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Borussia Dortmund Odonkors neue Nebenrolle und Metzelders Altlast

11.08.2006 ·  Seit elf Tagen sind sie wieder im Training, heute Abend steht die erste Bewährungsprobe an: Die WM-Spieler Metzelder, Odonkor und Kehl treten mit Borussia Dortmund bei den Bayern an. Ob Volksheld Odonkor zum Einsatz kommt, ließ Trainer Van Marwijk offen.

Von Richard Leipold, Dortmund
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Im Fansortiment von Borussia Dortmund gibt es schon wieder ein neues Kultobjekt. Seit ein paar Tagen ist im Handel das T-Shirt "Odonkor Eleven" zu haben. Ein schwarzes Hemdchen mit dem Konterfei des Nationalspielers und der in Silber aufgedruckten Startnummer 11. Seit der Fußball-Weltmeisterschaft gehört der Einwechselstürmer Odonkor zu den Popstars der Branche. Bei Privatspielen auf dem Land kreischen Teenager fast so heftig, als würden sie dem Sänger Robbie Williams begegnen. Die WM hat den Rechtsaußen berühmt gemacht. Aber ist Odonkor in Dortmund auch alltagstauglich?

Zuletzt monierte BVB-Trainer Bert van Marwijk, dem Jungstar unterliefen "zu viele Flüchtigkeitsfehler". Vor dem Bundesligastart an diesem Freitag in München wird der Nationalspieler vermutlich nur Reservist sein. Als neuer Volksheld kann und will Odonkor sich mit diesem Status auf Dauer nicht zufriedengeben. "Ich habe keine Zeit zu verschenken und will spielen", sagt er. Ein dezenter Hinweis darauf, daß seine Geduld begrenzt und ein Vereinswechsel nicht auszuschließen sei. Wenig später folgte ein Dementi. "Ich habe nicht vor, den Verein zu verlassen." Odonkor dürfte einige Mühe haben, den Übergang aus der Traumwelt in die real existierende Bundesliga zu bewältigen, und zwar nicht allein des Trainingsrückstandes wegen (er arbeitet erst seit elf Tagen mit der Dortmunder Mannschaft).

Odonkors Stärke: Schnelligkeit

Van Marwijk hat die Taktik geändert. Der Fußball-Lehrer ist von seinem bevorzugten 4-4-2-System abgerückt, wenn auch nicht ganz freiwillig, wie im Innern des Klubs gelegentlich kolportiert wird. Auch in Dortmund hat die Raute das Mittelfeld erobert. Deshalb wird im Angriff eine der drei Planstellen gestrichen. Das Sturmduo werden Nelson Valdez und Alexander Frei bilden, die in diesem Sommer für insgesamt fast zehn Millionen Euro nach Dortmund gewechselt sind. Odonkor muß sich darauf einstellen, wie bei der WM die Rolle eines sogenannten Jokers zu erhalten, wenn es in heikler Lage darauf ankommt, dem Spiel auf der rechten Seite Flügel zu verleihen - und Tempo. Seine hervorstechende Stärke ist Schnelligkeit. Defensiv dagegen ist Odonkor nicht sehr stark, so bekommt den Platz im rechten Mittelfeld vermutlich Marc Andre Kruska.

Ist es nicht schwierig, einen verdienten Gelegenheitsarbeiter aus dem WM-Team im Klub zurückzustufen? Van Marwijk weicht der Frage aus. "Daß David nicht spielt, ist Ihre Auffassung", entgegnet er einem Reporter und versucht den Eindruck zu erwecken, noch sei alles offen. Schon ist die Diskussion im Gange. Sie betrifft nicht nur Odonkor. Auch ein anderer, in Deutschland noch weit mehr etablierter WM-Kicker sieht sich daheim in Dortmund harter Konkurrenz ausgesetzt. Innenverteidiger Christoph Metzelder profitiert zunächst davon, daß Christian Wörns noch für zwei Spiele gesperrt ist. Gegen den FC Bayern kickt Metzelder an der Seite seines Mitbewerbers Michael Brzenska. Auf eine Rangfolge unter den drei Kandidaten will der Trainer sich nicht festlegen. "Es gibt überall einen Konkurrenzkampf, jeder muß um seinen Platz kämpfen", sagt van Marwijk. In der Abwehr jedoch sei "einer ein bißchen favorisiert". Gemeint ist Wörns. Sobald der Kapitän wieder spielberechtigt ist, gilt er als gesetzt.

Kein Bonus für Metzelder

Um den zweiten Platz streiten Metzelder und Brzenska. Vor dem Hintergrund der vergangenen Saison ist Brzenska gewissermaßen der Titelverteidiger, Metzelder der Herausforderer (er hat in der Rückrunde selten über die volle Distanz gespielt). Andererseits könnte der Herausforderer einen WM-Bonus besitzen. Van Marwijk weicht abermals aus. "Bonus, das ist zuviel gesagt. Wir sind hier nicht die Nationalmannschaft, wir sind Dortmund, und Brzenska wird nicht schlechter." Einen Gutschein für die erste Elf besitzt Metzelder offenbar nicht. Er mag knapp vorn liegen, aber ein kleiner Fehler könnte ihn seinen Platz kosten.

Seit er wieder in Dortmund ist, hat Metzelder genug damit zu tun, Altlasten zu beseitigen. Auf Drängen der Geschäftsführung mußte er ein klärendes Gespräch mit Wörns führen. Der Routinier, der für die WM nicht nominiert war, hatte es als unkollegial empfunden, daß Metzelder ihm verheimlicht hatte, von Klinsmann eine feste Zusage zu haben, während Wörns erst hingehalten und schließlich ausgemustert wurde. "Das haben wir unter Männern ausgeräumt, wir haben uns in die Augen geschaut und uns die Hand gegeben", berichtet Metzelder. Bei van Marwijk und dem Fitnesstrainer Egid Kiesouw hat Metzelder sich entschuldigt.

Als er in der vergangenen Saison nur noch eine Randfigur war, hatte der Verteidiger sich über mangelnde Unterstützung aus dem Trainerteam beklagt; auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zeigte sich verärgert, weil Metzelder mit einem Wechsel nach Bremen liebäugelte, statt das Angebot der Borussia anzunehmen, den im kommenden Sommer auslaufenden Vertrag zu verlängern. Die Konflikte sind fürs erste gelöst, und Metzelder ist wieder zu Hause. Aber angekommen ist er vermutlich erst, wenn er sich wieder als Stammspieler fühlt - wie bei der WM.

Quelle: F.A.Z. vom 11. August 2006
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