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Werder-Trainer Skripnik : Der Mann ohne Handschrift

  • -Aktualisiert am

Viel Gestik, wenig Ertrag: Für Viktor Skripnik wird es in Bremen immer enger Bild: dpa

Bei Werder Bremen wächst vor dem Spiel gegen Darmstadt 98 die Angst vor dem totalen Absturz. Das Problem: Trainer Skripnik hat das Team nicht weiter entwickelt. Und die Argumente für ihn werden weniger.

          Vergangenen Sonntag hat Johannes Eggestein zwar kein Tor geschossen, doch seine Mannschaft gewann auch so 3:1 gegen den Hamburger SV und bleibt Tabellenführer der A-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost – vor dem VfL Wolfsburg und RB Leipzig. Eggestein ist 17 Jahre alt und Werders prächtigstes Juwel: 22 Tore sind ihm in 16 Spielen gelungen; beim 3:3 gegen Leipzig traf er dreimal. Zu diesem Spiel waren Scouts aus Manchester angereist. Der junge Stürmer, der über den TSV Havelse nach Bremen kam, habe die Abgeordneten Uniteds begeistert, hieß es.

          In Bremen wissen sie, was sie am Bruder des ebenfalls noch sehr jungen Maximilian Eggestein (19) haben. Deswegen will der Geschäftsführer Sport, Thomas Eichin, Johannes Eggestein unbedingt halten. Das hat ihm natürlich auch A-Jugend-Trainer Mirko Votava geraten. Der 59 Jahre alte Votava arbeitet seit 2004 bei Werder Bremen, viele Talente gingen durch seine Hände, dass die Bremer in der deutschen Nachwuchsszene weiterhin eine Rolle spielen, ist auch ihm zu verdanken. Votava schätzt seinen Job und seinen Arbeitgeber, auch deswegen wünscht er sich nicht eine Diskussion, in deren Mittelpunkt er in einer bestimmten Konstellation plötzlich stünde: Was macht Werder mit Viktor Skripnik, sollte das Spiel am Samstag gegen Darmstadt 98 (15.30 Uhr / Live auf Sky und im Bundesligaticker auf FAZ.NET) verloren werden?

          Bekannte Sätze vor brisantem Spiel

          Am Donnerstag um 12.30 Uhr war die Bremer Welt noch in Ordnung. Es waren die bekannten Sätze vor einem brisanten Spiel. „Viktor hat die volle Unterstützung von uns allen“, sagte Eichin, „und das ist das Wichtigste.“ Als Skripnik im Oktober 2014 überraschend Robin Dutt nachfolgte, galt das als erster Schritt des neuen Werder-Weges. Die Kraft sollte aus dem Nachwuchs kommen, inklusive Trainer. Natürlich macht man so etwas, wenn man kein Geld hat. Aber die Bremer waren und sind zu Recht stolz auf die Jugendarbeit. Also Skripnik, Trainer der zweiten Mannschaft.

          Der hatte 20 Jahre Werder auf dem Buckel und bot schon auf seiner ersten Pressekonferenz mehr Identifikationsfläche als Dutt in seinen 15 Monaten an der Weser. Werder befreite sich aus dem Schlamassel, kam entspannt über die Ziellinie. Aus Viktor wurde „Viktory“. Eine Bremer Kultfigur mit stahlblauen Augen und kuriosem Deutsch. Doch nach zehn Bundesligaspielen mit nur einem Sieg ist aus Skripnik einer geworden, dem man beim SV Werder nur noch einen kleinen Rest Vertrauen entgegenbringt - der sich aus der Vergangenheit speist. Eine solche Vereinslegende entlässt man eben nicht so schnell. Der eingeschlagene Weg, wenig Geld, viele Talente, ist schon steinig genug auf dem Verdrängungsmarkt Bundesliga.

          Ohne Skripnik hätte die Bewegung ihren Kopf verloren. Doch Argumente gibt es nur wenige für den 46 Jahre alten Ukrainer. Mit seinen taktischen Griffen beim 0:2 in Ingolstadt lag er verblüffend weit daneben. Als Mutmacher im ersten Jahr konnte er überzeugen. Als Weiterentwickler im zweiten Jahr ist er gescheitert. Kann passieren - das gibt es woanders auch. Was aber ist Skripniks Handschrift? Hinten ist Werder so verletzlich wie in all den Jahren zuvor. Vorn fehlt der Punch, um Rückstände zu drehen.

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