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Veröffentlicht: 29.04.2011, 13:32 Uhr

Borussia Dortmund Kevin Großkreutz - Mit den Augen des Fans

Ein gebürtiger Dortmunder in der BVB-Erfolgself: Kevin Großkreutz hat seine Leidenschaft vom Stehplatz auf der Südtribüne mit auf das Spielfeld genommen. Diese Karriere im Blitztempo hätte ihm niemand zugetraut.

von Richard Leipold, Dortmund
© AFP Großkreutz scheint zu denken und zu ticken wie die Menschen, die ihm zuschauen

Als Kevin Großkreutz gefragt wird, wann er zuletzt auf der Südtribüne gestanden hat, braucht er nicht lange zu überlegen. Es war vor knapp zwei Jahren, gegen Ende der Saison. Großkreutz selbst war schon Fußballprofi, aber immer noch Fan. Er stand in Diensten des damaligen Zweitligavereins Rot-Weiß Ahlen - und samstags dennoch meist mit seinen Kumpeln auf der größten Stehplatztribüne Europas, um Borussia Dortmund anzufeuern.

Diese Erlebnisse, diese Samstagnachmittage mitten unter 25.000 Menschen, die sich zur „gelben Wand“ formieren, waren ihm so wichtig, dass er dafür ein Risiko einging. Als Großkreutz einmal vom langen Stehen tags darauf in der zweiten Liga schwere Beine hatte, verbot sein damaliger Trainer Christian Wück ihm den Aufenthalt auf der Südtribüne. „Entweder du hältst dich daran, oder du spielst nicht.“ Großkreutz hat sich „nicht immer daran gehalten“, sondern zeigte weiter Stehvermögen. Seiner Entwicklung als Profi hat es nicht geschadet - am kommenden Samstag will er im geliebten Heimstadion deutscher Meister werden.

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Wenige Wochen nach seinem letzten Stadionbesuch als Fan wechselte Großkreutz zu seinem Lieblingsverein – und von den Rängen auf den Rasen des größten deutschen Stadions. Dort hat er eine Karriere gemacht, die ihm, vor allem in diesem Tempo, niemand zugetraut hätte. Inzwischen ist Großkreutz Stammspieler beim BVB und gehört zum (erweiterten) Kreis der Nationalmannschaft. Die Südtribüne, den Ort seiner Sozialisation im Verein, und die Fans, die nun auch ihm zujubeln, sieht er aus einer anderen Perspektive, aber nicht mit anderen Augen. „Ich kenne noch viele von ihnen, ich habe ja lange genug mit ihnen zusammengestanden. Ich bin der alte Kevin geblieben.“

Trainer Klopp als sportlicher Ziehvater © dpa Vergrößern Trainer Klopp als sportlicher Ziehvater

Verständnis und Geduld

In neuer Rolle bleibt der alte Kevin „locker drauf“, zeigt Verständnis und Geduld, wenn Menschen ihn ansprechen und um Autogramme oder Fotos bitten. „Dann mache ich das. Ich war ja selber Fan, ich weiß, wie das ist.“ Großkreutz ist es gelungen, seine Leidenschaft vom Stehplatz mit auf das Spielfeld zu nehmen, ohne einen Teil davon an der Kabinentür oder im Büro irgendwelcher Agenturen abzugeben.

Was ihn in den neunzig Minuten von achtzigtausend anderen im Stadion trennt, ist allein sein Talent im Umgang mit dem Ball. Sonst scheint er zu denken und zu ticken wie die Menschen, die ihm zuschauen und inzwischen vielleicht zu ihm aufschauen. „Ich will immer Gas geben“, sagt Großkreutz. Deshalb hält der Mittelfeldspieler eine Umstellung des laufintensiven Dortmunder Fußballstils auch in Zukunft nicht für nötig, obwohl Auftritte in der Champions League hinzukommen. Lieber will Großkreutz auch auf dem Rasen authentisch bleiben, solange ihn die Füße tragen. „Diese Spielweise hat uns den Erfolg gebracht. Wir brauchen keine Kraft zu sparen.“

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