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Bayern München Rufe nach dem Titan und ein bisschen System-Kritik

24.09.2008 ·  Nach der 2:5-Schlappe gegen Bremen treibt die Diskussion um die Bayern-Krise und Torhüter Rensing seltsame Blüten. Trainer Jürgen Klinsmann wirkt nicht stur. Schon ein Pokal-Sieg gegen Nürnberg würde für Entspannung sorgen.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Logisch, dass jetzt auch noch der pensionierte Torwart-Titan etwas dazu sagte. Manche meinten, dies sei sogar seine Pflicht gewesen. Darum überraschte kaum, dass Oliver Kahn seinen Nachfolger im Tor des FC Bayern München, Michael Rensing, verteidigte. Kahn nannte es „fatal“, Rensing in Frage zu stellen. „Gerade ein Torwart in seiner exponierten und sozusagen auch einsamen Position braucht Vertrauen“, erklärte der ehemalige Schlussmann in der „Bild“-Zeitung.

Deren Redakteure hatten nach der 2:5-Klatsche gegen Werder Bremen ihre Leser gefragt, ob der Titan ins Tor zurückkehren solle. Das Ergebnis war ganz nach dem Geschmack des Boulevards: 61 Prozent sprachen sich für ein Comeback des früheren Münchner Kapitäns aus, obwohl es das natürlich nicht geben wird. Eine kleinere Boulevardzeitung schlug sogar vor, Timo Hildebrand zur Winterpause zu verpflichten - der mittlerweile nur noch die Nummer drei im Tor des FC Valencia ist.

„Superpositiv“ oder „supernegativ“ - dazwischen gibt es bei Bayern nichts

Viele Verantwortliche des deutschen Rekordmeisters sind vermutlich froh darüber, dass ihre Bayern bereits an diesem Mittwoch das Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg austragen. Ein überzeugender Sieg könnte den Kritikern wenigstens etwas Wind aus den Segeln nehmen. Denn die Diskussion um eine sportliche Krise in München treibt abermals seltsame Blüten. „So extrem habe ich das bisher nur beim FC Bayern erlebt“, sagte Kapitän Mark van Bommel. Entweder sei alles „superpositiv“ oder „supernegativ“. „Zwischendrin gibt es nichts.“

Natürlich diskutieren die Bayern selbst seit der Samstag-Niederlage. Vermutlich aber kaum über den Torhüter. Denn Jürgen Klinsmann hat Rensing in seinem ersten Jahr als Nummer eins unter so etwas wie Artenschutz gestellt. „Nach Olli die Karriere zu starten ist alles andere als einfach“, sagte der Bayern-Trainer. „Er entwickelt sich toll, und wenn mal einer danebengeht, geht er daneben.“ Die Schwächen liegen ohnehin anderswo.

Klinsmann beharrt nicht stur auf seiner Meinung

„Es gibt mächtig viel, was in die richtige Bahn geführt werden muss“, sagte Philipp Lahm, wobei der Linksverteidiger damit in erster Linie das Defensivverhalten der Mannschaft meinte. „Wir lassen zu viele Chancen zu.“ Für den Nationalspieler ist das jedoch keine Frage alleine des Abwehrsystems. Egal, ob Dreier- oder Viererkette, man müsse sich immer erst einspielen.

Die Mannschaft ist unter Klinsmann offensiver ausgerichtet als unter Ottmar Hitzfeld. Deshalb gilt eine neue Ordnung auf dem Spielfeld, die nach gerade einmal fünf Bundesligaspielen und einer Champions-League-Partie eben noch getestet wird. Über die Lücken des Systems wird sich wohl auch Klinsmann seit Samstag so seine Gedanken machen. Dass er von seiner Angriffsphilosophie abrückt, ist jedoch nicht zu erwarten. Immerhin beharrt der Trainer aber nicht in allen Punkten stur auf seiner Meinung.

Gegen Bremen „nicht fit im Kopf“

Am Samstag verteidigte er noch, nach dem Champions-League-Auftritt in Bukarest auf die Rotation verzichtet zu haben. Nun gibt er zu, dass ein paar Wechsel vielleicht doch gut gewesen wären. Denn: „Unser Programm in den nächsten Wochen hat es in sich.“ Im Nachhinein sei man aber immer ein bisschen schlauer. Auch Lahm hatte festgestellt, die Mannschaft sei gegen Bremen „nicht fit im Kopf“ gewesen.

Gegen den Pokalsieger des Jahres 2007, der nach dem Abstieg aus der Bundesliga ziemlich holprig in die Zweitligasaison gestartet ist, gibt es für Klinsmann gleich mehrere gute Gründe zu wechseln. Miroslav Klose ist nach seiner Oberschenkelverletzung wieder zurück und könnte den gegen Bremen nicht überzeugenden Lukas Podolski im Sturm ersetzen.

Ribéry könnte zurückkehren

Tim Borowski hat sich aufgrund seines Engagements und der zwei Tore gegen Bremen für den ersten Einsatz von Anfang an empfohlen. Und Massimo Oddo bewies erneut, dass er in puncto Schnelligkeit Christian Lell auf der rechten Seite überlegen ist. „Ich bin jetzt bereit, ich war es aber vorher auch schon“, sagte die 32 Jahre alte Leihgabe vom AC Mailand, die bisher dreimal in der zweiten Halbzeit eingewechselt worden war.

Überdies drängt Franck Ribéry nach seinem Syndesmosebandriss, den er sich bei der Europameisterschaft im Juni zugezogen hatte, zurück in die Mannschaft. Am Samstag hatte der Franzose wegen eines verspannten Muskels noch einmal von der Tribüne der Münchner Arena aus zuschauen müssen, und in seinem Gesicht war deutlich zu lesen, wie wenig ihm die Vorstellung unten auf dem Rasen gefiel - ganz im Gegenteil zu seinem Töchterchen, dass den Bremern artig applaudierte. Ob er im Pokal gleich wieder mitmischen darf, hat Klinsmann noch nicht entschieden. Es könnte aber gut sein, dass Ribérys Weg zurück auf das Grün über die Auswechselbank führen wird.

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