09.05.2010 · Die Bayern genießen ihre 22. deutscheMeisterschaft und feiern auf dem Münchner Marienplatz schon auf Vorschuss. In der Bundesliga sind die Münchner am Ende in allen Kategorien die Nummer eins. Und sie sind bereit auf weitere Titel.
Von Michael Horeni, BerlinDie Bayern haben viel von Louis van Gaal gelernt. Man konnte das an den Laufwegen vor der Bierdusche erkennen, die nötig waren, um ihren Trainer zu stellen. Im Duell eins gegen eins den schäumenden Abschluss suchen, das war gestern bei den Bayern. Im Berliner Olympiastadion teilten sich die Bayernprofis den Platz in Zonen auf, um ihren Trainer einzukreisen und ihm die feuchten bayerischen Meistergrüße mitzugeben. Aber zunächst konnte der laufstarke Bayern-Trainer, frisch gestärkt von der dritten nationalen Meisterschaft nach den Erfolgen einst und jüngst in den Niederlanden sowie zwischenzeitlich in Spanien, seine Lieblingsverfolger noch abschütteln und über sein letztes Kunststück unter dem Jubel des Publikums am Mittelkreis mit in den Himmel gereckten Armen jubeln.
Oder war das nicht vielleicht doch ein etwas fülliger Arjen Robben, der über einen seiner herrlichen Treffer jubelte? Louis van Gaal ahnte natürlich, dass mit diesen Bayern sehr gut zu scherzen ist. Deswegen hatte er in der Halbzeitpause des etwas zähen Vorspiels, ein 3:1-Sieg gegen Absteiger Hertha BSC, zum viel lebendigeren bayerischen Nachlauf seinen Anzug gegen den Trainingsanzug getauscht. Als ihm dann erst sein Landsmann und Kapitän Mark van Bommel eine kalte Dusche verpasste („Da war ich einen Moment vom Publikum abgelenkt“) und danach auch noch Bastian Schweinsteiger, da hatten die Spieler auch ihre letzte Bundesliga-Pflichtaufgabe mit viel Vergnügen hinter sich gebracht. Und der triefend nasse Trainer sagte: „Was diese Mannschaft auszeichnet, sind Leidenschaft und der große Wille.“ Und noch etwas: „Die Spieler haben vom ersten Tag an an mich geglaubt. Sie haben mehr an mich geglaubt als der Vorstand. Das ist das schönste Gefühl, das man haben kann.“
Wer wollte, konnte die Bundesliganachspielzeit auch schon als Vorbereitung auf das Pokalfinale gegen Werder Bremen am kommenden Samstag an bekannter Feierstätte sowie in vierzehn Tagen in Madrid gegen Inter Mailand in der Champions League betrachten. Van Gaal tat es jedenfalls: „Es ist gut, dass die Stimmung so prima ist. Wir haben ja noch einiges vor.“
Ungeteilte Zufriedenheit
Der niederländische Trainer präsentierte sich nach dem Schlusspfiff im Umgang mit seinen Spielern und sich selbst jedenfalls auf eine Weise, die so unendlich weit von den Klischees entfernt war, die im Herbst, als sein Projekt auf der Kippe stand, über ihn verbreitet wurden. Mit stinkenden Haaren, verklebten Klamotten und strahlendem Lachen war in Berlin ein Trainer ganz nah bei seinen Spielern. Wenn Eitelkeit, Arroganz und Sendungsbewusstsein so aussehen sollen, bitte schön. Und zur Warnung für den Partyabend am Samstag und die beiden kommenden Wochenenden prahlte Fußball- und Rotweinkenner van Gaal: „Normal mache ich das Licht aus.“
Die Vereinsführung gab im Saisonzwischenbericht aus der Hauptstadt jedenfalls ihrer ungeteilten Zufriedenheit Ausdruck. Kritik oder Verbesserungswünsche waren nicht einmal im Promillebe-reich zu erkennen. „Die Mannschaft ist in einem guten Fluss. Wir haben die beste Abwehr und den besten Sturm. Aber Louis wollte ja auch alles“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge über einen Ligaabschluss, der auch noch die kleinsten Sonderwünsche des Trainers in Erfüllung gehen ließ. In der letzten Viertelstunde war es Arjen Robben, der mit seinen beiden Treffern (74. und 88. Minute) zum 3:1-Sieg nach der Führung durch Ivica Olic (20.) und dem Ausgleich durch Ramos (60.) diesem 22. Münchner Meistertitel noch einmal den typisch niederländischen Anstrich des Jahrgangs 2010 verlieh.
In seinem unwiderstehlichen Tempo mit serienmäßiger Präzision machte Robben auch gegen den Absteiger mit dessen historisch unerreichter Heimspielschwäche mit 16 Spielen ohne Sieg den ganz großen Unterschied. 16 Saisontore beförderten den Mittelfeldspieler auch zum besten Münchner Torschützen des Jahres, und damit hatte er auch seinen großen Anteil, dass die neuen Meister wie von van Gaal gewünscht die meisten Tore (72) erzielten und die beste Abwehr vorweisen konnten (31).
Sieg in allen Kategorien
„Am wichtigsten ist, dass wir in allen Kategorien gewonnen haben. Wir haben den attraktivsten Fußball gespielt“, freute sich der erste niederländische Trainer mit deutschem Meisterdiplom, den am Sonntag noch einmal 50.000 Menschen auf dem Münchner Marienplatz hochleben ließen. Den Titel gewannen die Münchner, man sollte das noch einmal erwähnen, angesichts von acht Punkten Rückstand auf die Spitze nach acht Spieltagen, mit fünf Punkten Vorsprung. Das macht seitdem 2,2 Punkte pro Spiel und drückt die schöne, holländisch inspirierte spielerische Überlegenheit auch in ganz handfester deutscher Ergebnisorientierung aus.
„Das Hauptziel sind drei Pokale. Einen haben wir, zwei wichtige Spiele kommen noch“, sagte Arjen Robben mit der Schale in der Hand. Vor der Rückkehr nach Berlin in einer Woche und seinem persönlichen Comeback danach in Madrid wollten der bayerische Tempomacher und seine Kollegen aber keine großen Worte verlieren. „Wir können eine historische Saison schaffen. Das wäre unglaublich“, sagte Kapitän van Bommel, der die Schale von Liga-Präsident Rauball unter Konfettiregen überreicht bekam. Das musste für den Augenblick genügen.
Auch fast alle tieftraurigen Berliner Anhänger erwiesen dem Meister im Olympiastadion noch gebührend lange die Ehre. Die Hertha-Profis indes verließen während der bayerischen Festmomente die Bundesliga ganz schnell durch den Hinterausgang. Sie verabschiedeten sich nicht einmal von ihren Fans.
Von Michael Horeni
bereit auf
Hubert Paul Schilling (hubertpaulschilling)
- 10.05.2010, 12:28 Uhr
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |