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Reaktion auf Fan-Tod : Die Kraft des Fußballs darf nicht überhöht werden

Kollektive Anteilnahme: Die Südtribüne intoniert „You’ll never walk alone“ für den während der Partie verstorbenen Fan. Bild: AFP

Der Tod eines BVB-Fans lässt ein ganzes Stadion schweigen – gewiss, ein beeindruckendes Schauspiel. Doch hätte es solche Harmonie auch gegeben, wenn der BVB auf Schalke getroffen wäre? Unwahrscheinlich. Ein Kommentar.

          Dass die Fans in Darmstadt am Samstag vor und während der Partie gegen Augsburg des verstorbenen Johnny Heimes kollektiv gedenken würden, war keine Überraschung – die Geschichte des krebskranken Anhängers war stark mit den jüngeren Erfolgen der Darmstädter Mannschaft verwoben, und der Verein hatte von der Deutschen Fußball Liga die beantragte Genehmigung für eine Schweigeminute erhalten.

          Doch dass den Fans sehr bewusst ist, dass es viel Wichtigeres gibt als ein Fußballspiel, und dass ausgerechnet jene, die den Anhängern des Gegners mitunter nicht nur alles Schlimme wünschen, sondern am liebsten auch antun, zu besonderem Feingefühl fähig sind, zeigte sich schon am Samstag: Auch im Augsburger Fanblock wurde ein Transparent zu Ehren von Johnny Heimes enthüllt.

          Völlig normale menschliche Reaktion

          Wieso auch nicht, werden viele Ultras sagen und entrüstet darauf verweisen, dass dies eine völlig normale menschliche Reaktion sei und eben nur eine besondere Art, seine Trauer zu zeigen. Wie aber soviel Demut vor dem Tod mit dem zusammenpasst, was Ultras eben manchmal auch veranstalten, wenn sie etwa Jagd auf die Fans des Gegners machen oder sich zu völlig sinnlosen Schlägereien verabredet haben, bleibt rätselhaft – erst recht, wenn man die Bilder von Dortmund auf sich wirken lässt. Dort schwieg am Sonntag plötzlich ein ganzes Stadion, als die Nachricht durchgesickert war, dass ein Fan auf der Dortmunder Südtribüne an einem Herzinfarkt verstorben war und ein weiterer aus demselben Grund mit dem Tode rang.

          Auch diese Aktion ging von den Ultras aus, die zwar ihre Macht im Stadion nutzten und jeden, der anfänglich noch eine der beiden Mannschaften anfeuern wollte, mit Pfiffen zum Schweigen brachten, aber diese Anteilnahme auf die schlimmen Nachrichten, diese erzwungene Stille im Stadion, sie nötigte jedem großen Respekt ab – und der steigerte sich noch, als sich kurz vor Spielende Dortmunder und Mainzer Zuschauer erhoben und „You‘ll never walk alone“ sangen.

          Ein Schauspiel, gewiss, aber kein inszeniertes, sondern eine Aktion, die spontan entstanden ist. Schnell wurde von vielen Seiten behauptet, dies zeichne den Fußball aus, dies sei die besondere Kraft, die von ihm ausginge. Vielleicht wäre es besser, mit dieser Überhöhung vorsichtig zu sein. Man kann nur hoffen, dass diese nicht verabredete Harmonie zwischen den Ultras beider Fanlager auch möglich gewesen wäre, wenn der BVB gegen den FC Schalke 04 gespielt hätte.

          Die Spieler standen nach dem Ende geschlossen vor der Südtribüne. Bilderstrecke
          Die Spieler standen nach dem Ende geschlossen vor der Südtribüne. :

          Dass es nämlich auch anders geht, zeigte vergangene Woche die Partie von Manchester United in Liverpool. Dort erinnerten United-Fans ungeniert an die Stadionkatastrophe in Hillsborough von 1989, als 96 Liverpool-Fans ihr Leben verloren. Und wer glaubt, Ähnliches sei hierzulande nicht möglich, irrt trotz aller beeindruckenden Anteilnahme in den Stadien von diesem Wochenende.

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