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Bayern München Tonis Treffer lässt die Arena beben

06.12.2008 ·  Bei solch einem Tor kann auch schon mal ein Weltmeister sein Ritual außer acht lassen. Luca Toni vergaß glatt, an seinem Ohr zu schrauben beim 2:1. Das furiose Ende des Klassenkampfes sorgte für überschäumende Emotionen.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Luca Toni vergaß glatt, an seinem Ohr zu schrauben. Dass der italienische Stürmer des FC Bayern München nach seinem Tor kurz vor Abpfiff auf sein gewohntes Ritual verzichtete, stattdessen einen Maschinengewehrschützen imitierte, war nur der Beginn der vielleicht emotionalsten Minuten, die der deutsche Rekordmeister in seiner neuen Arena bisher erlebt hat.

Die Anspannung der vergangenen Tage entlud sich in jenem Moment, als das 2:1 gegen die TSG Hoffenheim fiel, als Toni eine Chance nutzte, die eigentlich gar keine mehr war, weil Andreas Ibertsberger schon geklärt hatte, aber den Ball dann unglücklich zu dem Italiener aus München manövrierte. „Ich bin froh, dass ich doch noch getroffen habe“, sagte der Weltmeister. „Sonst wäre ich schuld gewesen, dass wir nicht gewonnen haben.“

Sekunden nach dem 2:1 war die Fußballshow beendet

Toni hatte zuvor zwei glänzende Möglichkeiten ausgelassen. Alle Münchner Spieler liefen nach dem Siegtreffer aufeinander zu; Reservisten, Betreuer und Trainer sprangen wie auf Kommando von der Bank auf, jeder schnappte sich den nächstbesten, um ihn innig zu herzen. Nur für Lucio war offenbar niemand übriggeblieben, er fand schließlich eine Wasserflasche am Spielfeldrand. Der versetzte er einen derart brachialen Kick, dass sie meterweit durch die Luft flog.

Die für die musikalische Untermalung des Abends zuständigen Techniker hatten das nötige Gespür für den außergewöhnlichen Moment und warteten ein wenig, ehe sie das bei Tonis Toren übliche italienische Lied einspielten, dann stimmte fast die gesamte Bayern-Kurve in das vertraute „Bello e impossibile“ ein. Sekunden später war die Fußballshow auf dem Rasen beendet – die im Stadion allerdings noch nicht.

Hoeneß mit leuchtenden Augen wie ein kleines Kind

Erst tanzten die Spieler vor den Fans, wie sie es zuletzt im vergangenen Jahr nach Pokalsieg und Meisterschaft getan hatten, dann bot der FC Bayern den Zuschauern noch ein gewaltiges Lichtspektakel zum Jahresausklang, passend zum gerade erlebten Spiel. Es ist nicht bekannt, ob die Münchner kurzfristig eine Programmänderung vorgenommen und eine besinnlichere Variante in petto gehabt hätten, falls das Siegtor nicht mehr gefallen wäre.

Später, als die Lichter in der Arena erloschen waren, schlenderte Uli Hoeneß durch den großen Raum vor der Kabine, in dem die Medien ihre Interviews nach den Spielen führen – mit leuchtenden Augen wie ein kleines Kind beim Anblick der Lichter am Weihnachtsbaum und großartiger Geschenke darunter. Als der Bayern-Manager hinter seinem Vorstandskollegen Karl-Heinz Rummenigge vorbeilief, der gerade versuchte, das Erlebte in nüchterne Worte zu fassen, hob er die Hand, spreizte kurz Ring- und Mittelfinger über dem Kopf des Kollegen und grinste. Für so einen Schabernack sind beim FC Bayern sonst andere zuständig, die ewigen Kindsköpfe Frank Ribéry und Lukas Podolski.

Bayern wollte den Klassenkampf unbedingt gewinnen

Aber beim FC Bayern war am Freitagabend nichts normal. Die Ausgelassenheit beim von Erfolgen verwöhnten Rekordchampion zeigte ebenso wie die bisher noch nie dagewesene überschäumende Atmosphäre in der 2005 eröffneten Arena den hohen Stellenwert des Duells, das kein gewöhnliches Spitzenspiel der Bundesliga war.

Gegen fast jede andere Mannschaft, die seit Jahren regelmäßig zur Titel-Konkurrenz der Bayern zählt, wären die Münchner womöglich mit einem Unentschieden zufrieden gewesen, aber nicht gegen den unerschrockenen Emporkömmling aus dem kleinen Hoffenheim. Die Bayern wollten diesen Klassenkampf mit aller Macht für sich entscheiden und nicht nur, weil sie damit nach Punkten mit dem Tabellenführer gleichziehen und so die Chance haben würde, vielleicht doch noch vor Weihnachten an der TSG vorbeizuziehen.

„Wir haben dann doch die besseren Offensivqualitäten“

Der FC Bayern weiß, dass der Aufsteiger künftig womöglich ein hartnäckigerer Rivale sein wird als Bremen, Leverkusen, Schalke oder Hamburg. „Hoffenheim ist im Kommen, ohne Frage“, sagte Rummenigge. „Die Mannschaft wird bei den Voraussetzungen, die sie hat, oben mitspielen.“ Und womöglich auch die Bayern als Branchenprimus ablösen? „Für einen Machtwechsel“, sagte Rummenigge, „braucht man ein paar Jahre und nicht nur ein paar Spiele.“

Dass im direkten Duell am Ende nicht die TSG Hoffenheim ihre letzte Chance nutzte, sondern die Bayern, sieht Philipp Lahm als Indiz für den Unterschied zwischen beiden Teams. „Wir haben dann doch die besseren Offensivqualitäten“, findet der Linksverteidiger. Was sich am Freitag allerdings erst in der Nachspielzeit zeigte.

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