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Bayern München Rekordtrainer beim Rekordmeister

 ·  Die Bayern bekommen ihren Wunschkandidaten: Jupp Heynckes wird Nachfolger von Louis van Gaal. Er erhält bei seinem dritten Engagement in München einen Zweijahresvertrag.

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Udo Lattek, Franz Beckenbauer, Giovanni Trapattoni, Ottmar Hitzfeld, sie alle waren zweimal Trainer der Profis des FC Bayern München. Jupp Heynckes überholt sie nun - er ist der erste, der es zum dritten Mal wird. Was von vielen erwartet worden war, nachdem Heynckes am Montag seinen Abschied bei Bayer Leverkusen zum Saisonende verkündet hatte, bestätigte der deutsche Fußball-Rekordmeister am Freitag. Der 65 Jahre alte Heynckes wird zur neuen Saison Cheftrainer des FC Bayern und Nachfolger von Louis van Gaal. Er erhält einen Zweijahresvertrag.

„Jupp Heynckes war unser Wunschkandidat“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bayern, Karl-Heinz Rummenigge. „Ich bin überzeugt, dass wir mit Jupp Heynckes eine erfolgreiche Zusammenarbeit haben werden.“ Der Trainer selbst sprach von einer „reizvollen Aufgabe, der ich mich zusammen mit der Mannschaft in den kommenden zwei Spielzeiten gerne stellen möchte“ - auch wenn ihm wohl bewusst sei, dass „man als Bayern-Trainer gewissermaßen zum Erfolg verpflichtet“ ist.

Heynckes gegen Heynckes

Eine Woche vor Ostern wird es somit zu einem heiklen Aufeinandertreffen des bisherigen und des künftigen Münchner Trainers kommen, beim Spiel zwischen Bayern und Bayer. Darin geht es für beide Klubs um die Champions-League-Plätze. Und für die Leverkusener, sollte Dortmund weiter schwächeln, vielleicht sogar noch um den Titel. Ein Spiel, in dem Heynckes seinem künftigen Team (und sich selbst) also die Champions League vermasseln könnte - oder sein künftiges Team seinem künftigen Trainer womöglich die Meisterschaft. Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler ist sich dennoch sicher: „Jupp Heynckes wird alles dafür tun, dass wir in dieser Saison in die Champions League kommen und am Ende Bayer vor den Bayern liegt.“

Fast ein Vierteljahrhundert nach seinem ersten Engagement in München kehrt Heynckes im Juli zum FC Bayern zurück. Nach vier Jahren und zwei Meistertiteln wurde er im Oktober 1991 entlassen, was Uli Hoeneß später „den größten Fehler“ in seinen dreißig Jahren als Bayern-Manager nannte. Sie blieben Freunde, und 2009 sprang Heynckes, als Trainer längst in Rente gegangen, für sechs Wochen helfend ein, um den Bayern nach der Entlassung von Jürgen Klinsmann Rang zwei hinter Wolfsburg und damit den Platz in der Champions League zu retten.

Dinge, für die der alte Pragmatiker Heynckes ein Auge hat

Damals musste Heynckes dem Team vor allem wieder innere Ruhe und taktische Klarheit zurückgeben. Nun, bei der dritten Verpflichtung, sind größere Aufräumarbeiten nötig. Van Gaal hat den Bayern zwar bis ins kleinste Detail eine Spiel-Idee vermittelt, die vor allem im vergangenen Frühjahr glänzend funktioniert hatte. Doch durch sein Desinteresse an Defensive, die Ausdünnung des Kaders, das Ausmustern erfahrener Spieler und seinen Eigensinn bei Transfers (so wollte er Khedira nicht kaufen, aber Gomez abgeben) hinterlässt der Niederländer seinem Nachfolger einen unausgewogenen Kader. Ihm fehlt es nicht an individueller Brillanz und offensiver Klasse, aber an Harmonie zwischen den Mannschaftsteilen und an innerer Stabilität.

Auch ist unter van Gaal die Fähigkeit der Bayern geschwunden, Spiele auch einmal nicht durch brillante Momente eines Robben oder Ribéry, Müller oder Gomez zu gewinnen, sondern durch jene Methoden des Fußballerfolgs, die weniger schön aussehen: defensive Humorlosigkeit, physische Wucht, präzise Standardsituationen, geschickte Rhythmuswechsel. Es sind Dinge, für die der alte Pragmatiker Heynckes ein Auge hat.

„Immer das Klima geschätzt, in dem dort gearbeitet wird“

Nach den drei aufeinanderfolgenden Niederlagen gegen Dortmund und Hannover in der Bundesliga und gegen Schalke im Pokal war van Gaals Schicksal vor drei Wochen besiegelt. Doch der Trainermarkt gab keine sofortige personelle Lösung her, die Kompetenz mit Kompatibilität mit dem schwierigen Betriebssystem der Bayern vereinigt hätte. So entschied die Klubführung, kurzfristig das Risiko einzugehen, van Gaal das letzte Minimalziel, die Qualifikation zur Champions League, für den Rest der Saison noch anzuvertrauen, um dafür mittelfristig die Chance für die bewährte Lösung Heynckes zu gewinnen. „Ich war bereits zweimal Trainer beim FC Bayern und habe dabei immer das Klima geschätzt, in dem dort gearbeitet wird“, begründete Heynckes denn auch seinen Wechsel.

Am Donnerstag hatten Rummenigge, Finanzvorstand Karl Hopfner und der Münchner Sportdirektor Christian Nerlinger bei einem Gespräch mit Heynckes in dessen Haus in Schwalmtal bei Mönchengladbach die Rückkehr besiegelt. Heynckes' Leverkusener Co-Trainer Peter Hermann nahm ebenfalls an der Verhandlungsrunde teil. Der 59-Jährige könnte mit seinem Chef von Bayer zu Bayern wechseln.

Erfolge von Jupp Heynckes

Als Spieler:
- Weltmeister 1974, Europameister 1972,
- Zweiter im Europapokal der Landesmeister 1977 mit Borussia Mönchengladbach, UEFA-Cup-Sieger 1975 mit Borussia Mönchengladbach, DFB-Pokalsieger 1973 mit Borussia Mönchengladbach, viermal deutscher Meister 1971, 1975, 1976 und 1977 mit Borussia Mönchengladbach,
- Bundesliga-Torschützenkönig 1974 und 1975

Als Trainer:
- Champions-League-Sieger 1998 mit Real Madrid,
- Finalteilnehmer im Uefa-Cup 1980 mit Borussia Mönchengladbach,
- zweimal deutscher Meister 1989 und 1990 mit Bayern München

Die Stationen von Jupp Heynckes

Als Spieler (369 Spiele/220 Tore/39 Länderspiele):
- Borussia Mönchengladbach (1965-67)
- Hannover 96 (1967-70)
- Borussia Mönchengladbach (1970-78)

Als Trainer:
- Borussia Mönchengladbach (1979 bis 1987)
- FC Bayern München (1987 bis 09.10.1991)
- Athletic Bilbao (1992 bis 1994)
- Eintracht Frankfurt (1994 bis 02.04.1995)
- CD Teneriffa (1995 bis 1997)
- Real Madrid (1997 bis 1998)
- Benfica Lissabon (1999 bis 20.09.2000)
- Athletic Bilbao (2001 bis 2003)
- FC Schalke 04 (2003 bis 15.09.2004)
- Borussia Mönchengladbach (2006 bis 02.02.2007)
- FC Bayern München (28.04.2009 bis 2009)
- Bayer Leverkusen (2009 bis 2011)
- FC Bayern München (von 2011 an)

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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