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Borussia Mönchengladbach Mit links haut Arango alle vom Hocker

Juan Arango gelingen Kunstschüsse, die wie ferngesteuert wirken. Er ist der neue Star der Mönchengladbacher Borussia, die am Freitagabend (20.30 Uhr) die Bayern fordert.

© dpa Juan Arango: Den „Chiller“ bringt nichts aus der Ruhe

Juan Arango macht (fast) alles mit links. So sieht es jedenfalls aus; so leicht, so selbstverständlich, so künstlerisch. Er schießt Borussia Mönchengladbach allmählich aus dem Mittelmaß wieder in eine Umlaufbahn, die in die besseren Kreise der Fußball-Bundesliga führen kann.

Rainer Bonhof, der Vizepräsident des Klubs, als Spieler einst für seine Schusstechnik gerühmt, sagt, er habe bei keinem Borussen jemals mehr Genialität im linken Fuß gesehen als bei Arango, auch nicht bei den Meisterspielern der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. In jenem goldenen Gladbacher Zeitalter bot die Borussia dem FC Bayern München länger Paroli als jeder andere Mitbewerber auf Zeit.

An diesem Freitagabend (20.30 Uhr/ live im F.A.Z.-Liveticker) tritt Gladbach in München an, längst nicht mehr als großer Herausforderer, aber immerhin wieder als Konkurrent, der an guten Tagen mithalten kann wie etwa in der vergangenen Saison, in der die Borussen in der Bundesliga beide Vergleiche für sich entschieden.

Ferngesteuerte Schüsse

Vor dem Ausklang der Hinrunde führen die Bayern das Klassement so souverän an wie lange nicht. Dennoch haben sie Grund, den alten Rivalen wieder ernst zu nehmen, trotz dessen schwachem Start. Das liegt nicht zuletzt an Arangos Dynamik, seinen ballistischen Stärken, seinem Ballgefühl. „Mit links hatte ich schon als Kind eine gute Technik“, sagt er. Den rechten Fuß dagegen könne er „nur beim Autofahren einsetzen, um Gas zu geben“. Seit Marco Reus, der „Fußballer des Jahres“, zur anderen Borussia nach Dortmund gewechselt ist, bekleidet Arango in Gladbach die Position des Vorarbeiters in Sachen Tempo und Torgefährlichkeit.

Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 05 © dpa Vergrößern „Und wieder ein Tor des Jahres“: Arango wird selbst vom Trainer gefeiert

Seine Schüsse wirken zuweilen wie ferngesteuert, als führte der Flügelspieler nur aus, was ein Computer zuvor genau ausgerechnet hat, Flugbahnen, die wie Täuschungsmanöver wirken, eingeschlossen. Jüngst beim Spiel gegen den FSV Mainz 05 versuchte es der Edeltechniker intuitiv aus einer Entfernung von vierundvierzig (!) Metern. Kurz vor der Mittellinie abgefeuert, nahm der Ball eine Rechtskurve und tropfte ins gegnerische Tor.

„Wieder ein Tor des Jahres“

Diesen Treffer haben sich die Mitspieler in der Kabine nochmals angesehen. Sie sind spontan aufgestanden und haben Beifall geklatscht. „Ich könnte das im Training Dutzende Male so probieren, würde es aber nie so hinkriegen wie Juan“, sagt Patrick Herrmann, ein durchaus talentierter junger Mann, der in Gladbach unter Vertrag steht. Sogar ein erfahrener Fußball-Lehrer wie Borussias Cheftrainer Lucien Favre staunte. „Wir dachten auf der Bank, der Ball geht drüber“, sagt er und erfreute sich Sekundenbruchteile später an seinem Irrtum. „Wieder ein Tor des Jahres.“ Fußball-Architekt Favre gehört nicht zu den Selbstdarstellern seiner Berufsgruppe, zu den lauten Vertretern, die alles um sich herum vergessen, wenn das Spiel seinen Lauf nimmt.

Der 55 Jahre alte Schweizer wirkt kontrolliert. Und Beobachter fragen sich, was diesen ruhigen Mann wohl vom Hocker hauen könnte. Wenn Arango trifft, ist das zuweilen sogar für den Monsieur ein Grund, alles um sich herum zu vergessen und kurz abzuheben. „Arango ist einer der besten Linksfüße der Welt“, sagt Favre beinahe schwärmerisch. Tore wie gegen Mainz rufen sogar Vergleiche mit Günter Netzer hervor, dem berühmtesten Techniker aus jenem goldenen Gladbacher Zeitalter. „Das macht mich stolz“, sagt Arango. In dieser Saison hat er schon fünf Tore geschossen, eins weniger als in der gesamten zurückliegenden Spielzeit, in der Reus der Frontmann war.

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Der 32 Jahre alte Venezolaner hatte einen mäßigen Start bei der Borussia. Seine Anlagen waren rasch zu erkennen, aber das Durchsetzungsvermögen, seine Effektivität, seine Durchschlagskraft blieben unter den Erwartungen. Erst als Favre vor anderthalb Jahren seine sportlichen Lebensgeister neu erweckte, wachte Arango in der Bundesliga richtig auf. „Was ist mit ihm?“, fragte Favre und machte dem Südamerikaner Beine.

Den „Chiller“ bringt nichts aus der Ruhe

Seit dem Weggang von Reus, zu vergleichen mit dem Verlust Allan Simonsens vor mehr als drei Jahrzehnten, steht Arango in einer immer noch ansehnlich besetzten Mannschaft fast allein für die unberechenbaren Momente, die Fans wie Gegnern den Atem rauben. Das fing schon im Pokalspiel bei Alemannia Aachen an. Am heißesten Tag, in der heißesten Region des Jahres fiel es den neuformierten Borussen schwer, sich gegen den Drittligaverein durchzusetzen. Doch Arango tänzelte, ja schwebte über das Grün, scheinbar ohne zu schwitzen, als wäre es eine seiner leichtesten Übungen.

Ob es draußen heiß ist oder kalt - nichts bringt Arango aus der Ruhe. Die Mitspieler nennen ihn deshalb neudeutsch den „Chiller“, der abschalten und entspannen kann, sobald ihm der Sinn danach steht. Viele Fans mögen das. Einige von ihnen haben im Internet eine Plattform geschaffen, um ihrem Star zu huldigen. Sie bezeichnen sich als die „Zeugen Arangos“. Der Gladbacher Trainer klingt fast so, als wäre er kurz davor, einen Aufnahmeantrag stellen. „Ich weiß nicht, was er hat in dieser Saison“, sagt Favre, „aber es ist unglaublich.“

Quelle: F.A.Z.

 
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