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0:2 gegen Hoffenheim : 1899 schockt ideenlose Bayern

Zum Haare raufen: Thomas Müller und die Bayern Bild: Reuters

Eigentlich haben die Münchner alles im Griff. Doch dann gibt Hoffenheim den Bayern eine Lehrstunde in Sachen Chancenverwertung – und Ancelottis Elf bleibt die Antwort schuldig.

          Spiele gegen den FC Bayern München sind für den Bayern Julian Nagelsmann Fest- und Freudentage. Ob als U 19-Trainer oder als Fußballlehrer der Hoffenheimer Bundesligaprofis: Nagelsmann hat noch nie gegen ein Team des besten und berühmtesten deutschen Klubs verloren. Diese Serie hielt auch am Samstagabend, als die noch ungeschlagenen Badener den perplexen Meister durch zwei Tore von Mark Uth (27./51. Minute) 2:0 besiegten und damit auf Platz zwei der Tabelle nach dem dritten Spieltag rückten. Die Bayern, die eigentlich den kleinen Ausrutscher der Dortmunder in Freiburg zu ihrem Vorteil nutzen wollten, fielen nach ihrer ersten Saisonniederlage von Rang zwei auf Platz fünf zurück – und verloren trotz ständiger Feldüberlegenheit nicht einmal unverdient gegen einen hingebungsvoll kämpfenden und clever spielenden Gegner. Zu ideenlos bis behäbig war das Spiel der Münchner, die aus ihrer Dominanz nichts machten.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Sebastian Rudy und Niklas Süle, die im Sommer zum FC Bayern gewechselt sind, gehörten in ihren Hoffenheimer Jahren stets zu den sehr beliebten Profis der TSG. Entsprechend freundlich wurden sie am Samstag bei ihrer ersten Dienstreise in die alte Heimat begrüßt, wo Rudy von vornherein dabei war und Süle in prominenter Gesellschaft auf der Bank saß. Auf der anderen Seite freuten sich auch die Bayern-Fans, dass ihr Lieblingsspieler Thomas Müller anders als zuletzt in Bremen wieder in der Anfangsformation stand. Er feierte auch gleich ein Jubiläum, sein vierhundertstes Pflichtspiel für den Meister, bei dem Verein, zu dem er 2009 beinahe gewechselt wäre.

          Jubel über den zweiten Treffer von Hoffenheims Mark Uth Bilderstrecke
          Jubel über den zweiten Treffer von Hoffenheims Mark Uth :

          Dafür wurden diesmal kurz vor dem Start in die erste Champions-League-Runde Stars wie Arjen Robben, Franck Ribéry und James Rodriguez zunächst geschont. Und Vidal war nach enttäuschenden WM-Qualifikationsspielen mit Chile erst gar nicht im Kader. Die Münchner haben’s ja. Die Kraichgauer dagegen mussten ohne eine Reihe ihrer Besten auskommen. Wegen Verletzungen fehlten Abwehrchef Vogt sowie die stürmischen Größen Serge Gnabry, ausgeliehen von den Bayern, Sandro Wagner und Adam Szalai. Verlustmeldungen, die den Hoffenheimern, so schien es auf den ersten Blick, wehtaten.

          Dann aber setzten sich die Badener vehement und geschickt gegen eine Vielzahl von Bayern-Attacken zur Wehr. Der Münchner Offensive fehlte gegen die defensiv bestens organisierten Hoffenheimer die letzte Durchschlagskraft. Nur Lewandowski war nah an einem Treffer, als er nach Müllers Flanke den Ball gegen die Latte bugsierte (7.) und einen Freistoß knapp am Tor vorbeizirkelte (31.). Wie man aus dem Nichts alles macht, demonstrierte die TSG mit List und Tücke. Hummels stolperte einen Ball ins Aus, den er danach tief in die Hoffenheimer Hälfte zurückschlug. Während der Nationalspieler glaubte, damit aus dem Schneider zu sein, schnappte sich der Kroate Kramaric einen zweiten Ball, warf rasch ein, fand den durchstartenden Uth, und der erzielte aus dreizehn Metern unbedrängt per Flachschuss ins linke Eck das 1:0 (27.). Da staunten die tatenlosen Bayern und ärgerten sich dazu über Schiedsrichter Siebert, der den Treffer anerkannte, obwohl ein anderer Ball in einer Zone weitab vom Geschehen im Spiel war.

          Sollte es in Sinsheim wie schon im April (0:1) aufs Neue eine Niederlage setzen? Nach 51 Minuten sah es ganz danach aus. Aufs Neue hatte Uth zugeschlagen mit seinem fünften Pflichtspieltreffer dieser Spielzeit. Sein zweiter Versuch ins linke Eck nach Zubers präzisem Rückpass saß ebenso genau. Sechs Minuten später musste Rudy dem dringend gebrauchten Arjen Robben weichen. Doch der Holländer bewegte so wenig wie die kurz vor Schluss eingewechselten Ribéry und James. Kein Münchner fand die Lücke im geschlossen starken Hoffenheimer Verteidigungsbündnis. Der widerstandsfähige Außenseiter hatte dem Favoriten mit Bravour standgehalten und feierte einen großen Sieg.

          Quelle: FAZ.NET

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