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Beiersdorfer verlässt den HSV Rückzug der Integrationsfigur

24.06.2009 ·  Der schöne Schein beim Hamburger SV ist erloschen: Mit dem Abgang von Sportchef Dietmar Beiersdorfer ist Bernd Hoffmann fürs Erste Sieger im Führungsstreit. Doch nun fehlt nicht nur eine Identifikationsfigur, sondern auch jemand, der sich mit voller Kraft der Planung für die neue Saison widmet.

Von Christian Kamp
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Einer fürs Herz, einer fürs Kalkül – das war ein Führungsduo, mit dem der Hamburger SV nicht schlecht gefahren ist in den vergangenen gut sechs Jahren. Zumindest, wenn man die sportliche Bilanz des Fußball-Bundesligaklubs unter Sportchef Dietmar Beiersdorfer und Vorstandschef Bernd Hoffmann betrachtet: Fünfmal nacheinander hat sich der HSV für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert, zuletzt für die neue Europa League. Schöner Schein. Denn aus der Innensicht offenbarte sich schon seit längerem ein Kursstreit zwischen den beiden Kapitänen, der nun mit der Demission Beiersdorfers ein vorläufiges Ende fand.

Am späten Dienstagabend verkündete Horst Becker, der Chef des Aufsichtsrats, was sich seit zwei Wochen angedeutet hatte: Beiersdorfer geht von Bord. Dass es formal der Aufsichtsrat war, der einstimmig die Vertragsauflösung beschloss, tat nichts zur Sache. Es war ein Abgang aus freien Stücken. Er habe „keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gesehen“, sagte Beiersdorfer, der sein Amt im September 2002 angetreten hatte. Keine Frage: Diese Bemerkung richtete sich vor allem gegen Hoffmann.

Die Basis beäugt Hoffmanns Handeln kritisch

Schon mehrmals waren die beiden in entscheidenden Kompetenz- und Richtungsfragen aneinandergeraten – etwa, als es um die Entlassung von Thomas Doll ging oder um die Auswahl des Nachfolgers von Huub Stevens. Der Auslöser aber war offenbar ein Treffen zwischen Hoffmann, dem neuen Trainer Bruno Labbadia und Chefscout Michael Schröder vor zwei Wochen – just, als Beiersdorfer zur Spielerbeobachtung auf Reisen war. Kaderplanung hinter dem Rücken des Sportchefs – das war dann auch für den gutmütigen Franken Beiersdorfer zu viel: Er wandte sich mit Rückzugsgedanken an den Aufsichtsrat. Der versuchte zwar alles, um zu vermitteln und Beiersdorfer zum Bleiben zu bewegen, doch dafür war es schon zu spät. „So weit sind wir gar nicht gekommen“, sagte Becker auf die Frage, unter welchen Bedingungen der Sportchef geblieben wäre. „Sein Entschluss stand fest.“

Fürs Erste also geht Hoffmann als Gewinner aus dem Konflikt hervor, wenngleich er betonte: „An so einem Tag gibt es keine Sieger.“ Auch für ihn ist es noch einmal schwieriger geworden beim HSV. Die Basis beäugt sein kühl-ökonomisches Denken schon seit längerem kritisch, der bodenständige Beiersdorfer dagegen diente als Identifikations- und Integrationsfigur. Die aber fehlt nun – genauso wie jemand, der sich mit voller Kraft der Planung für die neue Saison widmet. Noch gibt es keinen namhaften Zugang, mehrere Profis (Trochowski, Petric) murrten zuletzt öffentlich. Diese Baustellen wollen Vorstand und Aufsichtsrat, darunter der frühere Profi Sergej Barbarez, nun gemeinsam angehen. „Viel Unruhe“ sei zuletzt im Verein gewesen, sagte Becker auch mit Blick auf den überstürzten Abschied von Trainer Martin Jol. „Das tut dem HSV nicht gut.“ Nun müsse man „einen Schlussstrich ziehen und nach vorne schauen“. Höchste Zeit – denn zuletzt ist in Hamburg so einiges liegengeblieben, was dringend erledigt gehört.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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