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Vertragspraxis : Heinz Müller wird nicht zum zweiten Bosman

Noch in Aktion: Der frühere Mainzer Torwart Heinz Müller beim Training im Juli 2013 Bild: Picture-Alliance

Erleichterung in der Fußball-Bundesliga: Das Bundesarbeitsgericht wies letztinstanzlich die Klage des ehemaligen Torhüters Heinz Müller auf ein Recht auf unbefristete Anstellung ab. Ein Sieg Müllers hätte den gesamten Profisport erschüttert.

          Den Fußballplatz hat Mainz 05 in jüngster Zeit höchst selten als Gewinner verlassen. Vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt aber hat Mainz 05 am Dienstag einen Sieg davongetragen. Im Rechtsstreit mit dem früheren Torwart Heinz Müller, der eine unbefristete Anstellung eingefordert hatte, bestätigte das Gericht die Entscheidung des rheinland-pfälzischen Landesarbeitsgerichts vom April 2016 (Aktenzeichen 4 Sa 202/15).

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Verhandlung vor dem Bundesarbeitsgericht war in der gesamten Fußballbranche mit Spannung erwartet worden, da Müllers ursprüngliche Forderung in der ersten Instanz in einen Rechtsstreit über die Zulässigkeit befristeter Arbeitsverträge im Profisport mündete. Eine erfolgreiche Klage Müllers hätte die Grundlage der Vertragspraxis im Profisport über den Fußball hinaus zerstört und schwerwiegende Folgen gehabt. In der Praxis hätten Klubs ihren Spielern „Rentenverträge“ geben müssen.

          „Das Landesarbeitsgericht hat die Klage insgesamt abgewiesen. Die Revision des Klägers hatte vor dem Siebten Senat des Bundesarbeits-gerichts keinen Erfolg. Die Befristung des Arbeitsvertrags ist wirksam. Sie ist wegen der Eigenart der Arbeitsleistung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzBfG gerechtfertigt“, heißt es in der Pressemitteilung des Gerichts. „Im kommerzialisierten und öffentlichkeitsgeprägten Spitzenfußballsport werden von einem Lizenzspieler im Zusammenspiel mit der Mannschaft sportliche Höchstleistungen erwartet und geschuldet, die dieser nur für eine begrenzte Zeit erbringen kann. Dies ist eine Besonderheit, die in aller Regel ein berechtigtes Interesse an der Befristung des Arbeitsverhältnisses begründet.“

          Der bis zum 30. Juni 2014 im Verein tätige Torwart Heinz Müller hatte 2015 zunächst auf Zahlung von Prämien und Gehaltsfortzahlung für eine weitere Saison geklagt, weil er in der Saison 2013/14 aufgrund einer Verbannung durch Trainer Thomas Tuchel in die U23 des Klubs um seine Chance gebracht worden sei, Prämien einzuspielen und eine Klausel für eine Vertragsverlängerung um ein Jahr bei mindestens 23 Bundesligaeinsätzen zu erreichen. Müller hatte in einer Zeugenvernehmung Tuchel gar des „Mobbings“ bezichtigt, weil er den Torhüter nach einer verletzungsbedingten Auswechslung in dessen bis heute letzten Bundesligaspiel im November 2013 in Augsburg in beleidigender Weise angegangen sei. der heute 39 Jahre alte Müller hatte eine Forderung von 429.000 Euro an den Klub gerichtet für diese entgangenen Einnahmen.

          Das Arbeitsgericht Mainz (Aktenzeichen 3 Ca 1197/14) hatte diese Klage in erster Instanz zwar abgewiesen, Müller aber ein Recht auf eine unbefristete Anstellung bei Mainz 05 zuerkannt. Müller und alle Profisportler hätten dementsprechend spätestens nach Verlängerung eines ersten, auf zwei Jahre befristeten Arbeitsvertrages Anspruch auf eine unbefristete Anstellung. Dies hätte unabsehbare Folgen für die Vereine mit sich gebracht, da Spieler einen Anspruch auf eine Beschäftigung bis zum Erreichen des Rentenalters hätten erhalten können.

          Zugleich hätten Profis den Verein gemäß einer gesetzlichen Kündigungsfrist verlassen und somit die Grundlage für die Forderung nach einer Ablösesumme für den alten Arbeitgeber entziehen können. Das Bundesarbeitsgericht widersprach in seinem Urteil nun wie schon die vorangegangene Instanz dieser Ansicht und erspart dem Vertrags- und Transfersystem im Profifußball eine juristische Erschütterung der Dimension des sogenannten „Bosman-Urteils“, das in der Branche befürchtet worden war. Jean-Marc Bosman war ein belgischer Profi, der 1995 vor dem Europäischen Gerichtshof erstritten hat, dass Profisportler nach Ende eines Vertrags ablösefrei wechseln können. Zudem fielen durch das Bosman-Urteil Ausländerbeschränkungen innerhalb der Europäischen Union.

          In der Bundesliga wurde das Urteil mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. „Meine Verträge halten also doch“, scherzte Christian Heidel, der 2012 den strittigen Vertrag mit Müller als Manager von Mainz 05 geschlossen hatte und mittlerweile als Sportvorstand von Schalke 04 tätig ist. „Ich habe den ganzen Fall von Anfang an verfolgt. Auch Heinz Müller kam wie die Jungfrau zum Kind zu der ganzen Sache. Auch Heinz ging es niemals darum, die Befristung von Fußballerverträgen in Frage zu stellen. Auf der anderen Seite ist es gut, dass es jetzt so entschieden ist. Ich hätte mir allerdings auch kein anderes Urteil vorstellen können, da ein Siebzigjähriger nicht im Fußball mithalten kann.“

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