Home
http://www.faz.net/-gtn-ut51
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bielefeld - Frankfurt 2:4 Funkel besteht seine Mutprobe - Middendorp nicht

15.04.2007 ·  Für die Frankfurter Eintracht sieht es im Abstiegskampf der Bundesliga wieder freundlicher aus. Der 4:2-Sieg in Bielefeld war auch ein Erfolg des Willens. Aus Bielefeld berichtet Roland Zorn.

Von Roland Zorn, Bielefeld
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Mut war gefragt, Mut hatten beide Trainer vorgelebt. Der eine, Ernst Middendorp, indem er die alte Hierarchie in seiner Mannschaft aufbrach, ein neues Spielsystem einführte und jungen Spielern eine Chance gab; der andere, Friedhelm Funkel, indem er in Albert Streit einen eingebildeten Star und in Michael Thurk einen Gernegroß trotz angespannter Personallage „aus sportlichen Gründen“ zu Hause ließ.

Am Ende der Mutprobe, auf die am Samstag zwei stark abstiegsgefährdete Mannschaften gestellt waren, hatte Funkels Frankfurter Eintracht bei Middendorps Bielefelder Arminia mehr Herz, mehr Mumm, mehr Courage bewiesen und sich mit dem 4:2-Erfolg ein wenig aus der gefährlichsten Tabellenzone der Fußball-Bundesliga entfernen können. Bielefeld dagegen muss mehr denn je befürchten, wieder einmal das Stockwerk wechseln und in die zweite Liga übersiedeln zu müssen. Es wäre der siebte Abstieg aus der Erstklassigkeit: einsamer deutscher Rekord.

„Angst essen Seele auf“

Noch bleibt angesichts fünf weiterer Spielrunden Zeit genug, den Durchhalteparolen vom Samstag frische Taten folgen zu lassen. „Wir müssen jetzt einfach mal zusehen, dass wir einen Überraschungsdreier landen“, lautete die Kampfansage von Arminias Präsident Hans-Hermann Schwick. Die wirkliche Stimmungslage beim Bundesliga-Sechzehnten gab Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch wider: „Angst essen Seele auf, das hat man heute gemerkt. Jetzt muss auswärts was kommen, sonst war's das.“ Gerade Kentsch weiß, was ein weiterer Gang in die Zweitklassigkeit für die Arminia bedeutet, wird doch demnächst die Osttribüne der Schüco-Arena neu gebaut und zu einem Kleinod des Stadions. Wenn Wehen kommt und Burghausen?

Die finanziellen Belastungen für die Bielefelder jedenfalls würden bei einem Abstieg erheblich größer, auch wenn sich die Arminia längst nicht mehr wie früher die Gretchenfrage nach der Lizenzerteilung stellen muss. Noch aber darf der an Nackenschläge gewöhnte Klub darauf hoffen, dass vielleicht doch alles gut werde. „Durch die Ergebnisse auf den anderen Plätzen“, sagte der tapfer um den Blick nach vorn bemühte, im März nach Bielefeld zurückgekehrte Middendorp, „sehe ich noch immer die Chance, die Klasse zu halten.“

Auf nach Herzlake

Um diese Aussicht zu beleben, ziehen die Arminen am Dienstag für vier Tage ins Trainingslager nach Herzlake, einschlägig auch als „Schmerzlake“ bekannt. Nach einer Partie wie der gegen die ohne sieben Stammkräfte angetretenen Hessen stellt sich indes die Frage nach der akuten bundesligatauglichen Qualität dieser Mannschaft, die in der Vorrunde noch zum gehobenen Mittelfeld gehört hatte.

Die Frankfurter waren lange Zeit schon gar nicht bereit, sich mit Worst-Case-Szenarien abzugeben. Zu stark der Kader, zu günstig der Spielplan - die Hessen ließen eine Reihe von Gelegenheiten ungenutzt, Vorteile speziell bei Auswärtsbegegnungen konsequent auszuspielen. Auch in Bielefeld wackelte die Eintracht nach Eiglers Tor zum 2:3 (81.) bedenklich. Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen sagte, als alles glücklich überstanden war: „Es lag förmlich in der Luft, dass wieder das Gleiche passiert, was wir schon erlebt haben. Nicht auszudenken, wenn wir unseren Vorsprung wieder einmal preisgegeben hätten.“

Internationale Perspektiven für die Eintracht

Obwohl noch nicht befreit von den traumatisierenden Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit, überwog diesmal der Glaube an die eigene Stärke. Funkel, abgehärtet in den Jahrzehnten seines Lebens in der Bundesliga, hatte seine Not- und Tugendelf vorher auf ein wichtiges Klassemerkmal der Eintracht hingewiesen. „Von den 21 Auswärtspflichtspielen dieser Saison haben wir nur vier verloren. Ich habe meine Mannschaft noch einmal an diese unglaubliche Bilanz erinnert.“ Und das galt auch schon für das Pokalhalbfinale am morgigen Dienstag in Nürnberg. Gewinnen sie beim „Club“, locken zum Schluss dieser Spielzeit, da bei der Eintracht mancher und vieles schon in Frage stand, sogar internationale Perspektiven. So rasch kann das im Fußball gehen.

In Bielefeld jedenfalls schlugen die Frankfurter aus ihrer dichten Defensive und ihren jederzeit bedrohlichen Kontern reichlich Kapital. Dabei wurde der wochenlang nicht für die erste Elf berücksichtigte Grieche Ioannis Amanatidis vor 24000 Zuschauern auf der „Alm“ zum Shooting Star, als er mit dem 1:0 (10. Minute) den Grundstock für den späteren Sieg legte und mit dem Foulelfmeter zum 3:1 (47.) - er selbst war von Gabriel zu Fall gebracht worden - den Weg zum vollen Erfolg ebnete. Vasoski stabilisierte den Eintracht-Aufschwung mit seinem Kopfballtreffer zum 2:1 (33.), Heller rundete ihn mit seinem Tor in der Nachspielzeit ab. Wertlos waren die Bielefelder Treffer durch Kucera (28.) und Eigler (81.).

Dass Funkel und Amanatidis zuletzt nicht gerade freundschaftlich miteinander verkehrten, spielte hernach keine Rolle mehr. Die zwei sind ausgebuffte Profis, für die in dieser Situation nur der Erfolg zählt. „Was in der Vergangenheit war, löschen wir aus unseren Köpfen“, sagte der Stürmer. Funkel übertrieb es zwar nicht mit dem Lob, zollte seinem wichtigsten Mann in Bielefeld aber Respekt: „Ioannis hat das erste Tor wunderschön gemacht und den Elfmeter eiskalt verwandelt, das war vielversprechend.“ Dass er den divenhaften Streit und den glücklosen Rackerer Thurk daheim gelassen hatte, war da nur noch eine Marginalie - selbst innerhalb der Mannschaft. Funkel weiß aus Erfahrung: „Einem Spieler ist es doch ganz egal, wer spielt. Hauptsache, er spielt selbst.“

Arminia Bielefeld - Eintracht Frankfurt 2:4 (1:2)
Bielefeld: Hain - Korzynietz, Westermann, Gabriel (60. Kamper), Schuler - Kauf - Zuma, Kucera, Böhme, Kobylik (69. Masmanidis) - Wichniarek (71. Eigler). - Trainer: Middendorp
Frankfurt: Nikolov - Rehmer, Vasoski, Russ, Spycher - Huggel, Fink - Meier (84. Chris), Köhler - Takahara, Amanatidis (69. Heller). - Trainer: Funkel
Schiedsrichter: Dr. Helmut Fleischer (Sigmertshausen)
Tore: 0:1 Amanatidis (10.), 1:1 Kucera (28.), 1:2 Vasoski (33. ), 1:3 Amanatidis (47., Foulelfmeter), 2:3 Eigler (81.), 2:4 Heller (90.+2)
Zuschauer: 24.349
Gelbe Karten: Wichniarek (4), Gabriel (2) sid rp

Quelle: F.A.Z.
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1945

Jüngste Beiträge

Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche
Ergebnisse, Tabellen und Statistik