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Fußball-Bundesliga : Die große Dortmunder Hoffnung heißt Reus

  • -Aktualisiert am

Wann steht Marco Reus wieder bei Borussia Dortmund auf dem Platz? Bild: Picture-Alliance

Im Mai verletzte sich Marco Reus im Pokalfinale wieder schwer. Nun steht der Nationalspieler abermals auf dem Rasen. Borussia Dortmund sehnt das Comeback aber nicht nur aus sportlichen Gründen herbei.

          In den Wettkampfmodus einzutreten käme für Marco Reus noch zu früh. Dennoch füllt er die Rolle des Hoffnungsträgers wieder mit Leben. Schon seine Teilnahme am Trainingslager stärkte bei Borussia Dortmund die Zuversicht für die Rückrunde, die für den BVB am Sonntag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) mit dem Bundesliga-Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg beginnt. Sieben Monate nach seinem Kreuzbandriss wird es noch ein wenig dauern, bis Reus fit genug ist, um seinen Beruf als Fußballprofi mit vollem Körpereinsatz, also auch mit vollem Risiko auszuüben.

          Aber die Rekonvaleszenz neigt sich dem Ende zu. Der Angreifer absolvierte in Andalusien Teile des Mannschaftstrainings, und allmählich sollen auch wieder Zweikämpfe ins Repertoire aufgenommen werden. Reus hat viel vor in der Rückrunde. Er will einen beträchtlichen Beitrag zur (direkten) Qualifikation für die Champions League leisten, die der Tabellen-Dritte trotz einer phasenweise schwachen Hinserie anstrebt. Und natürlich will der Rückkehrer sich für die Weltmeisterschaft in Russland qualifizieren.

          Bei allem Tatendrang aber will Reus nichts überstürzen „Ich bin ein Mann der kleinen Schritte“, sagt er. „Aber jeder, der mich kennt, weiß, dass ich bei so etwas ungeduldig bin.“ Das Comeback im Spielbetrieb ist für Mitte Februar avisiert. Die Vorfreude darauf ist beim Trainer wie bei den Kollegen wohl auch aufgrund der jüngsten Eindrücke noch größer geworden. „Marco wird noch seine Zeit brauchen, aber wenn man ihm zuschaut, könnte man meinen, er sei schon bereit, weil er ein großartiger Spieler ist“, sagte BVB-Trainer Peter Stöger in Marbella. „Wir werden ihn nicht zu früh reinjagen, aber wir werden nicht endlos warten, wenn er das Gefühl hat und das Zeichen gibt, dass er bereit ist.

          Auch Mario Götze, der Anfang der Woche beim 3:2-Sieg in einem Testspiel gegen den belgischen Erstligaklub Zulte Waregem nach gut sechs Wochen Pause sein Comeback gab, freut sich auf die kongeniale Zusammenarbeit, die seit seiner Rückkehr zum BVB im Sommer 2016 kaum stattgefunden hat, weil zumeist mindestens einer der beiden verletzt fehlte. „Marco ist ein begnadeter Spieler, der jedem Einzelnen von uns in der Mannschaft guttut“, sagt Götze.

          Mannschaft und Trainer sehnen das Comeback herbei, weil Reus sogar im Dortmunder Starensemble aufgrund seiner sportlichen Klasse herausragt, andererseits aber auch ein gewisses Vakuum füllen könnte, das sich in der Hierarchie der Mannschaft aufgetan hat. Der Achtundzwanzigjährige gilt als Führungsspieler und wäre vielleicht inzwischen Kapitän, wenn nicht Verletzungen immer wieder seine Pläne und die Pläne des Klubs durchkreuzt hätten. Wohl kein Bundesliga-Profi dieser Kategorie wurde so oft von teils komplizierten Verletzungen zurückgeworfen wie Reus. In diesen Phasen habe er dem BVB „an allen Ecken und Enden gefehlt“, sagt Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung.

          Auch Reus’ Karriere in der Nationalmannschaft hat unter den körperlichen Rückschlägen gelitten. Der Dortmunder verpasste sowohl die Weltmeisterschaft 2014 als auch zwei Jahre später die Europameisterschaft aufgrund von Verletzungen, die er jeweils kurz vor Turnierbeginn erlitten hatte. Umso mehr nimmt er die WM 2018 in den Blick, die ihm endlich die Plattform bieten soll, sich auch als Nationalspieler auf höchstem Niveau zu profilieren. Normalerweise wäre Reus gesetzt, unter den gegebenen Umständen aber sieht er in der Bewerbungsphase eine Menge Arbeit auf sich zukommen. „Ich kann mich nicht schonen, schließlich muss ich mich anbieten“, sagt er. „Ich gebe immer Gas. Und es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern.“ In guter Form sehe er gute Chancen, in der Nationalelf eine wichtige Rolle zu spielen.

          Das würde auch dem BVB gefallen. Der Verein hat seit längerem vor, Reus zu einem unverwechselbaren Gesicht des BVB zu machen. Also gibt es bereits Bestrebungen, den Vertrag, der Ende Juni 2019 ausläuft, zu verlängern. „Es wäre fahrlässig, diesen Wunsch nicht zu haben, wenn man einen solchen Spieler in seinen Reihen hat. Vor allem wenn er dann auch noch gebürtiger Dortmunder ist und eine hohe Identifikation mit dem Klub hat“, sagt Sportdirektor Michael Zorc. Reus wiederum will auch in diesem Punkt nicht übereilt handeln: „Meine erste Priorität ist es, wieder auf dem Platz zu stehen. Danach kann man sich darüber Gedanken machen“, sagt er.

          Ein solcher Moment könnte bald wieder zu sehen sein: Mario Götze (rechts) gemeinsam auf dem Feld mit Marco Reus.

          Über eine Vertragsverlängerung wird sich Pierre-Emerick Aubameyang sicher keine Gedanken machen. Zum einen hat der Stürmerstar seinen Vertrag erst vor einiger Zeit, von der Öffentlichkeit zunächst unbemerkt, verlängert; unabhängig davon hat er anscheinend nicht die Absicht, bis Ende Juni 2021 zu bleiben, sondern lässt weiter den Markt sondieren, in der Hoffnung auf einen lukrativen Wechsel. Jüngst war in den Medien wieder von einem Angebot aus China die Rede, darüber hinaus pflegt er mit namhaften Klubs aus Südeuropa zu flirten, wenn ihm danach ist. Obwohl die Krise der gesamten Mannschaft an ihm nicht spurlos vorübergegangen ist, hat Aubameyang auch in dieser Saison aber verlässlich Tore geliefert – zuletzt am Montag mit zwei Treffern gegen Waregem.

          Die Verantwortlichen haben sich, zumindest nach außen, ein dickes Fell zugelegt. „Die Spekulationen um Aubameyang werden zumindest so lange nicht abreißen, wie er bei uns spielen wird“, sagt Watzke. „Wir haben es uns abgewöhnt, das zu kommentieren.“ Dennoch geht Aubameyang seinen Vorgesetzten mit seiner (zu) lockeren Art allmählich auf die Nerven. Nach drei Tagen Sonderurlaub im Privatjet angereist, brüskierte er den Klub, indem er mehrere Familienmitglieder im Mannschaftshotel in Marbella einquartierte, die ihren Aufenthalt dort dann auch noch in einem sozialen Netzwerk per Video dokumentierten. Der BVB lässt dem Stürmerstar vieles durchgehen, und auch die Mitspieler erweisen sich mit Blick auf die Tore des Gabuners offenbar als geduldig. Die Frage ist nur: Wie lange geht das noch so weiter?

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