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Veröffentlicht: 17.01.2013, 16:22 Uhr

Bayern München Risse im Männerbündnis

Die Bayern loben sich selbst für den Trainercoup des Jahres und fürchten keinen neuen FC Hollywood. Pep Guardiola wird indes wohl erst im Sommer vorgestellt. Der Abschied von Trainer Heynckes wirft derweil Fragen auf.

© dpa Erzwungenes Karriereende: Der Abschied von Jupp Heynckes hinterlässt ein schlechtes Gewissen

Karl-Heinz Rummenigge konnte den Coup des Jahres kommentieren. Doch er war nicht um Pathos, sondern um Sachlichkeit bemüht. „Der FC Bayern hat nicht den Superstar gesucht“, erklärte der Vorstandsvorsitzende, „sondern den Trainer, der zu uns passt.“ Mit Pep Guardiola hat man wohl beides gefunden. Doch die Botschaft war deutlich: Auch mit dem begehrtesten Trainer der Welt soll der FC Bayern nicht wieder zum FC Hollywood werden. Im Gegenteil: „Pep will keine Show“, sagte Rummenigge am Donnerstag an der Säbener Straße in München.

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Deshalb werde Guardiola entgegen voreiliger Meldungen dort auch nicht an diesem Freitag der Öffentlichkeit vorgestellt. Er glaube nicht einmal, so Rummenigge, dass Guardiola „überhaupt vor Dienstantritt hier erscheint“, also vor dem 1. Juli. „Er möchte ausdrücklich in der laufenden Saison nicht die Arbeit von Jupp Heynckes stören.“

Der Mannschaft, die tags zuvor vom Wechsel per SMS erfahren hatte, erklärte der Vorstandschef am Donnerstag in der Kabine, es sei ihre „große Pflicht, jetzt Meister zu werden, um dem großartigen Menschen Jupp Heynckes den gebührenden Abschied zu ermöglichen.“ Es war ein Tag des Lobes für alle, für den alten Trainer, für den neuen, auch für sich selbst, schließlich sei „das alles mit Jupp Heynckes sauber und seriös gelungen“, wie Rummenigge allerdings etwas nachdenklich sagte - denn mögliche Risse im Männerbündnis mit dem treuen alten Trainer scheinen nach dem Ablauf der Dinge nicht ganz ausgeschlossen.

Pep Guardiola © AP Vergrößern Demut statt Hollywood: Pep Guardiola soll zu Bayern passen

So habe auch Guardiola, den der Bayern-Boss als „extrem seriösen und sozial orientierten Menschen“ schilderte, zu Beginn ihres langen Telefongesprächs am Mittwochabend als erstes gefragt: „Wie geht es Jupp?“ Und das, so Rummenigge, auf Deutsch, das der Spanier in New York derzeit intensiv lerne. „Es ist ihm wichtig, dass Jupp noch eine gute Rückrunde spielt. Und dass Jupp sich wohl fühlt mit der Entscheidung, dass er kommt. Das ist nicht selbstverständlich. Es ist schön, dass es so was noch gibt, dass sich zwei Trainer auf diesem Niveau so gut verstehen.“

Ganz so harmonisch wie öffentlich dargestellt muss die Entscheidung über den Stabwechsel allerdings nicht abgegangen sein. Die allzu knapp gestrickte Abfolge der offiziellen Chronologie - erst Heynckes’ Rückzugserklärung, dann Guardiolas Verpflichtung - wirkte eher so, als solle sie eine umgekehrte Chronologie und Kausalität kaschieren: Dass womöglich der Klub den Entscheidungsdruck, nur in diesem Sommer einen Guardiola bekommen zu können, auf Heynckes übertragen und diesen zum Rückzug gedrängt hat.

Heynckes habe die Klubführung kurz vor Weihnachten „wissen lassen, dass er erwägt, seine Karriere hier bei uns zu beenden“. Von diesem Tag an, so die Darstellung Rummenigges, habe man sich Gedanken um dessen Nachfolge gemacht und sei dabei schnell auf Josep Guardiola gekommen, der dann schon kurz nach Weihnachten seinen Dreijahresvertrag unterschrieb - und das trotz lukrativer Angebote aus England und Italien. „Das Gesamtpaket Bayern München“ habe für Guardiolas Entscheidung den Ausschlag gegeben, so Rummenigge. „Dass wir uns finanzielle Unabhängigkeit erarbeitet haben und dass bei uns deshalb allein der Fußball entscheidend ist, hat ihm sehr gefallen. Wenn es exklusiv ums Geld gegangen wäre, hätten wir keine Chance gehabt.“

Schlechtes Gewissen

Bei aller Vorfreude auf den neuen Trainer klang etwas schlechtes Gewissen gegenüber dem alten durch. In einem zweistündigen Gespräch, so Rummenigge, habe er Heynckes angeboten, ihn „auch künftig in den Klub einzubeziehen“ - eine Mitarbeit, die wohl eher beratend sein dürfte, schließlich müsse er dafür nicht in München bleiben. Heynckes hat mehrmals erklärt, nach Karriereende zu Frau und Hund auf seinen Bauernhof am Niederrhein zurückzukehren.

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Kapitän Philipp Lahm versprach, „dem Trainer einen super Abschied zu bieten“. Die Verpflichtung Guardiolas nannte er eine „Königslösung“ - auch wenn er bei der Wahl zum Welttrainer des Jahres 2012 kürzlich noch Vicente del Bosque, José Mourinho und Roberto Mancini den Vorzug gegeben hatte. Torwart Manuel Neuer erwartet von der künftigen Arbeit mit dem früheren Barça-Coach, „dass wir uns alle weiter verbessern, und dass wir den modernen Fußball, den wir schon in der Vorrunde gespielt haben, weiter ausbauen.“ Rummenigge pries Guardiola als einen „jungen Mann, mit dem wir hoffentlich eine erfolgreiche neue Ära einleiten werden“. Dieser Wunsch schließt auch wachsende Anziehungskraft des Klubs beim künftigen Werben um Top-Spieler ein: „Er hat natürlich eine gewisse Strahlkraft. Es gibt viele Spieler, die mit solch einem Trainer gern einmal zusammenarbeiten würden.“

Den Superstar haben die Bayern also nicht gesucht - aber einen Trainer gefunden, der vielleicht in Zukunft die Superstars nach München lockt.

Quelle: F.A.Z.

 

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