Home
http://www.faz.net/-gtn-7670z
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Benno Möhlmann im Gespräch „Ich muss nicht mehr unehrlich sein“

Der 58-Jährige bestreitet mit dem FSV Frankfurt sein 420. Spiel als Coach in der zweiten Liga. Der Rekordmann über Führungsstärke, schlaflose Nächte als Trainer und seinen letzten Karrierewunsch.

© Wonge Bergmann Vergrößern Aufrecht und ehrlich: Benno Möhlmann hat 40 Jahre Profifußball hinter sich

Am Telefon sagten Sie, dass Sie für Ihren Rekord, 420 Spiele als Zweitliga-Trainer, eigentlich nichts können. Wie meinten Sie das?

Es ist nichts, was ich angestrebt habe. Es ist nicht so sehr die pure Zahl, die mich freut, sondern eher, dass ich es geschafft habe, vierzig Jahre im Profifußball dabei zu sein - die Zeit als Spieler mitgerechnet. Bei einer solchen Strecke ergeben sich solche Zahlen dann einfach.

Man kann den Rekord auch anders lesen: Dass es ruhig ein paar mehr Spiele in der ersten Liga hätten sein dürfen. . .

Ich war nie derjenige, der mit aller Macht die Nummer eins sein wollte, jemand, der immer oben dabei sein wollte - weder als Spieler noch als Trainer. Ich habe auch nie angestrebt, Bundesligaspieler zu werden. Oder Nationalspieler, oder deutscher Meister. Für viele Leute können die Ziele, die sie sich stecken, nicht hoch genug sein. Ich sehe das anders. Für mich müssen sie realistisch sein.

Was war für Sie realistisch?

Man darf nicht vergessen: Ich habe bis zu meinem 17., 18. Lebensjahr nur zweimal in der Woche in einem kleinen Verein trainiert. Ich habe als Jugendlicher nicht davon geträumt, Profi-Spieler zu werden, und als Spieler habe ich nicht davon geträumt, Trainer zu werden.

Wie groß sind denn die Unterschiede zwischen den Spielern heute und früher?

Als ich noch Spieler war, hatten viele von uns das Bewusstsein, auch in anderen Bereichen gutes Geld verdienen zu können und da klarzukommen. Heute ist das anders, weil der Unterschied viel größer geworden ist. Heute wollen viele unbedingt eine Karriere im Fußball machen, weil es so lukrativ ist - auch wenn sie gar nicht die Fähigkeit haben. Und die meisten machen auch gar nichts anderes mehr als Fußball. So entwickelt man sich nicht zu einer starken Persönlichkeit.

Mehr zum Thema

Trainer werden heute gern in die Schubladen „modern, Konzepttrainer“ und „konservativ, harter Hund“ gesteckt, mal hat die eine mehr Konjunktur, mal die andere. Sie scheinen in keiner zu stecken - hat das den Weg zurück in die erste Liga erschwert?

Das will ich nicht ausschließen. Aber darüber habe ich mir auch nicht so viele Gedanken gemacht. Der Hauptgrund, warum ich nicht mehr Erstligaspiele habe, ist für mich, dass ich nach der Hamburger Zeit so schnell in die dritte Liga nach Braunschweig gegangen bin. Ich hatte halt die Idee, diesen Traditionsverein wieder hochzubringen. Aus Sicht der Karriereplanung führte das eher von der ersten Liga weg. Vielleicht hängt es aber auch von der Qualität ab: Ich hatte mit Fürth ja auch zwei, dreimal die Chance, aufzusteigen.

Wenn man Ihre Vita sieht, wirkt es, als könne man eine Trainerkarriere gar nicht so richtig planen. Sondern als müsste man eher spekulieren.

Viele planen schon. Die haben einen Berater und arbeiten mit Anwälten zusammen. Einer wie Christoph Schickhardt, der mit vielen Vereinen zusammenarbeitet, kann da schon hilfreich sein. Es gibt schon Leute, die Einfluss haben auf bestimmte Entscheidungsträger. Das habe ich auch ein paar Mal unterschätzt.

Wofür steht die Marke Möhlmann?

Ich habe auf dem Platz immer geordnete Mannschaften. Außerdem ist mir der Teamgedanke wichtig, bei mir gibt es keinen, der immer die Tore oder die Wasserflaschen schleppen muss. Unser Umgang muss von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Außerdem habe ich kein festes taktisches System, das ich unbedingt spielen lassen will, ich bin offen und reagiere auf die Spieler, die ich vorfinde. Ich stelle mein System auf ihre Fähigkeiten ab.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zweite Fußballbundesliga Vor dem Hessenderby

Am Mittwoch treffen der FSV Frankfurt und der SV Darmstadt 98 aufeinander. Das Regionalderby macht die Trainer der beiden Teams jedoch nicht unruhig. Mehr Von Jörg Daniels und Alex Westhoff

24.09.2014, 06:00 Uhr | Rhein-Main
Wir müssen die zweite Liga halten

Das Ziel für den FSV Frankfurt in dieser Saison ist klar: Abermals will der Klub aus Bornheim in der zweiten Bundesliga bleiben. Trainer Benno Möhlmann hat aber noch einen anderen Wunsch. Mehr

05.09.2014, 10:30 Uhr | Sport
FC-Trainer Stöger Die große Aufgeregtheit wird schon noch kommen

Fußball geht auch mit Humor: Peter Stöger will den 1. FC Köln aus dem Fahrstuhl holen. Der Trainer spricht vor dem rheinischen Derby gegen Gladbach über Drecksarbeit, die Wucht der Fans und seine rot-weiße Glücksbrille. Mehr

20.09.2014, 19:22 Uhr | Sport
Köln-Trainer Stöger im Interview

2014 führt der 48-jährige den großen 1. FC Köln zurück in die deutsche Bundesliga und seine Gegner heißen jetzt nicht mehr Amstetten, Parndorf und Ritzing, wie noch vor wenigen Jahren in der Dritten Liga seiner Heimat, sondern Bayern, Dortmund und, naja, Paderborn. Mehr

03.09.2014, 14:21 Uhr | Sport
Interview mit Tom Schilling Ich bin sehr, sehr ehrgeizig

Tom Schilling ist seit Oh Boy das coole Gesicht des deutschen Kinos. Jetzt ist er im Film Who am I zu sehen. Im Interview spricht er über Vaterschaft, Nacktfotos und seinen ersten Kuss. Mehr

25.09.2014, 07:58 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.02.2013, 09:53 Uhr