http://www.faz.net/-gtm-89fo9

Foul an Gladbachs Hahn : Harte Strafe für Geis nach brutalem Tritt

  • -Aktualisiert am

Nach einem brutalen Tritt fliegt der Schalker Geis (rechts neben dem Schiedsrichter) vom Platz. Bild: dpa

Das böse Foul des Schalkers Geis gegen Gladbachs Hahn und dessen schwere Verletzung entsetzt nicht nur die Borussen. Das Sportgericht des DFB reagiert schnell – und spricht ein deutliches Urteil.

          Ein paar Minuten nach dem Schlusspfiff trat Johannes Geis einen schweren Gang an. Der Mittelfeldspieler von Schalke 04 suchte die Kabine des Gegners auf, um sich nach dem Befinden Andre Hahns zu erkundigen. Wie genau es ihrem Kollegen ging, wussten die Gladbacher Profis zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht.

          Ohne die Diagnose zu kennen und ohne zu übertreiben, konnte Max Eberl, der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, aber so viel sagen: „Das war ein ganz fieses Ding. Ich glaube, dass Andre lange keinen Fußball mehr spielen kann.“ Den Grund für diese Prognose hatte das Foul geliefert, mit dem Geis Hahn außer Gefecht setzte.

          Dass der unkontrollierte Tritt des Gelsenkircheners nicht nur weh tat, sondern Folgen haben würde, war sofort zu erahnen und wurde später im Krankenhaus bestätigt: Der Außenmeniskus ist gerissen, der Schienbeinkopf gebrochen. Hahn wird im letzten Quartal dieses Jahres nicht mehr auf den Platz zurückkehren. Das brutalste Foul dieser zehn Spieltage alten Saison versetzte allen Beteiligten und vielen Unbeteiligten einen Schrecken.

          Die Gladbacher Freude über das 3:1 wurde nicht unbeträchtlich geschmälert. „Das überschattet alles“, sagte Borussen-Trainer Andre Schubert. Fast überflüssig zu erwähnen, dass Schiedsrichter Wolfgang Stark den Täter mit der Roten Karte bestrafte (80. Minute). Geis scheint, zumindest nach dem Spiel, gespürt zu haben, was er angerichtet hatte, als er bei seinem eingesprungenen Frontalangriff mit gestrecktem Bein den Gegner verletzte.

          Gladbach hat in der Bundesliga einen Lauf und gewinnt schon wieder. Bilderstrecke
          Gladbach hat in der Bundesliga einen Lauf und gewinnt schon wieder. :

          In der Kabine soll er gesessen haben wie ein Häufchen Elend. „Johannes ist ziemlich fertig“, sagte Horst Heldt, der Manager des FC Schalke 04. Als Geis sich wieder gefangen hatte, bat er noch am selben Abend auf „Facebook“ um Verzeihung. Er könne „gar nicht in Worte fassen, was passiert ist“, schrieb der Zweiundzwanzigjährige. „Mir tut das schlimme Foul an Andre sehr leid, und ich entschuldige mich bei ihm, seiner Familie, dem Verein und allen Fans. Ich habe ihn in der Situation nicht richtig gesehen und habe seine Bewegungen falsch eingeschätzt.“

          Während viele Beobachter auch beim zweiten und dritten Betrachten der Fernsehbilder noch zusammenzuckten, begann Heldt in den Katakomben des Borussia-Parks damit, die Verteidigungslinie zu markieren, die auf ein möglichst geringes Strafmaß abzielte. Am Montag gab der DFB-Kontrollausschuss bekannt: Wegen rohen Spiels wurde Geis für fünf Pflichtspiele gesperrt; zudem muss er eine Geldstrafe von 15.000 Euro zahlen. Damit fehlt er auch im Duell im DFB-Pokal zwischen Schalke und Gladbach am Mittwoch (20.30 Uhr / Live in der ARD, bei Sky und ).

          Ich kann gar nicht in Worte fassen, was heute passiert ist. Mir tut das schlimme Foul an André sehr Leid und ich...

          Posted by Johannes Geis on Sonntag, 25. Oktober 2015


          Es sei „keine Absicht“ gewesen, „eine unglückliche Situation“, sagte der Manager. Geis sei „mit dem Standbein weggerutscht“. Absicht wird einem als fair bekannten jungen Spieler wie Geis, der zum ersten Mal „Rot“ sah, niemand unterstellen. Aber weggerutscht? Gekrönt hat Heldt sein vorweg genommenes Plädoyer mit dem großzügigen Zugeständnis, man könne „dem Schiedsrichter in diesem Fall keinen Vorwurf machen“. Diese Frage hatte sich gar nicht gestellt, bei einem derart krassen Fall von grober Fahrlässigkeit.

          Dass eine Gruppe tumber Schalke-Fans den Abtransport des auf einer Trage liegenden Hahn mit hämischen Sprechchören („Auf Wiedersehen!“) begleitete, ging auch Heldt zu weit: „Solche Momente gehören sicher nicht ins Spiel“, sagte er. Das Thema Schiedsrichter war für den Manager mit der Roten Karte aber noch nicht erledigt.

          Der Elfmeter, den Lars Stindl im Nachschuss zum ersten Tor nutzte (32.), sei unberechtigt gewesen; ebenso der Freistoß, den der bestens aufgelegte Raffael zum 2:1 in den Winkel zirkelte (70.), ehe Julian Korb in Überzahl für Gladbach alles klar machte (84.). Es mögen knappe, gar umstrittene Entscheidungen gewesen sein, die den ersten beiden Toren zugrunde lagen, aber genau hier passt der Satz, den Heldt in anderem Zusammenhang geäußert hatte: Dem Schiedsrichter kann man keinen Vorwurf machen.

          In erster Linie war die Niederlage auf eine insgesamt schwache Leistung der Schalker zurückzuführen, bei denen ein Eigentor von Andreas Christensen (45.) nur ungefähr zwanzig Minuten lang die Illusion geweckt hatte, an diesem Abend vielleicht doch etwas ausrichten zu können.

          Details zum Spielverlauf gerieten angesichts des „Horrorfouls“ (so nannte es die Zeitschrift „Reviersport“) zu Randnotizen; ebenso die Personalfragen, die beide Vereine beschäftigen. Bei Schalke versuchen der Aufsichtsratsvorsitzende Tönnies und der Sportvorstand Heldt weiter zu ergründen, wann sich ihre Wege trennen.

          Bei Gladbach bleibt auch nach dem fünften Liga-Sieg in Serie die Frage unbeantwortet, wie lange der erfolgreiche Übergangstrainer die Mannschaft noch trainieren soll. „Ich verfolge die Diskussion mit großer Gelassenheit“, sagte Schubert. „Und ich freue über alle Argumente, die vorgetragen werden.“ Schon an diesem Mittwoch könnten weitere folgen. Dann treffen sich Schalke und Gladbach zum Pokalspiel in Gelsenkirchen.

          Quelle: dpa

          Weitere Themen

          „Das sieht einfach scheiße aus“

          Borussia Dortmund : „Das sieht einfach scheiße aus“

          Zum Ärger um Aubameyang kommt beim BVB eine handfeste Krise. In Stuttgart macht sich Dortmund das Leben selbst schwer. Kurios ist vor allem das erste Gegentor. Danach gibt es klare Worte.

          Topmeldungen

          Der Tatort: Das Briefzentrum Frankfurt. Millionen echte Briefe kommen hier täglich an. Etliche Millionen wurden offenbar nur erfunden.

          F.A.S. exklusiv : Millionen-Betrug mit erfundenen Briefen

          Staatsanwälte sind einem riesigen Betrugsfall in der Deutschen Post auf der Spur. Offenbar sind hunderte Millionen Briefe abgerechnet worden, die nie geschrieben wurden und frei erfunden waren.

          Zum Tod von Malcolm Young : Malcolm, der Meister

          Mit AC/CD gründete er die größte Hardrockband aller Zeiten und gab ihr den unverkennbaren Sound. Nun ist der Gitarrist Malcolm Young im Alter von 64 Jahren gestorben. Sein Vermächtnis liegt in seinen Riffs. Ein Nachruf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.