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Bayern-Trainer van Gaal Der Countdown läuft

22.11.2009 ·  Die Bayern stehen vor einer brisanten Woche: Nach dem Spiel gegen Leverkusen am Sonntag (15.30 Uhr) geht es in der Champions League um alles oder nichts. Im Fokus: Louis van Gaal. Der Trainer ist angezählt.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Kaum hatte Louis van Gaal Platz genommen, stand auch schon der Cappuccino auf dem Tisch. Der Trainer wird beim FC Bayern München also doch gut behandelt, wenigstens von der Pressestelle. Womöglich wäre aber ein Beruhigungstee ein geeigneteres Getränk gewesen, denn die vor einem Bundesligaspiel obligatorische Pressekonferenz war dieses Mal kein leichter Termin für den Holländer.

Aber van Gaal beantwortete die nicht immer angenehmen Fragen ziemlich souverän. Das nervöse Klopfen mit den Fingern auf den Tisch verriet allerdings, dass es hinter der Fassade etwas anders aussieht. „Natürlich spüre ich Rückendeckung“, sagt van Gaal. „Aber ich weiß auch, dass ich Erfolg brauche.“ Der Trainer ist vor dem Duell an diesem Sonntag (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) mit Tabellenführer Bayer Leverkusen angezählt.

Eröffnet haben den Countdown der Noch-Manager Uli Hoeneß und der Noch-Aufsichtsratsvorsitzende Franz Beckenbauer in einem Interview der „Bild“-Zeitung. „Ich kann nicht immer sagen: Es ist alles super, wenn wir Achter sind“, ließ Hoeneß wissen. Der Trainer sei der Meinung, er müsse alles selbst regeln, „aber alles schafft das ein Einzelner nicht“.

Öffentliche Trainerschelte

Vielleicht war die Analyse der autoritären van Gaalschen Arbeitsweise mehr als Ratschlag gedacht denn als Kritik. Allerdings mussten die Verantwortlichen um die Wirkung und Interpretationsmöglichkeiten ihrer Aussagen wissen. Van Gaal war vermutlich nicht überrascht vom Inhalt. „Ich spreche jede Woche mit dem Vorstand. Ich weiß, was sie denken, meinen und fühlen.“ Es wird ihm jedoch nicht gefallen haben, dass Hoeneß und Beckenbauer damit an die Öffentlichkeit gegangen sind. Der Trainer zog es vor, sich jeglichen Kommentars zu enthalten. „Das muss intern bleiben.“

Der Zeitpunkt der öffentlichen Trainerschelte ist wohl bewusst gewählt, denn die Bayern stehen vor einer brisanten Woche. Drei Tage nach dem Spiel gegen Leverkusen geht es um die letzte Chance, in der Champions League doch noch die Gruppenphase zu überstehen. Das haben die Münchner zwar nicht mehr selbst in der Hand, aber ein Sieg im letzten Heimspiel gegen Maccabi Haifa ist eine Voraussetzung.

Van Gaals Fachwissen zweifelt niemand an

Am Freitag findet dann die Jahreshauptversammlung statt. Die Veranstaltung, auf der Hoeneß den Managerposten räumen und die Nachfolge von Beckenbauer antreten wird, könnte ziemlich unangenehm für den Vorstand werden. Denn die Mehrheit der Mitglieder sieht die Schuld für die Krise bei der Führungsriege. Davon könnte vielleicht etwas ablenken, wenn die Verantwortung an denjenigen delegiert wird, der bis dahin verhältnismäßig glimpflich davongekommen ist: den Trainer.

Sein Fachwissen zweifelt niemand an beim FC Bayern, die meisten Spieler schätzen seine Trainingsmethoden, die klaren Anweisungen. Aber nicht alle beim Rekordmeister finden seinen pädagogischen Ansatz zeitgemäß. Im Erfolgsfall sorgen strenge Kleidervorschriften oder antiquierte Tischsitten für anerkennenden Beifall. Wenn aber die Realität nicht den hohen Ansprüchen genügt, der Branchenführer zum Mitläufer zu verkommen droht, dann werden die Gründe für den Misserfolg eben auch in der übertriebenen Disziplin gesucht.

Gomez vom Führungsstil des Trainers verunsichert

Womöglich bremst die Reglementierung van Gaals tatsächlich die von Fußballprofis gewünschte Eigeninitiative und hemmt damit auch die Kreativität. Es gibt Typen wie Mark van Bommel oder Philipp Lahm, die damit gut umgehen können, andere wie Mario Gomez scheint der Führungsstil des Trainers zu verunsichern. Der Nationalstürmer ist nur einer von mehreren Spielern, die auf dem Platz Angst vor Fehlern zu haben scheinen.

Und wieder andere, vor allem jene, die bisher eine bevorzugte Behandlung gewohnt waren, fühlen sich in ihrer Eitelkeit gekränkt. Luca Toni hatte sich vor zehn Tagen als erster Bayern-Profi öffentlich über den Trainer beschwert. Der Italiener wird wohl in der Winterpause die Bayern verlassen – falls ihm nicht van Gaal zuvorkommt und sich noch davor aus München verabschieden muss.

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