http://www.faz.net/-gtm-8o9h6

Bundesliga : Gladbacher Baustellen

  • -Aktualisiert am

Es ist aktuell zum Verzweifeln, wenn man es mit der Borussia hält. Bild: Jonas Güdpa

Borussia Mönchengladbach steckt tief in der Krise: Die Diskussionen um Trainer Schubert, die Gerüchte um Manager Eberl und das Fehlen von Führungsspielern lösen Alarm aus.

          Max Eberl ließ sich am Freitag entschuldigen. „Nicht im Lande“ sei der Manager von Borussia Mönchengladbach. So war Trainer André Schubert gefragt, um in der größten Klub-Krise der jüngeren Vergangenheit die Stellung zu halten. Wann Borussia Mönchengladbach genau vom Kurs abkam, ist allerdings auch Schubert nicht genau klar. Wie gewohnt lächelte der Coach die Kritik weg und ließ die prekäre Situation nicht an sich heran. Getreu dem Motto: „Ich beschäftige mich nicht mit Dingen, die ich nicht beeinflussen kann.“ Dass die Rheinländer allerdings weit hinter ihren eigenen Erwartungen zurückliegen, damit sollte er sich sehr wohl beschäftigen, denn das ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Im Gegenteil: Der Klub, der in den vergangenen vier Jahren wieder zu einer nationalen Größe geworden ist und sich auch international einen Ruf erarbeitet hat, wankt gehörig.

          Auch Trainer Andre Schubert steht längst zur Diskussion

          Während draußen im Schatten des Borussia-Parks die schweren Maschinen an dem prestigeträchtigen neuen Hotelkomplex arbeiten - dem sichtbar gewordenen Lohn für die jüngsten Erfolge -, kommt die Unruhe im Verein nicht vom Baulärm. Der Verein, der immer Gelassenheit und Kontinuität predigt, ist in Schieflage geraten. Dabei offenbaren sich gleich mehrere schwerwiegende Baustellen, die eines deutlich machen: Gladbach befindet sich in einer ausgewachsenen Krise. Die Diskussionen um den Trainer, die Gerüchte um den Manager, der Ärger mit einem - bald ehemaligen - Spieler und das Fehlen von Führungsspielern - es sind die Symptome einer Mannschaft, die durchaus in den Abstiegskampf hineingezogen werden könnte. Deshalb warnt Max Eberl: „Wir müssen jetzt endlich punkten. Ich möchte bis zum Winter nicht noch weiter in der Tabelle abrutschen.“

          Sportlich läuft es am Niederrhein schon länger nicht mehr rund. Seit dem fünften Spieltag hat die Borussia nur drei Punkte ergattert und gerade einmal drei Tore erzielt. Und als wäre das nicht schon alarmierend genug, wirkte die Schubert-Elf zuletzt überfordert mit den Vorgaben ihres Trainers. Ohne defensive Stabilität, ohne Durchschlagskraft und mit einigen personellen Ausfällen ist die Borussia seit acht Bundesligapartien sieglos. Während die Gladbacher auswärts eigentlich gar nicht mehr anzutreten brauchen, ist selbst die einstige Festung an der Hennes-Weisweiler-Allee nur noch eine fragile Fassade. Platz 13 mit 13 Punkten nach 13 Spieltagen - das ist nicht der Anspruch der Fohlenelf. Der Trainer steht deshalb natürlich längst zur Diskussion. „Wir müssen jetzt zusehen, dass wir bis zur Winterpause Punkte sammeln, damit wir die Lage in Ruhe analysieren können“, sagte Manager Eberl nach dem desolaten Champions-League-Auftritt - dem 0:4 - beim FC Barcelona. Die Rückendeckung für den Trainer scheint zu bröckeln. Das Spiel gegen Mainz an diesem Sonntag könnte im Falle einer Niederlage sogar schon das letzte von Schubert sein. „Dass im Fußball oft nur die Extreme wie Sensation oder Katastrophe zählen, damit muss ich leben“, sagt der 45-Jährige zu seiner heiklen Situation. Der ehemalige Wolfsburger Trainer Dieter Hecking gilt - für den Fall der Fälle - schon als Nachfolgekandidat.

          Der Mannschaft fehlt es an Führungsspielern

          Diese Verpflichtung wiederum könnte eventuell die letzte Amtshandlung von Max Eberl sein, denn auch um ihn gibt es immer lauter werdende Gerüchte. So soll es sich der neue Bayern-Präsident Uli Hoeneß zur Chef-Aufgabe und obersten Priorität gemacht haben, den Sportdirektor nach München zu holen. Das Interesse adelt Eberls Arbeit in Mönchengladbach und ist eine Art Ritterschlag für den gebürtigen Niederbayern. Die Borussia würde ihren Architekten des Erfolgs verlieren, ihren Baumeister, der so oft ein hervorragendes Näschen hatte bei der Verpflichtung von Spielern. So wie einst bei Granit Xhaka, den er für acht Millionen aus Basel in die Bundesliga holte und ihn dann im vergangenen Sommer für die Rekordsumme von 45 Millionen Euro an den FC Arsenal abgeben musste.

          Es fehlt n Führungsspielern

          Ebendieser Xhaka wird nun schmerzlich vermisst. Der Schweizer Nationalspieler war ein Anführer, die den Gladbacher derzeit gut gebrauchen könnten. „Unterschätzt“ habe man dessen Verlust. Nun herrscht ein hierarchisches Vakuum im Team - auch weil Spieler wie Routinier Martin Stranzl oder Alvaro Dominguez nicht mehr zur Verfügung stehen. Der Spanier gab am vergangenen Dienstag via Twitter sein Karriere-Ende bekannt. Nur einen Tag später erhob er schwere Vorwürfe gegen die Borussia, die seine anhaltenden Rückenbeschwerden nicht ernst genommen, ja ihn sogar gezwungen haben soll, verletzt zu spielen. Während der Spanier eine Klage in Betracht zieht, halten sich die Gladbacher Verantwortlichen mit Aussagen zurück. Aus rechtlichen Gründen. Und, weil der Verein andere, gerade vermeintlich wichtigere Baustellen hat.

          Trainer Schubert bleibt nichts anderes übrig, als den Zusammenhalt zu predigen; zudem baut er eine verbale Wagenburg auf. Kritische Worte von den eigenen Spielern - André Hahn etwa bemängelte die Angsthasentaktik in Barcelona - seien aus dem Zusammenhang gerissen, man lasse sich „davon nicht auseinanderdividieren“, so der Coach. Dass Max Eberl an diesem Freitag nicht neben dem Trainer saß - vielleicht ist dies nur eine Randnotiz.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          Die digitale F.A.Z. PLUS

          Die F.A.Z. stets aktuell, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken.

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          Schweiz siegt nach Herzschlagfinale

          2:1 gegen Serbien : Schweiz siegt nach Herzschlagfinale

          Nach einem zwischenzeitlichen 0:1-Rückstand gelingt der Schweiz gegen Serbien ein fulminantes Comeback. Matchwinner ist neben Siegtorschütze Shaqiri ein anderer ehemaliger Bundesligaprofi.

          Unter Druck Video-Seite öffnen

          „Nicht den Kopf verlieren“ : Unter Druck

          Die heftige Kritik nach dem „Fiasko Mexikana“ ist an den Spielern nicht spurlos vorbeigegangen. Das wurde auch deutlich, als sich mehrere Nationalspieler am Rande des Trainingsplatz den Fragen der Journalisten stellten.

          Topmeldungen

          Merkel in Beirut : An der Flüchtlingsfront

          Bei ihrer Reise durch den Libanon erlebt die Kanzlerin eine Gesellschaft, die durch die vielen Vertriebenen im Land verunsichert ist – kommt ihr das bekannt vor?

          Streit bei den Republikanern : Die Kopfschmerzen werden stärker

          Der Graben zwischen konservativen und moderaten Republikanern in der Migrationsfrage wird immer tiefer. Im Repräsentantenhaus blockieren sich die Parteiflügel. Und für Trump ist alles sinnlos.

          Wechsel bei NRW-SPD : Auf nach vorne, aber alles wie gehabt

          Eine schonungslose Generalinventur hatte Michael Groschek nach der Niederlage bei der Landtagswahl in NRW versprochen. Doch nach einem Jahr tritt er wieder ab, und vieles ist beim Alten in der SPD.

          2:1 gegen Serbien : Schweiz siegt nach Herzschlagfinale

          Nach einem zwischenzeitlichen 0:1-Rückstand gelingt der Schweiz gegen Serbien ein fulminantes Comeback. Matchwinner ist neben Siegtorschütze Shaqiri ein anderer ehemaliger Bundesligaprofi.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.