mehr. Zumal der Klub Hargreaves die Freigabe für Manchester United verweigerte, trotz einer hohen Ablösesumme, die ManU gezahlt hätte. Auch zur Winterpause wollen die Bayern den Engländer nicht ziehen lassen, wie Manager Uli Hoeneß am Freitag erklärte, nachdem Manchester sein Intteresse an dem Nationalspieler erneuert hatte.

Auf der defensiven Mittelfeldposition zog unterdessen auch noch der junge Andreas Ottl an Demichelis vorbei. Der gebürtige Münchner nahm nach Hargreaves‘ Verletzung die Position vor der Abwehr ein.

Endlich auf der Lieblingsposition

Nachdem sich Lucio vor zwei Wochen im Punktspiel bei Werder Bremen verletzte, war Demichelis plötzlich wieder in der Mannschaft – auf der Position, auf der er früher auch in Argentinien spielte und bei Bayern schon öfters ausgeholfen hatte. Er hat sich schnell auf van Buyten eingestellt, keine Zeit gebraucht, um sich an den neuen Kollegen zu gewöhnen. Es gibt eigentlich wenig Gründe, dieses Duo wieder zu trennen. In ein, zwei Wochen ist allerdings Lucio wieder da. Was dann passiert, weiß keiner so genau. Vermutlich nicht einmal der Trainer, der im Moment ja auch ganz andere Sorgen hat.

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