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Bayern München Van Gaal macht Schluss mit der Wohlfühloase

01.07.2009 ·  Louis van Gaal hat seine Arbeit aufgenommen. Seine Ziele formuliert er zum Traininigsauftakt des FC Bayern München recht moderat. Dafür nennt er ein Vorbild: den FC Barcelona.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Die Ausrüstung des neuen Trainers wirkte wie eine kleine Drohung. Louis van Gaal hatte an seinem ersten Arbeitstag beim FC Bayern München Stoppuhr und Trillerpfeife mitgebracht. Beides baumelte um seinen Hals, als der Niederländer am Mittwochvormittag zusammen mit seinem 13 Mann starken Betreuerstab und 24 Spielern den Trainingsplatz betrat. Aber ganz so schlimm kam es dann doch nicht beim ersten Training. Nur einmal klang der durchdringende Ton der Pfeife über das Gelände: Als van Gaal im Anschluss an das Training die kleine Autogrammstunde der Profis beendete - nach den genau von ihm vorgegebenen fünf Minuten.

Der Mann legt eben Wert auf Disziplin und Ordnung. Beim Fototermin des Betreuerstabs bestimmte er höchstpersönlich, wer wo zu stehen hat. Und als einer der sieben Neuzugänge, Edson Braafheid, ein Fehler bei der Ballannahme unterlief, weil er nicht zugehört hatte, rügte er seinen Landsmann - auf Deutsch. „Das war nicht gut“, rief van Gaal und bekam dafür Applaus von den rund 1200 Zuschauern. Nur mit der Pünktlichkeit beim Trainingsbeginn hielt er es nicht so genau. Mit 40-minütiger Verspätung begann die Übungseinheit, was aber vor allem die vier live übertragenden Fernsehsender in Schwierigkeiten brachte.

Vorbild Barcelona

Es soll alles anders werden in München unter dem neuen Trainer. Van Gaal machte keine großen Versprechungen, formulierte eher vorsichtig die Saisonziele. „Wir wollen hart um die Titel kämpfen, um die Meisterschaft und den DFB-Pokal.“ In der Champions League werde man versuchen, „unter die letzten Acht zu kommen, aber nicht nur in diesem Jahr, sondern mehrere Jahre hintereinander. Und vielleicht steht am Ende der Periode van Gaal der Gewinn der Champions League.“ Als Vorbild nennt er den FC Barcelona, weil der es geschafft habe, aus guten Spielern eine gute Mannschaft zu formen. „Aber das ist nicht in einem Monat zu schaffen, vielleicht in zwei Jahren.“

Van Gaal hatte sich gut vorbereitet auf seinen ersten öffentlichen Auftritt in München, sich nach seinem fünftägigen Deutschkurs ein paar Sprüche zurechtgelegt, die manchmal ungewollt lustig klangen: „Das bayerische Lebensgefühl passt so gut zu mir wie ein warmer Mantel. Mia san mia, wir sind wir und ich bin ich“. Sein kleines Referat über die Gemeinsamkeiten des FC Bayern und des Trainers van Gaal sagte einiges aus über das Selbstverständnis des erfahrenen Fußballlehrers. Beide seien „selbstbewusst, arrogant, dominant, ehrlich, arbeitsam, innovativ, aber auch warm und familiär.“ Manager Uli Hoeneß gefiel das vor kurzem veröffentlichte Bild von van Gaal in bayerischer Tracht. „Du in der Lederhose, das passt“, fand er.

Der FC Bayern ist keine Wellness-Oase mehr

Bei seinem Besuch vor einem Monat hatte der Siebenundfünfzigjährige einige Veränderungen in Auftrag gegeben. „Der FC Bayern hat alles getan, was ich wollte.“ Er ließ das von seinem Vorgänger konzipierte Leistungszentrum umgestalten. Wände wurden eingezogen, Büros für die Trainer eingerichtet und ein paar Freizeitbereiche wie die DJ-Ecke und die ohnehin selten benutzte Bibliothek entfernt. Der FC Bayern ist keine Wellness-Oase mehr, sondern in erster Linie wieder ein Fußballverein. Rund um den Hauptplatz am Vereinsgelände wurden Kameras installiert, denn van Gaal lässt alle Trainingseinheiten dokumentieren. Nur ein großes Mannschaftsfoto aus der vergangenen Saison mit Jürgen Klinsmann ist aus der Ära des Projektleiters übrig geblieben.

Aber mal abgesehen von den eher traditionellen Utensilien Pfeife und Stoppuhr war vieles am Mittwoch doch sehr modern und erinnerte an den Sommer des vergangenen Jahres. Der Betreuerstab ist ähnlich groß wie der seines Vorgängers, und auch die erste Übungseinheit unterschied sich kaum von der bei Klinsmann. „Das war ein ganz leichtes Training, um einander kennenzulernen“, sagt van Gaal und deutete damit an, dass es in den nächsten Tagen etwas schweißtreibender werden wird. Allerdings hat van Gaal zu seinem Einstand gleich sieben neue Spieler bekommen, neben Braafheid sind dies Mario Gomez, Anatolij Timoschtschuk, Ivica Olic, Alexander Baumjohann, Danijel Prnjic und Rückkehrer Andreas Görlitz. Er muss nun versuchen, einen riesigen Kader, der nach der Rückkehr der wegen des Confederations Cup noch im Urlaub befindlichen Luca Toni und Lucio 26 Profis zählt, bei Laune zu halten, oder doch noch ein paar Spieler zu einem Wechsel zu bewegen. Kandidaten sind Tim Borowski, an dem Werder Bremen interessiert sein soll, Andreas Ottl und Breno.

Franck Ribéry gehört selbstverständlich nicht dazu, er gilt als unverkäuflich. Es habe bisher kein Angebot aus Madrid gegeben für den Franzosen, erklärte Hoeneß, „nur die eine oder andere Anfrage von höchster Stelle“. Der Manager hat bei einem dieser Telefonate auf das Gesellschaftsspiel Monopoly verwiesen. „Der FC Bayern hat vor zwei Jahren die Schlossallee gekauft und jetzt vier Hotels daraufgebaut. Das alles verkauft man nur, wenn man in Not ist, kein Geld mehr hat oder nicht mehr weiter weiß.“ Es hat sich vermutlich erübrigt, dem Verbindungsmann von Real Madrid mitzuteilen, dass beim FC Bayern nichts davon zutrifft.

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