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Bayerns Jahreshauptversammlung „Das Mir-san-mir wieder mehr leben“

27.11.2009 ·  Mehr Beifall als Pfiffe für van Gaal, ein Vers für Franz Beckenbauer - der FC Bayern will es wieder mit mehr Geduld versuchen: Auf der Jahreshauptversammlung des erfolgreichsten deutschen Fußballvereins wird Uli Hoeneß zum Präsidenten gewählt.

Von Roland Zorn, München
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Es war eine Mitgliederversammlung, aber auch eine Münchner Feierstunde und eine Demonstration der Stärke des größten deutschen Vereins. Am Freitagabend, als die Vereinsfamilie des FC Bayern in der Münchner Messe zusammenkam, um in sportlich schwierigen Zeiten so etwas wie Einigkeit und Harmonie zu beweisen, verabschiedeten sich die beiden größten Bayern aus ihren Ämtern - und bleiben dem Klub doch erhalten.

Uli Hoeneß ging um kurz vor 22 Uhr nach dreißig Jahren als Manager und wurde nebst seinen Vizepräsidenten Fritz Scherer und Bernd Rauch mit 4458 Stimmen bei 20 Gegenstimmen und 12 Enthaltungen zum Präsidenten gewählt; Franz Beckenbauer gab nach fünfzehn Jahren sein Präsidentenamt gern an Hoeneß („er ist schon als Manager zur Welt gekommen“) ab und wurde zum Ehrenpräsident und Ehrenspielführer des deutschen Fußballrekordmeisters ernannt.

Beide wurden von den anwesenden Mitgliedern begeistert gefeiert. Hoeneß' sportlichen Part als Manager wird Sportdirektor Christian Nerlinger so gut wie möglich auszufüllen versuchen; ein Managementfachmann für die Sektoren Marketing und Sponsoring wird noch gesucht. Bis auf weiteres wird Hoeneß auch als gewiss überaus aktiver Präsident einen Großteil der wirtschaftlichen Kompetenz im Klub behalten. Hoeneß bedankte sich mit nachdenklichen Worten für seine Wahl und mahnte für die Zukunft „etwas mehr Geduld“ an. „Der FC Bayern ist ein riesiger Moloch geworden - wir alle sollten mehr Gelassenheit zeigen. Wir müssen dieses Mir-san-mir wieder mehr leben.“

Beckenbauer gab an seinem Abschiedsabend als Präsident der Bayern noch einmal den souverän entspannten Moderator und verbindlichen Frontmann. So schuf er von Anfang an eine angenehme Atmosphäre, die im Prinzip „leben und leben lassen“ wurzelte. „Liebe Freunde, liebe Mitglieder“, erklärte der „Kaiser“ nach dem diesmal obligatorischen Gruppenbild der Bayern-Oberen ohne Trophäe, „Sie werden sich ja auch gedacht haben, wo sind die Pokale, wo sind sie denn? Sie waren das ja gewohnt. Darum bitte, wenn möglich, holt's noch den einen oder anderen Pokal in dieser Saison.“ Applaus, Applaus der Bayern-Familie, die in summa auf eine Großstadtgröße von 151.227 Mitgliedern kommt.

Mehr Beifall als Pfiffe für van Gaal

Als Beckenbauer dann den umstrittenen Trainer Louis van Gaal, Mannschaftskapitän Mark van Bommel sowie dessen Stellvertreter Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger begrüßte, überwog der Beifall für den niederländischen Fußballlehrer die Pfiffe bei weitem, zumal der scheidende Präsident „Verständnis“ für den sportlich bisher zähen Saisonverlauf äußerte. Der Trainer sei neu, ein Großteil der Mannschaft auch, und überhaupt: „Der Herbst war hier noch nie ruhig, manchmal war er sogar ganz stürmisch.“

Diese Herbststürme zogen indes am Freitagabend am Schauplatz des Bayern-Konvents in der Messe München International vorbei. Es war zwar nicht wie zuletzt bei so gut wie jeder Mitgliederversammlung ein Abend der Zahlenrekorde, doch imposant genug muteten die Bilanzen dennoch an. Die Bayern vermeldeten für das Geschäftsjahr 2008/09 einen Jahresumsatz von 268,7 Millionen Euro bei einem Gewinn nach Steuern von 2,5 Millionen Euro. Vor einem Jahr betrug der Umsatz der Bayern München AG noch 286,7 Millionen Euro bei einem Gewinn von 2,1 Millionen Euro. Gleichwohl trug der für die Finanzen zuständige Vorstand Karl Hopfner wie alle Jahre wieder „gute Zahlen“ für den mächtigsten und reichsten deutschen Sportverein vor.

Moderat wie Beckenbauer äußerte sich auch der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Er gab sich überzeugt, dass die in der Bundesliga derzeit nur im oberen Mittelfeld angesiedelten Münchner noch nach „ganz oben“ kommen könne. Rummenigge stützte den in die Kritik geratenen van Gaal und sagte: „Wir tun alle gut daran, das Wort Geduld zu leben. Ich bin überzeugt, wenn unsere zwei (derzeit noch verletzten) Raketen Ribéry und Robben zurückkommen, werden wir eine ganz andere Mannschaft erleben.“ Er kündigte zudem an, dass der an Tabellenführer Bayer Leverkusen ausgeliehene und derzeit stark aufspielende Mittelfeldjungstar Toni Kroos in der kommenden Spielzeit zum FC Bayern zurückkehren werde.

Rummenigge dichtet, Hoeneß genießt

Rummenigge leitete dann über zu den beiden prägenden Männern des Vereins, die gehen und bleiben werden: Dem neuen, beifallsumrauschten, auch in der Stunde des Ämterabschieds fröhlichen Ehrenpräsidenten und Ehrenspielführer Franz Beckenbauer rief der Vorstandsvorsitzende der Bayern zu: „Wir brauchen dich, du bist die größte Persönlichkeit des Klubs.“ Beckenbauer zuliebe wurde der eher spröde Rummenigge gar zum Gelegenheitsdichter („ich danke Dir ganz toll, weiß gar nicht, was ich alles sagen soll“).

Hoeneß, dem neuen Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden, wand der Vorstandschef eine Spur prosaischer ebenfalls Kränze. Hoeneß habe als „Deutschlands bester Fußballmanager aller Zeiten“ dreißig Jahre „Leidenschaft pur“ für seinen Klub bewiesen. „Er war und ist innovativ, kreativ, impulsiv, manchmal auch explosiv und war Vorbild, Zuhörer, Ratgeber, Retter und im Hintergrund ein guter Engel mit großem Herzen.“ Für die Mitglieder des FC Bayern ist Hoeneß, der diesen Abend mit verschmitzter Mimik sichtlich genoss, immer ein Mann von der Basis geblieben, der am Freitag mit Ovationen und „Uli, Uli“-Rufen gefeiert wurde.

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