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Fußball-Bundesliga : Hütter wird neuer Eintracht-Trainer

Bei den Young Boys Bern holte er zuletzt den Meistertitel. Bild: Picture-Alliance

Der Österreicher kommt von den Young Boys Bern nach Frankfurt. Der ehemalige Nationalspieler bevorzugt den offensiven Fußball. Gerade erst gelang dem Österreicher ein großer Erfolg bei seinem alten Klub.

          Aus der Schweizer Super League in die deutsche Bundesliga. Für Adolf „Adi“ Hütter geht es nun nach Frankfurt. Der Coach von Meister Young Boys Bern verlässt die Hauptstadt der Eidgenossen und wird Trainer bei der Eintracht. Am Mittwochmittag, als Eintracht-Spieler Kevin-Prince Boateng in den Katakomben der Commerzbank-Arena launig und kurzweilig über das bevorstehende Pokalfinale gegen den FC Bayern München parlierte, machten entsprechende übereinstimmende Medienmeldungen, die sich auch mit Informationen dieser Zeitung deckten, die Runde.

          Am späten Nachmittag dann bestätigte die Eintracht die Personalie. Adi Hütter also, ausgestattet mit einem bis einschließlich 30. Juni 2021 laufenden Vertrag, wird Nachfolger von Niko Kovac. Der eine, Kovac, geht zum Meister. Der andere, Hütter, kommt vom Meister. Seit längerem schon, ist zu hören, habe Sportvorstand Fredi Bobic diskret mit Hütter verhandelt und ihn davon überzeugen können, fortan sein Glück in der Bundesliga zu suchen. Für den 48 Jahre alten Österreicher ist der bevorstehende Wechsel nach Frankfurt die logische Weiterentwicklung und der folgerichtige Schritt auf seiner Karriereleiter.

          „Für mich geht ein Traum in Erfüllung“, wird Hütter in einer Mitteilung der Eintracht zitiert. „Als Spieler blieb mir die Bundesliga verwehrt, obwohl ich einmal ein Angebot hatte. Als Trainer hatte ich bereits das eine oder andere Angebot aus der Bundesliga ausgeschlagen. Aber nun freue ich mich umso mehr darauf, in der Liga des Weltmeisters tätig sein zu können.“

          Hütter durchbrach die Vorherrschaft des FC Basel

          In dem kleinen Nachbarland Schweiz ist es dem aus Hohenems in Vorarlberg stammenden Hütter gelungen, die jahrelange Vorherrschaft des Branchenführers FC Basel zu durchbrechen. Erstmals dürfen sich die Young Boys Bern Meister der Schweizer Super League nennen. 32 Jahre lang haben Spieler und Verantwortliche darauf gewartet. Hütter hat es möglich gemacht. Im Verbund mit Sportchef Christoph Spycher, zu aktiven Zeiten als Kapitän für die Eintracht am Ball, hat er sich nicht gescheut, im turbulenten Herbst 2016, als es bei den Bernern drunter und drüber ging, sich der Verantwortung zu stellen und den Klub sportlich zu konsolidieren.

          Langjährige Schweizer Beobachter berichten, dass es Hütter vor allem gelungen sei, die verschiedenen Charaktere zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen. Der Erfolg für hartnäckiges, zielstrebiges und beharrliches Wirken: Die Young Boys haben dem zuletzt acht Mal in Folge meisterlichen FC Basel nicht nur diesen Titel weggeschnappt. In gut einer Woche kann Hütter gemeinsam mit seiner Mannschaft auch noch das Double schaffen. Dafür fehlt ihm ein letzter Sieg in seinem letzten Pflichtspiel im Pokalfinale gegen den FC Zürich.

          Der Pokal als große Abschiedsveranstaltung: Nicht nur für Hütter ist es der Moment, auf Wiedersehen zu sagen. Auch Kovac hat die Chance, sich mit dem Pokalfinale von seinem Klub zu verabschieden. Wobei die Ausgangslage für den scheidenden Eintracht- und zukünftigen Bayern-Trainer ungleich herausfordernder ist: München ist am Samstag (20 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal sowie in der ARD und bei Sky) im Berliner Olympiastadion großer Favorit für den Gewinn des DFB-Pokals.

          Parallelen zu Niko Kovac

          Es gibt aber noch weitere Parallelen in den Trainerpersonalien Kovac/Hütter. Beide waren sie noch vertraglich an ihre jeweiligen Klubs gebunden. Für beide müssen ihre zukünftigen Arbeitgeber eine Ablöse zahlen. Hütter steht noch bis Mitte 2019 bei den Young Boys unter Vertrag. Mit ihm bekommt die Eintracht einen Cheftrainer, der für Offensivfußball und die Förderung von Talenten steht. „Die Leute wollen kein Team sehen, das sich hinten einigelt, auf Konter spielt und hofft, dass aus einer Standardsituation ein Tor fallen könnte“, sagte er einst. In der Schweiz wird anerkennend vom „Hütter-Fußball“ gesprochen, der nun auch in Frankfurt wirken soll.

          Bislang hat der österreichische Fußballlehrer nie länger als drei Jahre bei einem Verein gearbeitet. Bei RB Salzburg beispielsweise war Hütter nur zwölf Monate lang die Lokomotive des Klubs. Er nahm Abschied, obwohl er das Double gewonnen hatte. Geblieben bis heute ist sein Credo, über das er damals sagte: „Wichtig ist die Führung der Spieler. Man ist als Trainer mehr als nur ein Coach, der die Aufstellung bekannt gibt. Als Trainer bist du eine Führungsperson, brauchst soziale Kompetenz. Du musst hart und gerecht sein, dann vertrauen dir auch die Spieler, gehen den Weg mit dir.“

          Adi Hütter gelangen zuletzt große Erfolge bei Young Boys Bern.

          So ähnlich hatte sich zeit seines Wirkens bei der Eintracht auch Kovac geäußert. Dass Bobic „keinen Kovac 2.0“ suchte, hatte das für den Sport zuständige Vorstandsmitglied stets betont. Allerdings müsse auch der neue Trainer „ein Arbeiter“ sein und für das „Multi-Kulti dieser Stadt“ und des Eintracht-Teams stehen. „Es wird immer ein anderer Typ sein, der seine eigene Note einbringt“, sagte Bobic, der weiß: „Unser Fußball ist nicht ganz schick, aber rauh und robust.“

          Spannende Zeiten also für den 14-maligen österreichischen Nationalspieler Hütter, der seine Berufung im Beruf des Trainers längst gefunden hat und dort seit Jahren beste Ereignisse vorweisen kann. „Adi ist ein echter Fußballfachmann, der diesen Sport durch und durch lebt“, sagte Bobic am Mittwoch. „Seine Vita ist beeindruckend, denn er hat nachhaltig bei mehreren Klubs bewiesen, dass er mit harter Arbeit auch aus geringen Möglichkeiten das Optimum herausholen kann. Er passt daher perfekt zu unserem Klub.“

          Hütter kommt als vierter österreichischer Trainer (nach Gustav Wieser, Adolf Patek und Helmut Senekowitsch) in der langen Eintracht-Historie nach Frankfurt. Was ihn erwartet, hat Bobic jüngst bei einem Fernsehauftritt so beschrieben: „Wir haben eine spezielle Mannschaft, wir sind ein spezieller Verein.“

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