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Bayern-Sportpsychologe Philipp Laux : „Das Sieger-Gen ist im ganzen Verein spürbar“

  • Aktualisiert am

Als Torhüter (hier im Trikot von Borussia Dortmund) lernte Laux Stressituationen kennen Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der frühere Torhüter Philipp Laux ist heute Sportpsychologe beim FC Bayern. Im FAZ.NET-Interview spricht er über die besonderen Fähigkeiten der Münchner Spieler, das Phänomen Bayern-Dusel und die Gründe für die wachsende Bedeutung der Psychologie.

          Philipp Laux hat als Torhüter unter anderem bei Borussia Dortmund Erfahrungen im Profigeschäft gesammelt. Später arbeitete er unter anderem bei der TSG Hoffenheim.

          Seit Jürgen Klinsmanns Dienstantritt in München ist er Sportpsychologe bei den Bayern. Im FAZ.NET-Interview spricht er über die besonderen Fähigkeiten der Münchner Spieler, das Phänomen Bayern-Dusel und die Gründe für die wachsende Bedeutung der Psychologie im Sport.

          Wann haben Sie zum ersten Mal das Sieger-Gen beim FC Bayern gespürt?

          Vom ersten Tag an. Es ist im ganzen Verein spürbar, Tag für Tag. Es fängt mit der Vereinsführung an, die eine Siegermentalität vorlebt. Das überträgt sich auf die Mannschaft. Man weiß, wenn man beim FC Bayern arbeitet, dass die Erwartungshaltung sehr hoch ist, die Ziele sehr hoch sind, und man spürt, dass jeder Einzelne hart arbeitet und versucht, diese Ziele zu erreichen.

          Kann man dieses Sieger-Gen psychologisch erklären?

          Ja, zum Teil. Es ist eine Kombination aus realistischer Zielsetzung und dem Wissen, diese Ziele erreichen zu können. Die Spieler besitzen die Fähigkeit, ihre hohe Qualität gerade unter Druck optimal abrufen zu können. Mit diesem Bewusstsein der eigenen Stärke steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit.

          Ein anderes Phänomen, das oft mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht wird, ist der Dusel.

          Es wird oft davon geredet, aber ich bin mir sicher, es ist kein Dusel, sondern der Glaube, jedes Spiel zu jedem Zeitpunkt noch gewinnen zu können. Diese Überzeugung, die hier sehr ausgeprägt ist, hat aber auch wieder etwas mit der Erwartungshaltung zu tun und mit den Zielen, die sich der Verein steckt, und mit denen sich die Spieler identifizieren.

          Sind Sie als Sportpsychologe dann nicht fast schon überflüssig beim FC Bayern?

          Die Sportpsychologie ist ein weiterer Mosaikstein, um Leistung zu optimieren. So wie sich ein Spieler technisch, taktisch und im Fitnessbereich weiterentwickelt, ist es auch sinnvoll, wenn er im mentalen Bereich an sich arbeitet und noch stärker wird. Der Kopf muss den Körper in Drucksituationen unterstützen und nicht im Weg stehen. Es hat sich in den letzten Jahren die Überzeugung durchgesetzt: Der Kopf kickt mit.

          Im Fußball aber eher später, seit der WM 2006. Warum hat die Sportpsychologie in Mannschaftssportarten erst in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen?

          Im Fußball war tatsächlich Jürgen Klinsmann bei der Nationalmannschaft der Vorreiter, als er vor der WM mit Hans-Dieter Hermann einen Sportpsychologen fest ins Team genommen hat. Früher wurde nur dann ein Sportpsychologe hinzugezogen, wenn es nicht gut lief, also als Feuerwehrmann, der das Ganze noch retten sollte. Das ist aber der falsche Ansatz. Ein Sportpsychologe kann auch Einfluss nehmen, wenn es gut läuft, indem man sich mit der Frage beschäftigt: Wie gehe ich mit dem Erfolg um? Oder: Warum läuft es im Moment gut? Man reflektiert und fördert damit das Bewusstsein der eigenen Stärke. Da hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken stattgefunden. Man hat gemerkt, es geht nicht um Therapie, nicht um die rote Couch, sondern darum, die Leistung durch kontinuierliches Coaching zu optimieren.

          Sie sind beim FC Bayern Teil des Trainerteams. Arbeiten Sie mit den anderen Trainern eng zusammen?

          Wir streben ein interdisziplinäres Arbeiten an. Damit ergeben sich Austauschmöglichkeiten gerade mit den Fitnesstrainern. Denn wenn ein Spieler körperlich fit ist, traut er sich mehr zu, ist somit auch im Kopf stärker. Ist der Spieler im Kopf stark, hat das Auswirkungen auf sein körperliches Befinden. Wir können die Spieler gemeinsam unterstützen.

          Ist es den Spielern freigestellt, mit Ihnen zu arbeiten?

          Es ist keine Pflicht, sondern ein Angebot.

          Sie waren selbst Fußballprofi, standen in der Bundesliga im Tor beim SSV Ulm und bei Borussia Dortmund. Erleichtert Ihnen dies die Arbeit?

          Der Einstieg wurde mir erleichtert, die erste Tür war geöffnet, weil ich beide Komponenten, die eigenen Erfahrungen, die ich als Spieler gemacht habe und das psychologische Wissen, verbinde.

          Wie sehr hat Sie Ihre Profikarriere beeinflusst, diesen Beruf zu ergreifen?

          Dass ich Psychologie studiert habe, hat viel damit zu tun, dass ich Fußballspieler war, vor allem, dass ich im Tor stand. Torhüter beschäftigen sich grundsätzlich viel mit mentaler Spielvorbereitung, weil sie im Spiel immer reaktiv, zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Stelle sein müssen. Das heißt, sie müssen die Konzentration hochhalten, sich auf Spielsituationen vorbereiten.

          Hatten Sie damals selbst mit einem Sportpsychologen zusammengearbeitet?

          Ja, in Ulm habe ich Hans-Dieter Hermann kennengelernt, der einen Vortrag über die Sportpsychologie hielt. Wir haben seither in regelmäßigen Abständen zusammengearbeitet.

          Das Gespräch führte Elisabeth Schlammerl.

          Quelle: F.A.Z.

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