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Benno Möhlmann im Gespräch : „Ich muss nicht mehr unehrlich sein“

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Aufrecht und ehrlich: Benno Möhlmann hat 40 Jahre Profifußball hinter sich Bild: Wonge Bergmann

Der 58-Jährige bestreitet mit dem FSV Frankfurt sein 420. Spiel als Coach in der zweiten Liga. Der Rekordmann über Führungsstärke, schlaflose Nächte als Trainer und seinen letzten Karrierewunsch.

          Am Telefon sagten Sie, dass Sie für Ihren Rekord, 420 Spiele als Zweitliga-Trainer, eigentlich nichts können. Wie meinten Sie das?

          Es ist nichts, was ich angestrebt habe. Es ist nicht so sehr die pure Zahl, die mich freut, sondern eher, dass ich es geschafft habe, vierzig Jahre im Profifußball dabei zu sein - die Zeit als Spieler mitgerechnet. Bei einer solchen Strecke ergeben sich solche Zahlen dann einfach.

          Man kann den Rekord auch anders lesen: Dass es ruhig ein paar mehr Spiele in der ersten Liga hätten sein dürfen. . .

          Ich war nie derjenige, der mit aller Macht die Nummer eins sein wollte, jemand, der immer oben dabei sein wollte - weder als Spieler noch als Trainer. Ich habe auch nie angestrebt, Bundesligaspieler zu werden. Oder Nationalspieler, oder deutscher Meister. Für viele Leute können die Ziele, die sie sich stecken, nicht hoch genug sein. Ich sehe das anders. Für mich müssen sie realistisch sein.

          Was war für Sie realistisch?

          Man darf nicht vergessen: Ich habe bis zu meinem 17., 18. Lebensjahr nur zweimal in der Woche in einem kleinen Verein trainiert. Ich habe als Jugendlicher nicht davon geträumt, Profi-Spieler zu werden, und als Spieler habe ich nicht davon geträumt, Trainer zu werden.

          Wie groß sind denn die Unterschiede zwischen den Spielern heute und früher?

          Als ich noch Spieler war, hatten viele von uns das Bewusstsein, auch in anderen Bereichen gutes Geld verdienen zu können und da klarzukommen. Heute ist das anders, weil der Unterschied viel größer geworden ist. Heute wollen viele unbedingt eine Karriere im Fußball machen, weil es so lukrativ ist - auch wenn sie gar nicht die Fähigkeit haben. Und die meisten machen auch gar nichts anderes mehr als Fußball. So entwickelt man sich nicht zu einer starken Persönlichkeit.

          Trainer werden heute gern in die Schubladen „modern, Konzepttrainer“ und „konservativ, harter Hund“ gesteckt, mal hat die eine mehr Konjunktur, mal die andere. Sie scheinen in keiner zu stecken - hat das den Weg zurück in die erste Liga erschwert?

          Das will ich nicht ausschließen. Aber darüber habe ich mir auch nicht so viele Gedanken gemacht. Der Hauptgrund, warum ich nicht mehr Erstligaspiele habe, ist für mich, dass ich nach der Hamburger Zeit so schnell in die dritte Liga nach Braunschweig gegangen bin. Ich hatte halt die Idee, diesen Traditionsverein wieder hochzubringen. Aus Sicht der Karriereplanung führte das eher von der ersten Liga weg. Vielleicht hängt es aber auch von der Qualität ab: Ich hatte mit Fürth ja auch zwei, dreimal die Chance, aufzusteigen.

          Wenn man Ihre Vita sieht, wirkt es, als könne man eine Trainerkarriere gar nicht so richtig planen. Sondern als müsste man eher spekulieren.

          Viele planen schon. Die haben einen Berater und arbeiten mit Anwälten zusammen. Einer wie Christoph Schickhardt, der mit vielen Vereinen zusammenarbeitet, kann da schon hilfreich sein. Es gibt schon Leute, die Einfluss haben auf bestimmte Entscheidungsträger. Das habe ich auch ein paar Mal unterschätzt.

          Wofür steht die Marke Möhlmann?

          Ich habe auf dem Platz immer geordnete Mannschaften. Außerdem ist mir der Teamgedanke wichtig, bei mir gibt es keinen, der immer die Tore oder die Wasserflaschen schleppen muss. Unser Umgang muss von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Außerdem habe ich kein festes taktisches System, das ich unbedingt spielen lassen will, ich bin offen und reagiere auf die Spieler, die ich vorfinde. Ich stelle mein System auf ihre Fähigkeiten ab.

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