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Kommentar : Münchner Grenzen

Kein Herz und eine Seele mehr wie auf diesem Bild: Robert Lewandowski kritisiert die Bayern-Führung um Karl-Heinz Rummenigge (rechts) Bild: Picture-Alliance

In der Bundesliga wird die Bayern auch die Niederlage in Hoffenheim nicht aufhalten. Schwierigkeiten kommen auf die Münchner aber in Europa zu. Das ist der Grund für Lewandowskis Unzufriedenheit.

          Nur weil die Bayern auf dem Weg zum sechsten Titel in Folge ein Spiel verloren haben, braucht die Konkurrenz nicht auf eine Krise des Meisters zu hoffen. Zumindest nicht in der Bundesliga. Das 0:2 in Hoffenheim war nicht mehr als ein ebenso schöner wie seltener Moment für diejenigen, die im deutschen Fußball auch an der Spitze auf Wettbewerb hoffen. Der Abstand aber, den der FC Bayern zwischen sich und den Rest der Liga gelegt hat, ist so riesig, dass sich daran in den kommenden Jahren kaum etwas ändern wird.

          Wenn man in Zeiten, in denen das Fußballgeschäft eine nie gekannte Dynamik an den Tag legt, in die müden Gesichter der bayerischen Verantwortlichen in Hoffenheim blickte, dann bekam man eine Ahnung davon, was es heißt, wenn man sagt, dass die Bayern international bald alt aussehen könnten. Das hat natürlich auch etwas mit der in die Jahre gekommenen Führung zu tun.

          Ungewohntes Bild: Die Bayern verlieren in Hoffenheim
          Ungewohntes Bild: Die Bayern verlieren in Hoffenheim : Bild: dpa

          Aber noch viel mehr mit den Grenzen, die der FC Bayern am Markt spürt. Hoeneß, Rummenigge und Ancelotti sind zusammen seit mehr als 120 Jahren im Fußballgeschäft. Jedes dieser Urgesteine hat seine unbestreitbare Qualität, aber die Mischung passt nicht mehr optimal zu den heutigen Herausforderungen. Und der neue, schwache Sportdirektor wird auch künftig keine große Rolle im Bayern-Machtgefüge spielen.

          Die Zeit kann auch Hoeneß nicht zurückdrehen

          Hoeneß hatte mit seiner Rückkehr ohnehin nur die Zeit zurückdrehen wollen. Aber das geht nicht. Weder für ihn noch für den Klub. Robert Lewandowski, der einzige Stürmer der Bayern, der jeden Klub der Welt schmückt, hat nun in einem Interview mit dem „Spiegel“ nüchtern die Mechanismen des Markts dargelegt. Er wies darauf hin, dass die Bayern bisher nie mehr als 40 Millionen Euro für einen Spieler bezahlt haben.

          Die Bayern seien seit Jahren nicht so mit dem Markt gewachsen wie Real Madrid oder Manchester United. Nun sei der Abstand zu den Höchstbeträgen riesig. Am Ende werde es internationale Erfolge aber nur über den Kauf von Topspielern geben. Alles, was Lewandowski sagt, stimmt. Was er nicht sagt, ist auch klar: Er will dahin, wo Geld und Titel fließen.

          Hoeneß hat bei der Eröffnung des neuen Nachwuchsleistungszentrums vor wenigen Wochen gesagt, dies sei die Antwort der Bayern auf den Transferwahnsinn. Das klang hilflos. Vor allem, wenn man bedenkt, wie sehr die Bayern die Entwicklung von Talenten viele Jahre ignoriert haben. Die Lage ist also ziemlich klar: Die Nachwuchsarbeit wird noch viele Jahre brauchen, um Erfolge zu liefern. Aktuell fehlen den Bayern der Wille und wohl auch die Mittel für große Transfers. Das Spielsystem von Ancelotti ist nicht bestechend und damit auch nicht geeignet, den Abstand zur finanziell enteilten Spitze auf sportlich innovative Weise zu verkürzen.

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          Mit anderen Worten: Der FC Bayern lebt, international gesehen, von seiner Substanz. Und der beste Stürmer ist unzufrieden. Das sind keine guten Aussichten. Auch die Diskussion um den glücklosen Thomas Müller, die den FC Bayern und seine Fans emotional derzeit umtreibt, lassen sich im Licht der Veränderungen besser verstehen. Der große Wunsch, dass der letzte Münchner der großen Ära auch weiterhin immer spielen und treffen möge, drückt neben echter Liebe eben noch etwas anderes aus: den Traum, dass beim FC Bayern alles so bleiben kann, wie es einmal war.

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          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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