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Borussia Mönchengladbach Auf der Suche nach Kontinuität

 ·  Vor dem brisanten Derby gegen den 1. FC Köln am Samstag herrscht in Mönchengladbach trotz der prekären Lage Ruhe. Trainer Michael Frontzeck bekommt mehr Zeit als seine Vorgänger.

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Natürlich geht es auch in diesem Spiel um Geld und um Punkte – aber nicht nur. Es gilt auch eine Währung, die besonders hoch im Kurs steht, wenn Mönchengladbach gegen Köln kickt: Emotion. „Jeder, der etwas mit dieser Stadt zu tun hat, weiß, was dieses Fußballspiel für eine Bedeutung hat. Das habe ich als sehr angenehm empfunden“, sagt der Gladbacher Trainer Michael Frontzeck. Borussia gegen den „FC“, das ist neben dem Revierderby Schalke gegen Dortmund eines der brisantesten Nachbarschaftstreffen der Bundesliga.

Frontzeck weiß, wovon er spricht. Er ist in Mönchengladbach geboren und aufgewachsen, hat bei den Borussen eine lange Profikarriere gestartet. Und er ist „mit dem Derby groß geworden“. Als Spieler hat Frontzeck die Gefühle, die dabei freigesetzt wurden, an andere Arbeitsorte mitgenommen. „Selbst als ich beim VfB Stuttgart gespielt habe, war das Köln-Spiel immer etwas Besonderes für mich“, sagt der Fußball-Lehrer, der seit Saisonbeginn seinen Heimatverein trainiert.

In der jüngeren Vergangenheit hat die Brisanz, ja die Schärfe noch zugenommen – leider abseits des Rasens, wo die Rivalität einzelner Fangruppen in Gewalt umschlug. Als die Kölner zuletzt in Mönchengladbach antraten, kam es in der Nähe des Stadions zu einer Art Straßenschlacht. Die Polizei sperrte das Gebiet rund um den Borussia-Park ab. Viele Zuschauer kamen zu spät; sogar der Kölner Mannschaftsbus traf erst eine halbe Stunde vor Anpfiff auf dem Gladbacher Vereinsgelände ein.

Dieses Mal will die Stadt Ausschreitungen durch ein groß angelegtes Alkoholverbot vorbeugen. Von 9 Uhr an bis zur Anstoßzeit 15.30 Uhr gilt auf 142 Straßen Mönchengladbachs ein Alkoholverbot, das tausend Polizeibeamte überwachen. Die Maßnahme wurde sogar gerichtlich bestätigt. Mit dem Alkoholverbot soll den Hooligans zumindest ein Treibstoff überbordender Aggressivität entzogen werden.

Frontzeck sucht den Mittelweg

Der Derby-Sachverständige Frontzeck will seinen Gefolgsleuten die guten Seiten dieses Derbys vermitteln. Einerseits Emotion. Gerade in diesem Spiel könne die Mannschaft „den Fans einiges zurückgeben“, sagt der Trainer. Nach passablem Start haben die Anhänger den abermaligen Sturz in die Abstiegszone geduldig hingenommen und es an Unterstützung nicht fehlen lassen. Diese Geduld ist gefordert, weil die Borussen in der Liga zuletzt fünfmal nacheinander verloren haben und zwischendurch aus dem DFB-Pokal ausgeschieden sind – daheim gegen den Zweitligaverein MSV Duisburg.

Andererseits kann gerade vor solchen Spielen, die von Gefühlen befrachtet sind, rationales Handeln hilfreich sein, um die Kräfte zu bündeln. Frontzeck will in seiner Ansprache einen gesunden Mittelweg einschlagen, das sei ihm noch immer gelungen. „Es nützt nichts, mit Schaum vor dem Mund durch die Kabine zu laufen.“ Bei allen lokalen Wurzeln, die Frontzeck Halt geben, braucht auch er als Trainer allmählich Ergebnisse, die das Vertrauen des Fans und des Vorstands rechtfertigen, besser noch: stärken. Fortschritte einer wieder einmal neuformierten Mannschaft sind allenfalls zu erahnen, nicht aber zu messen. In neun Spielen hatte die Borussia vor einem Jahr sieben Punkte ergattert – wie in dieser Saison – den Trainer aber schon gewechselt; Hans Meyer löste Jos Luhukay ab. „In diesem Geschäft gibt es keine Jobgarantie. Nach fünf Niederlagen müssen langsam die Punkte kommen“, sagt Frontzeck.

Gladbacher scheinen es leid, ständig den Trainer zu wechseln

Besser wäre es, sie kämen schnell. Auch wenn zählbare Fortschritte bisher nicht zu erkennen sind – ein wesentlicher Faktor hat sich geändert. Rund um den Borussia-Park ist es ruhiger als vor einem Jahr. Fans und Verein, aber auch die regionalen Medien wollen Frontzeck offenbar mehr Zeit einräumen als manchem seiner Vorgänger. Sie sind es offenbar leid, ständig den Trainer zu wechseln, sobald der Prozess der sportlichen Konsolidierung ins Stocken gerät. Sportliche Erfolge erforderten Kontinuität, sagt Sportdirektor Max Eberl. Letztlich habe die Niederlage gegen Hoffenheim mit entscheidenden Gegentoren in der Schlussphase die Mannschaft wohl nachhaltig verunsichert.

Zudem genießt Frontzeck, nicht nur mit Blick auf das Derby, Heimvorteil. Oder ist es nur die Ruhe vor dem Sturm, der nach einem missratenen Auftritt gegen Köln einsetzen könnte? Nicht, wenn es nach Eberl geht. So wie die Mannschaft, auch bei mancher Niederlage, aufgetreten sei, habe er keinen Anlass, Frontzeck in Frage zu stellen. „Da gibt es für mich keinen Zentimeter Zweifel“, sagt der Sportdirektor. „Es war uns klar, dass auch eine Phase kommt, in der es ein wenig hakt.“ Dass diese Phase so rasch und so massiv kommen würde, hatten die Verantwortlichen nicht erwartet.

Erste Anzeichen der Schwächeperiode hatten sich schon beim Auftaktspiel in Bochum abgezeichnet. Dort führte Gladbach zur Halbzeit nach einem grandiosen Auftritt mit drei Toren Vorsprung, erreichte letztlich aber nur mit Mühe ein 3:3. Der Anfang vom nächsten Ende, das in die sportliche Sackgasse führt – oder doch ein erstes Anzeichen für mehr Fußballkultur an diesem sagenumwobenen Standort? Auch darüber könnte das Derby gegen Köln Auskunft geben.

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