21.07.2009 · Am 7. August beginnt die neue Saison: Der Bundesliga-Countdown widmet sich jeden Tag einem Klub. In Teil 1 lässt Felix Magath bei Schalke 04 keinen Stein auf dem anderen. Niemand besaß bisher solche Macht. Doch hat er auch Erfolg?
Von Richard Leipold, GelsenkirchenGerhard Rehberg verkörpert immer noch so einiges beim FC Schalke 04: das gute Gewissen, das gute Benehmen und, als früherer Steiger, die gute Tradition des Reviervereins. Zuletzt auf der Mitgliederversammlung trat er vor das Vereinsvolk und hieß den neuen Machthaber herzlich willkommen. Natürlich hatte er Felix Magath, dem Trainer und Manager mit Vorstandsmandat, ein kleines Geschenk mitgebracht: einen Spaten; ein Werkzeug also, das zu Magaths Vorliebe für harte Arbeit passt. „Vielleicht können Sie es ja beim Training einsetzen“, sagte der weißhaarige Herr.
Die Profis des zweitgrößten deutschen Fußballklubs müssen in diesem Sommer mit einem derart großen Kraftaufwand „an die Schüppe“ wie wohl noch nie. Noch mehr aber symbolisiert der Spaten etwas anderes. Magath schickt sich an, den Klub umzugraben, um ein neues, stabiles Fundament für nachhaltigen Erfolg zu schaffen. Sonnenkönige und Volkstribunen, mit und ohne Stallgeruch, haben hier schon geherrscht. Aber keiner von ihnen besaß auch nur annähernd eine solche Machtfülle wie der neue König Blau. Wer Magaths Einfluss taxiert, steht schon nach der Hälfte der Vorbereitung vor der Frage: Ist er noch größer als in Wolfsburg oder nur genauso groß?
Magath kann Schalke nicht neu erfinden - wäre auch schade drum; aber er verfolgt den Anspruch, den Verein neu auszurichten, in seinen Strukturen zeitgemäß zu gestalten. Magath kann „auf“ Schalke machen, was er will. Er kann sogar Spieler-Ikonen wie Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck hinauskomplimentieren, die auch als Trainergespann schon zu Ehren gekommen sind. Büskens soll im Frühjahr vom Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies sogar die Zusage bekommen haben, in Magaths Team arbeiten zu dürfen. Der Meistermacher sah sich nicht in der Pflicht, zu halten, was jemand anders versprochen hatte. Magath hat seine eigenen Vertrauensleute und Fachkräfte mitgebracht: die Assistenten Seppo Eichkorn und Bernd Hollerbach, den Torwarttrainer Bernd Dreher, den Konditionstrainer Werner Leuthard und den Reha-Trainer Markus Zetlmeisl.
Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt - dem Budget schon
Magath kommentiert die Demission verdienter Mitarbeiter mit Bedauern, aber ohne den geringsten Zweifel daran zu lassen, dass die Auswechslungen notwendig seien, „um der Mannschaft neue Impulse geben zu können“. Es habe keinen Sinn, wenn am Aufbau einer neuen Struktur im inneren Zirkel Personen beteiligt seien, die tief im Verein verwurzelt über Jahre hinweg „Netzwerke aufgebaut“ hätten, sagt Magath. Sein neues Team halte er für „die personelle Konstellation, die wir benötigen, um künftig Erfolg zu haben“, also innerhalb der nächsten vier Jahre Titel zu holen und vor allem deutscher Meister zu werden.
Vom Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet, besitzt Magath alle Freiheiten; seiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Dennoch stößt sogar der neue Impresario an Grenzen. Nicht irgendwo bei einem kleinen Detail, sondern am Kern seines Wirkens. Ohne für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert zu sein, kann Schalke es sich nicht leisten, die Mannschaft neu zusammenzustellen - jedenfalls nicht so, dass die Rückkehr in die besseren Kreise der Liga selbstverständlich wäre. Während Stuttgart, Hamburg und Bremen auf ihren Millionen sitzen oder sie schon ausgegeben haben, muss Schalke, trotz Magaths Machtergreifung, maßhalten.
Der konservative Reformer selbst ist der teuerste Angestellte des Vereins. Ein Meister fällt nicht vom Himmel, und normalerweise geht er auch nicht als Titelgewinner zum Tabellenachten - außer wenn neben der „Herausforderung“ auch das Einkommen reizvoll ist. Die Reserve für Investitionen ist ungefähr so hoch wie Magaths Jahresgehalt, das bei etwa fünf Millionen Euro liegen soll, wie das Wirtschaftsmagazin „Capital“ kolportierte. Ein gigantisches Salär, vor allem bei einem Bundesligaverein, den bei zuletzt gesunkenem Umsatz eine Schuldenlast von mehr als 136 Millionen drückt. Sogar mancher Beobachter aus der Umgebung des Aufsichtsratsvorsitzenden Tönnies konnte sich zunächst nicht vorstellen, dass der Kandidat Magath das Rennen machen würde - zu teuer. Aber Tönnies wollte endlich Ruhe und Kompetenz in den Verein einpflanzen. Dieses Ziel ist erreicht: Magath denkt, Magath lenkt, und alle anderen sind still.
Der alten Mannschaft muss neues Leben eingehaucht werden
Jetzt braucht der Trainer bloß noch die Mannschaft in Schwung bringen. Sie zu verändern wird schwieriger, als das Team hinter dem Team neu aufzustellen oder das Trainingszentrum umzugestalten. Aber Magath beklagt sich nicht. Tönnies habe ihm mit Blick auf die Finanzen „von Anfang an reinen Wein eingeschenkt“. Die Kunst wird darin bestehen, der alten Mannschaft neues Leben einzuhauchen, sie buchstäblich fit zu machen für die (nähere) Zukunft. Das Thema Fitness ist seit langem Magaths Spezialgebiet. Impulse durch viele neue Spieler dagegen sind fürs Erste nicht zu erwarten. Ein junger Tscheche namens Jan Moravek und der griechische U-21-Nationalspieler Vasilias Pliatsikas wurden verpflichtet. Dazu kam nach einigem Warten Talenthoffnung Lewis Holtby von Alemannia Aachen - einem Verein aus der zweiten Liga.
Für Magath bedeutet der Wechsel eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Er vergleicht sein Gelsenkirchener Projekt mit der Aufgabe, die er vor seinem Wirken in Wolfsburg und München angepackt hatte. In Stuttgart hatte er einen Abstiegskandidaten übernommen und daraus einen Champions-League-Teilnehmer gemacht. Nun gehe es darum, „Schalke hinter dem FC Bayern zu etablieren“ und auch mal Meister zu werden. Wie lange es dauern werde, könne er noch nicht sagen. Am Wochenende klappte wenig. Beim „T-Home-Cup“ in der eigenen Arena wurde man nach zwei Niederlagen Letzter von vier Mannschaften (siehe auch: Fußball kompakt: Rummenigge droht - Podolski warnt - Beckham denkt). Magath fordert Geduld ein, aber nicht im Übermaß. „Die Vertragslaufzeit ist lang genug. Wenn es in den vier Jahren nichts wird, dann gute Nacht und auf Wiedersehen.“ Mit seinem neuen Spaten wird Magath „auf“ Schalke bald alles umgegraben haben. Ob seine Saat danach auf fruchtbaren Boden fällt, wird eine der spannendsten Fragen der nächsten Saison sein.
Der Spaten ist eine Panne auch Schüppe oder Schüpppanne genannt
Thomas Kortling (Kortling)
- 21.07.2009, 14:16 Uhr
Taktik?
Falk Hammer (FalkHammer)
- 21.07.2009, 16:27 Uhr
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |