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Borussia Mönchengladbach Der Blick geht langsam nach unten

 ·  Wenn Schalke 04 an diesem Mittwoch bei Borussia Mönchengladbach antritt, werden die meisten Augen auf den in die Kritik geratenen Gelsenkirchener Trainer Mirko Slomka gerichtet sein. Doch auch Gladbach-Coach Jupp Heynckes steht unter Druck.

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Die Lage für Borussia Mönchengladbach bezeichnet er unumwunden als „prekär“, das Duell gegen seinen früheren Verein Schalke 04 verspreche wegen der Situation beider Mannschaften einen „dramatischen“ Verlauf anzunehmen.

Aber die von ihm beschriebenen Ausgangspunkte rufen bei Jupp Heynckes keine größere Beunruhigung hervor. Daß die Gladbacher vor einem Jahr unter seinem Vorgänger Horst Köppel mit 18 Punkten als Tabellenfünfter neun Ränge höher plaziert waren, ficht den Einundsechzigjährigen sowenig an wie die Tatsache, daß sich die personelle Lage seines Teams vor der Partie gegen Schalke an diesem Mittwoch weiter zugespitzt hat. „Natürlich schaue ich in der Tabelle inzwischen mehr auf den Abstand nach unten. In unserer Situation nach oben zu schauen wäre wirklich vermessen“, sagt Heynckes.

Nach drei Niederlagen in Folge, angereichert durch das Negativerlebnis des Pokalausscheidens beim Drittligaklub Osnabrück, ist die Borussia mit nur zwölf Punkten auf Platz 14 durchgereicht worden. Heynckes freut sich dennoch auf den rheinisch-westfälischen Schlagabtausch, auch wegen seiner emotionalen Nähe zum Gegner. „Meine Gefühle und meine Beziehungen zu Schalke sehe ich ungemein positiv. Ich habe dort mit dem gleichen Engagement gearbeitet wie hier in Gladbach“, erklärt der Coach, der im September 2004 in Gelsenkirchen zu einem überraschend frühen Saisonzeitpunkt entlassen wurde. „Ich habe keine Ressentiments gegen Schalke. Ich habe viele sehr gute Beziehungen zu vielen Leuten dort. Ich habe dort sehr gerne gearbeitet.“ Die Verantwortlichen der Borussia könnten bestätigen, daß er den königsblauen Klub „als erstklassig geführten, in allen Abteilungen bestens aufgestellten Verein“ beschrieben habe.

„Schalke steht unter Zugzwang“

Die aktuellen Probleme der Schalker kann der Gladbacher Trainer nachvollziehen. Auch dort hinken die Ansprüche den Resultaten hinterher. „Sie haben ihre Ambitionen erklärt, Meister werden zu wollen. Sie stehen nun unter Zugzwang.“ Frank Rost, den sein Kollege Mirko Slomka bei den Westfalen am Wochenende zum Reservisten degradierte, habe er als „absoluten Top-Profi“ kennengelernt. „Ich habe größten Respekt vor ihm. Er hätte es verdient gehabt, bei der WM dabeigewesen zu sein“, sagt Heynckes. Daß der Rechtfertigungsdruck auf Slomka, der den jungen Manuel Neuer zum Stammtorwart beförderte, damit noch ein wenig größer wird, dürfte dem Gladbacher Trainer bewußt sein. Große Sprüche verkneift er sich, Sticheln ist erlaubt.

Seiner jungen Mannschaft versucht er ungebrochene Zuversicht zu vermitteln, trotz der großen Probleme, die seit Saisonbeginn stetig anwuchsen und bei der ersten Heimspielniederlage gegen Leverkusen (0:2) vor elf Tagen starken Unmut bei den ungeduldigen Fans hervorriefen. „Mit mehr Glück als beim 0:1 in Frankfurt und mit totalem Engagement sind wir in der Lage, gegen Schalke zu gewinnen. Die Mannschaft wird von Anfang an brennen, die Fans werden dann wie eine Eins hinter uns stehen“, erklärt Heynckes und greift damit doch zu den üblichen Parolen. Zweifel müßten bei ihm vorhanden sein, aber er zeigt sie nicht. Denn die Aufgabe ist noch komplizierter geworden. Sein Ziel, eine neue Mannschaft mit möglichst vielen von der Borussia ausgebildeten Spielern aufzubauen, muß er unter Zwang weiter forcieren.

Sturkopf Heynckes geht seinen Weg

Nach den Verletzungen der Leistungsträger Marcell Jansen, Bo Svensson, Filip Daems, Kasper Bögelund und der Sperre für Thomas Helveg (Rote Karte in Frankfurt am Sonntag) umfaßt die neue Liste der Ausfälle ein halbes Dutzend Defensivkräfte. Denn gegen Schalke wird auch noch Oliver Kirch mit Muskelbeschwerden im rechten Oberschenkel fehlen. Mit Tim Rubink rückt ein 18 Jahre altes Talent neu in den Kader. Den Junioren Robert Fleßers (19), Tobias Levels (19), Marvin Compper (21), die zusammen mit Routinier Zé António (29) die Viererabwehr bilden könnten, wandte sich Heynckes intensiv zu. Auf einigen der Junioren lastet nach seiner Beobachtung hoher, leider zu häufig leistungshemmender Druck.

Das Team weiß, daß das Wirken von Heynckes von Teilen der Fans kritisch betrachtet wird. Daß er in Frankfurt Oliver Neuville auf die Ersatzbank setzte, rief Unverständnis hervor. „Wenn der Trainer meint, daß andere besser spielen, dann sollen eben andere spielen“, schmollte der Nationalstürmer. Taktische Gründe gab Heynckes für die Nichtberücksichtigung an. Er, der manchmal als Sturkopf beschrieben wird, geht konsequent seinen Weg, wie damals in Schalke. Der Rückendeckung der Vereinsführung ist er sich gewiß. „Im Hause weiß man, daß die Borussia mit mir die Chance hat, Strukturen aufzubauen und eine Mannschaft zu bekommen, die wirklich wieder wettbewerbsfähig ist.“

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