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Bayern München Keine schönen Sprüche und kein Rathausbalkon

23.05.2009 ·  Bescheiden wie selten fiebert der FC Bayern dem Saisonfinale entgegen. Hauptsache Champions League, heißt es vor dem Duell mit dem VfB Stuttgart an diesem Samstag. Dabei nahmen sie sogar eine Provokation fast gleichgültig hin.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Was hinterher passiert, weiß niemand so genau. Sicher ist nur, dass sich die Mannschaft des FC Bayern München am Samstag (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) nach dem letzten Pflichtspiel der Saison zu einem gemeinsamen Essen trifft. Dabei werden Stürmer Lukas Podolski und der Fünf-Spiele-Trainer Jupp Heynckes verabschiedet. Vielleicht wird es ja doch ein rauschendes Meisterfest oder wenigstens ein ganz vergnüglicher Abend, weil der zweite Platz gesichert ist. Aber es könnte sich auch zu einem Trauermahl entwickeln, wenn nämlich die Bayern ihren Anspruch, in der Champions League zu spielen, beerdigen und wie in der vergangenen Saison eine Runde im Uefa-Cup, der künftig Europa League heißt, drehen müssen.

Daran mag man beim FC Bayern gar nicht denken – und hat diese schlimmste aller Möglichkeiten vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart doch im Kopf. „Wir wissen, um was es geht“, sagt Podolski. Niemand spricht davon, wie wichtig die Meisterschaft nach einer durchwachsenen Saison für das Image des Vereins wäre, aber alle davon, wie sehr es dem Renommee schadete und die Personalplanungen durcheinanderbrächte, die Champions-League-Teilnahme zu verpassen.

Die direkte Qualifikation sei „extrem wichtig“, sagt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge immer wieder in diesen Tagen. Für Manager Uli Hoeneß wäre ein Abrutschen auf Rang vier „fatal“. Aber Befürchtungen hege kein Spieler, sagt Kapitän Mark van Bommel, und bemühte zur Bekräftigung eine Floskel. „Angst ist ein schlechter Ratgeber.“

Bayern mit „großzügigen Genehmigungen für Zugänge“

Am Montag hatte der Aufsichtsrat des FC Bayern auf seiner Sitzung den Investitionsplänen der sportlichen Führung zugestimmt. Man habe „großzügige Genehmigungen für Zugänge bekommen“, sagte Hoeneß – vorausgesetzt, die Münchner spielen in der kommenden Saison im prestigeträchtigsten internationalen Wettbewerb. Ansonsten „werden sich unsere Pläne ändern“. Obendrein wäre Franck Ribéry dann wohl nicht zu halten. Ebenso würde vielleicht der eine oder andere einen Wechsel vorantreiben trotz laufenden Vertrages. Der FC Barcelona soll zum Beispiel noch immer an Nationalspieler Philipp Lahm interessiert sein.

Die Münchner haben in dieser Woche auf die sonst vor brisanten Duellen üblichen verbalen Scharmützel verzichtet. Fast schon kleinlaut nehmen sie die Rolle des Außenseiters an und ließen sogar die Provokation des Wolfsburger Trainers unkommentiert. Felix Magath hatte auf dem Rathausbalkon, dort, wo die Bayern ihre Meistertitel feiern, ein Fernsehinterview gegeben Die Münchner dementierten auch Meldungen, wonach für den Meisterfall alles vorbereitet sei.

Es sei weder der Rathausbalkon gebucht, ließ Mediendirektor Markus Hörwick wissen, noch seien Autos angefordert für einen Korso durch die Stadt. „Wir wären ja bescheuert, in unserer Situation etwas zu planen.“ Der FC Bayern versucht nicht einmal, durch das Werben um einen Spieler, in diesem Fall Mario Gomez, für Unruhe beim VfB Stuttgart zu sorgen. Hoeneß versicherte, dass der Nationalstürmer keine Rolle in den Münchner Personalplanungen spiele. Das könnte sich allerdings am Samstagabend schnell wieder ändern.

„Man kann schöne Sprüche raushauen, aber das bringt nichts“

Die Sticheleien überließen die Bayern den selbstbewussten Stuttgartern, die mit einem Sieg selbst den vom Rekordmeister anvisierten zweiten Platz einnehmen und die Bayern womöglich sogar aus der Champions League kicken würden. „Man kann schöne Sprüche raushauen, aber das bringt nichts“, sagt van Bommel. Man müsse das Spiel gewinnen, basta, dann sei man Zweiter. „Und das ist unser Ziel.“

Das klingt ganz einfach. Allerdings hat die Mannschaft in der Rückrunde alle Spiele gegen unmittelbare Rivalen in der Tabelle verloren. Diese Begegnungen fanden jedoch sämtlich vor dem Trainerwechsel statt. Außerdem haben die Bayern viel Erfahrung mit Endspielen dieser Art, mehr als die Konkurrenz. „Das sind die schönsten Spiele. Deshalb spielt man Fußball“, sagt van Bommel. Und zumindest der Kapitän erlaubt sich auch einen Gedanken an ein aus Sicht der Münchner phänomenales Saisonende: „Bayern ist schon einige Male auf den letzten Drücker Meister geworden – nichts ist unmöglich.“

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