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Borowski-Wechsel In den Alpen für München entschieden

14.01.2008 ·  Tim Borowski ist nach Miroslav Klose und Valérien Ismael die dritte Bremer Spitzenkraft, die seit 2005 zum FC Bayern geht. Werder reagiert enttäuscht und verärgert auf Borowskis angekündigten Wechsel.

Von Sebastian Stiekel, Belek
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Seinen Weggang teilte ihnen Tim Borowski am Sonntag nach dem Abendessen mit. Im Mannschaftshotel von Werder Bremen im türkischen Belek zog er Sportchef Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf für ein kurzes Gespräch zur Seite und sagte ihnen, dass er nach der laufenden Saison für drei Jahre zu Bayern München wechseln werde. Auf dieses Gespräch hatte Werders sportliche Leitung seit Dezember gewartet, dabei aber auf einen anderen Verlauf gehofft. Seinerzeit bot sie Borowski einen neuen Vertrag an. Da der alte ausläuft, wechselt der 31-malige Nationalspieler im Juli ablösefrei zum großen Rivalen. Er ist nach Miroslav Klose und Valérien Ismael die dritte Bremer Spitzenkraft, die seit 2005 zum FC Bayern geht.

Im Winterurlaub in den Alpen will Borowski sich zu diesem Wechsel entschieden haben, im Fokus des Rekordmeisters steht der Mittelfeldspieler schon seit drei Jahren. Deshalb hat seine Verpflichtung auch nichts mit der des kommenden Bayern-Trainers Jürgen Klinsmann zu tun, obwohl beide sich aus gemeinsamen Nationalmannschaftszeiten schätzen. „Ich habe mich schon vorher für den Wechsel entschieden“, sagt Borowski. „Im Sommer werde ich 28 und für mich stand fest, dass wenn ich noch mal etwas Neues mache, dann jetzt.“

„Mit meinem Wechsel bin ich offen umgegangen

1996 holte Schaaf den damaligen Jugendspieler nach Bremen, und da er dem Verein schon so lange angehört, fiel es Werder spürbar schwer, die Enttäuschung über seinen Weggang zu verbergen. Vordergründig äußerte Klaus Allofs Verständnis dafür, „weil die Bayern nach wie vor andere Gehälter zahlen können und ihm auch sportlich gute Möglichkeiten bieten“. Intern ist man bei den Bremern aber vor allem über die Art und Weise verärgert, wie Borowski sie von seinem Entschluss in Kenntnis setzte.

Über Werders neues Angebot sei nicht einmal verhandelt worden, bestätigte Allofs. Außerdem ließ der Spieler seinem langjährigen Förderer Thomas Schaaf keine Gelegenheit, noch einmal mit ihm zu sprechen und ihn vielleicht zum Bleiben zu überreden. „Ich bin nicht so fadenscheinig und verhandele mit Werder noch alibihalber weiter“, sagt Borowski dazu. „Mit meinem Wechsel bin ich offen umgegangen.“ Auch wenn es niemand öffentlich zugibt, sieht man das bei Werder ganz anders.

Ein vorzeitiger Wechsel ist unwahrscheinlich

Das Verhältnis zwischen Spieler und Verein war im vergangenen halben Jahr sehr zweischneidig. Einerseits stellte ihn Schaaf immer wieder auf, obwohl Borowski infolge dreier Knieverletzungen seit der WM 2006 nie wieder in Form kam und nach zahlreichen schwachen Leistungen in die öffentliche Kritik geriet. Nur beim Hinrundenfinale gegen Leverkusen nahm er ihn nach einer halben Stunde vom Platz. Andererseits verweigerten die Bremer ihrem Ziehsohn die von ihm erwartete Beförderung in die oberste Gehaltsklasse des Vereins, der Torsten Frings und Diego angehören.

Auch wenn darüber nicht öffentlich gesprochen wird, gibt es starke Anzeichen dafür, dass Borowski Werders Angebot als viel zu niedrig ansah. Der Spieler selbst rechnet nun in der Rückrunde mit negativen Reaktionen der eigenen Fans. Ein vorzeitiger Wechsel im Winter gilt dennoch als unwahrscheinlich, wie sowohl Borowski als auch Allofs sagen. „Wir gehen zu 100 Prozent davon aus, dass er die Saison bei uns zu Ende spielt“, sagt Werders Sportchef.

In einer Reihe mit Klose, Ismael, Ailton oder Ernst

Auf den kommt in den nächsten Wochen Schwerstarbeit zu. Sechs weitere Spielerverträge laufen am 30. Juni aus, was für Allofs gleich mit zwei Gefahren verbunden ist. Zum einen könnten zu viele Verhandlungsgespräche Unruhe in die Mannschaft tragen, zum anderen droht ihr ein nicht unerheblicher Aderlass. Denn nur mit Jurica Vranjes steht man zurzeit kurz vor einer Verlängerung, mit Ivan Klasnic, Petri Pasanen und Daniel Jensen noch nicht. Dem Dänen liegt eine lukrative Offerte des griechischen Meisters Piräus vor. Werder hat ihm ebenfalls ein Angebot gemacht. „Ich habe die Hoffnung, dass alle drei bei uns bleiben“, sagt Allofs.

Jensens Verbleib ist für die Bremer nach Borowskis Entscheidung noch wichtiger geworden. Als Spieler wie Frings, Carlos Alberto und eben auch Borowski ausfielen, schwang der sich vom Reservisten zum unentbehrlichen Stammspieler auf. Ginge auch der dänische Nationalspieler, wäre das ein fatales Signal: Schon heute heißt es immer wieder mal, dass Werder seine sportliche und finanzielle Situation zwar von Jahr zu Jahr verbessere, es aber trotzdem nur selten schaffe, begehrte Spieler zu halten. Tim Borowski steht seit Montag nur in einer Reihe mit Namen wie Klose, Ismael, Ailton oder Fabian Ernst.

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