Home
http://www.faz.net/-gtn-101x4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bayerns Stürmer-Diskussion Einer zu viel - und einer zu wenig

31.08.2008 ·  Brauchen die Bayern noch einen Stürmer? Sie haben nur drei, und die bereiten Sorgen. Manager Hoeneß ist froh, wenn der „Spuk“ vorbei ist. Er kann die ewige Poldi-heim-an-den-Rhein-Geschichte nicht mehr hören.

Von Günter Klein, München
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Uli Hoeneß zählt die Tage, die Stunden, bis es Montagmitternacht ist. „Dann“, sagt der Manager des FC Bayern München, „wird der Spuk vorbei sein. Zumindest für vier Monate.“ Das Transferfenster im deutschen Profifußball schließt sich mit Ablauf des 1. September bis Jahresende, und obwohl der deutsche Meister die Spekulationen selbst befeuert hat, dass er auf den letzten Drücker noch einen Transfer-Nachschlag nehmen würde (Hoeneß: „Bei uns ist nichts unmöglich“), ist er der öffentlichen personellen Gedankenspiele auch überdrüssig.

Ein Zeichen der Gereiztheit ist, wenn Hoeneß zur Medienschelte ansetzt: Die Journalisten mögen sich doch auf das konzentrieren, was auf dem Platz passiert, sie sollten aufhören, „uns in irgendwelche Transfers hineinzudrängen“, und vor allem „nicht mehr jeden Tag in Köln bei Overath anrufen“. Das ist es, was Hoeneß den „Spuk“ nennt: die ewige Poldi-heim-an-den-Rhein-Geschichte.

„Da sehe ich in Europa nichts Besseres“

In den ersten Trainingstagen der neuen Saison und der neuen Ära unter dem Trainer Jürgen Klinsmann hatten die Bayern von der Einzigartigkeit ihres Angriffs geschwärmt. „Da sehe ich in Europa nichts Besseres“, sagte Hoeneß, wenn er angesprochen wurde auf die Besetzung mit Luca Toni, Miroslav Klose und dem mit EM-Schwung aus dem Sommer zurückkehrenden Lukas Podolski.

Drei Stürmer statt wie in der Vergangenheit vier bis sechs - der kleine Kreis schien auch zum besseren Betriebsfrieden beizutragen. Doch vor dem heutigen dritten Bundesligaspiel gegen Hertha BSC Berlin und nach zwei Unentschieden muss der FC Bayern konstatieren, dass drei Angreifer einer zu viel sind, weil er einen schwer Unzufriedenen hat (Podolski) - oder einer zu wenig, weil angesichts des mageren Ertrags an Stürmertoren Gerüchte über Offensivverstärkungen die Runde machen: Dimitar Berbatow (Tottenham), Andrej Arschawin (St. Petersburg). Die Befindlichkeit von Sturm und Stürmern wird zum beherrschenden Thema beim FC Bayern.

„Es gibt bei uns nur noch Schwarz und Weiß, keine Zwischentöne“

Am besten drauf wäre eigentlich Lukas Podolski, der aber seine Verstimmung nach der Nichtaufstellung in Dortmund nicht mehr überspielt. Der frühere Kölner lenkt seine Öffentlichkeitsarbeit inzwischen selbst, hat es sogar übernommen, Interviews - selten in der Profibranche - eigenhändig zu autorisieren. In den jüngsten Interviews steht, dass er sicher mal wieder für Köln spielen werde, und ein deutlicher Fingerzeig war auch, dass er seinen Sohn Luis am Tag der Geburt als Mitglied beim 1. FC anmeldete.

Beim FC Bayern indes nicht. „Man kann nur bei einem Verein Mitglied sein“, sagt Lukas Podolski, den zu Saisonbeginn ein Vier-Augen-Gespräch mit Klinsmann besänftigt hatte. Danach ging es ihm „etwas besser“ als in den Zeiten unter Felix Magath und Ottmar Hitzfeld und in seinen beiden Münchner Bankdrückerjahren.

Die Meinungen zu Klose gehen auseinander

Podolski kämpft um den Platz in der ersten Elf gegen Miroslav Klose, der in der Nationalmannschaft so etwas wie der große Bruder war. Klose wird in München nach fulminantem Start vor einem Jahr nun vorgerechnet, dass er die wesentlichen Stürmeraufgaben nicht erfüllt: Im Kalenderjahr 2008 gelangen ihm nur zwei Bundesliga-Tore. Die Meinungen zu Klose gehen auseinander.

Mitspieler wie Mark van Bommel loben seine „wertvolle Arbeit für die Mannschaft“, Jürgen Klinsmann verweist darauf, dass „es bei einem Stürmer solche Phasen einfach gibt. Und plötzlich wird er im richtigen Moment am richtigen Fleck stehen.“ Uli Hoeneß zitiert das historische Beispiel Gerd Müller: „Der hat auch vier bis sechs Wochen nicht getroffen und dann auf einmal drei Tore gemacht. Gelingt Miro gegen Hertha ein Kopfballtor, werden alle, die ihn jetzt kritisieren, hurra schreien. Die Diskussion um Klose verläuft unter der Gürtellinie. Es gibt bei uns nur noch Schwarz und Weiß, keine Zwischentöne.“

Oddo-Verpflichtung ist keine Wohlfühl-Offensive für Toni

Doch auch der Klose-Verteidiger Hoeneß hat eine Einschränkung parat: Als Nummer eins im Bayern-Sturm darf der verdiente deutsche Nationalstürmer sich nicht betrachten. Trotz verkorkster EM gebührt dem Italiener Luca Toni die Anführerschaft im Münchner Angriff. „Auf dem Platz und außerhalb ist er die Riesen-Persönlichkeit“, Klose müsse sich in der Rolle daneben einfinden.

Doch auch der Anführer Toni wird den Bayern Kummer bereiten. In der Vorbereitung hat er seine übliche langwierige Muskelverletzung „genommen“, das Deutschlernen stagniert, und aus Italien dringen die regelmäßigen Absichten der Großklubs, ihn heimzuholen ins Land des Weltmeisters. Wenn die Bayern in der Champions League auf Tonis früheren Verein AC Florenz treffen, wird das Thema zwangsläufig wieder aufleben. Tonis Wechsel nach dieser Saison, wo für ihn noch eine Ablöse verlangt werden könnte, ist nicht ausgeschlossen. Dass in München fortan mit Massimo Oddo ein Landsmann spielen wird, steht nicht in Zusammenhang mit einer möglichen Wohlfühl-Offensive für Toni. „Dass der Mann, den wir verpflichtet haben, Italiener ist, ist nur ein Nebeneffekt“, sagt Hoeneß.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche
Ergebnisse, Tabellen und Statistik