Es sind nur Trainingsspielchen, aber es ist kein Schaulaufen. Und deshalb setzen sich vor allem Mario Mandzukic, aber auch Claudio Pizarro dieser Tage im Trentino möglichst oft so in Szene, wie sie sich selbst am liebsten sehen: als unwiderstehliche Stürmer. Der 26 Jahre alte Kroate, in der Sommerpause vom Bundesliga-Konkurrenten VfL Wolfsburg zum FC Bayern München gekommen, hat gleich zum Auftakt des Trainingscamps von Kopfballtor zu Kopfballtor eine seiner herausragenden Stärken offenbart.
Mandzukic genießt ein Stimmungshoch
Der für dreizehn Millionen Euro zum deutschen Fußballrekordmeister gewechselte Angreifer genießt sein Stimmungshoch, das ihn schon bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine beflügelte. Dort traf der 1,87 Meter lange Athlet mit hohem Verdrängungspotential dreimal für sein Land und weckte damit die Kauflust bei einer Reihe europäischer Klubs.
Pizarro, der 32 Jahre alte Peruaner, schlug sich zur selben Zeit noch mit den Folgen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel herum, den der mit den Jahren häufiger von Wehwehchen geplagte Angreifer noch immer nicht gänzlich auskuriert hat. Immerhin ist auch der 1,86 Meter lange Rückkehrer aus Bremen, der schon von 2001 bis 2007 die Bayern-Offensive mit 71 Treffern bereicherte, in den Tagen am Gardasee so weit, dass seine Kunst am Ball und seine Abgebrühtheit vor dem Tor wieder sichtbar sind.
Mandzukic und Pizarro, kein Zweifel, werden in Zukunft nicht nur zwei freundliche Kollegen von Mario Gomez sein, sie sind auch dessen Rivalen im Kampf um die besten Plätze. Gomez aber geht als Platzhirsch in die fünfzigste Bundesligasaison. Das erkennen auch die Mitbewerber neidlos an. Pizarro sagt: „Mario hatte eine super Saison, hat auch in der Nationalmannschaft sehr gut gespielt und ist hier Stammspieler.“ Eine Erkenntnis, die der Südamerikaner nicht exklusiv hat und die ihn auch nicht davon abbringt, eigene Ansprüche zu formulieren. „Ich will“, sagt er, „immer spielen und alles gewinnen - alles, was geht.“ Auch Mandzukic weiß, „dass es passieren kann, dass ich auf der Bank sitze“, doch auf Sicht hält er dem seine Erfahrung entgegen. „Ich habe mich bislang überall durchgesetzt und bin mir sicher, dass ich das auch beim FC Bayern schaffe.“
Gomez, 26 Jahre alt wie Mandzukic, hat über seine Perspektiven in der neuen Saison noch kein Wort verloren. Bis zu diesem Sonntag hat der Nationalspieler noch EM-Urlaub, ehe sich der 1,89 Meter lange Deutsch-Spanier wieder an die Arbeit macht. 26 Bundesligatore in der vergangenen Saison sprechen für sich wie die Fähigkeit dieses Spielers, umstandslos zuschlagen zu können, wenn sich die Gelegenheit bietet. Dass er nun zwei Kollegen an seiner Seite hat, die für ihre vorigen Vereine zuletzt 18 (Pizarro) und 12 (Mandzukic) Bundesligatore erzielten, erfreut vor allem Jupp Heynckes. Der Trainer der Bayern mag allenfalls darüber nachdenken, ob er von seinem 4-2-3-1-System mit einer Spitze gelegentlich abweichen und auf ein 4-4-2 setzen sollte. Grundsätzlich hebt Heynckes den Gewinn an Optionen in vorderster Linie hervor. „Wir sind in etlichen Wettbewerben und brauchen Alternativen. Spieler, die von Anfang spielen oder dann vorne eingewechselt werden, wenn es notwendig ist. Diese Alternativen haben wir im Vorjahr nicht so gehabt.“
Jetzt können sie im erwarteten Duell mit Meister und Pokalsieger Borussia Dortmund um die nationalen Titel und in den großen Champions-League-Kraftproben den Unterschied zum Vorjahr ausmachen. Matthias Sammer, der neue Sportvorstand der Münchner, beschreibt das Profil der Bayern-Spitzen so: „Mandzukic hat komplexe Stärken in und außerhalb der Box. Pizarro hat eine gewisse Unberechenbarkeit und kann uns dann helfen, wenn wir irgendwann nicht weiterwissen. Gomez hat etwas geleistet, das die anderen erst mal nachweisen müssen. Er ist in keiner Komfortzone, weiß aber, dass wir ihm vertrauen.“ Mario, Mario oder Claudio: das ist demnächst die Frage für Heynckes, die er sich gern stellt, zumal auf keiner Position im Fußball ein solch reges Kommen und Gehen herrscht wie im Zentrum der Abteilung Attacke.
Pizarro, ablösefrei von Werder gekommen, hat sich für zunächst nur ein Jahr an die Bayern gebunden, während Mandzukic bis 2015 unterschrieben hat und als Gomez’ härtester Konkurrent um den Platz in der Spitze gilt. Der deutsche Nationalspieler, der seinen Kontrakt mit den Münchnern in diesem Jahr bis zum Jahr 2016 ausdehnte, wird dem Kräftemessen mit zwei starken Kollegen nicht aus dem Weg gehen können und wollen. Dass in einem europäischen Spitzenklub das Gedränge um die besten Plätze groß ist, weiß Pizarro beim Blick auf die Bayern aus eigener Erfahrung. Als er 2001, wie jetzt wieder, von Bremen an die Säbener Straße wechselte, hießen seine Konkurrenten Giovane Elber, Roque Santa Cruz, Carsten Jancker und Alexander Zickler.
Sammer fordert, persönliche Eitelkeiten unterzuordnen
Sammer will sich mit dem Blick auf die stürmischen Bewerbungen um einen Platz in der Startelf erst gar nicht bei Einzelschicksalen aufhalten. Er fordert eine grundsätzliche Bereitschaft, zuerst und vor allem der gemeinsamen Sache zu dienen. „Es ist“, hat der Vierundvierzigjährige in Riva del Garda doziert, „eine Krankheit im deutschen Fußball, dass wir persönliche Eitelkeiten, das persönliche Interesse, die Marke mehr in den Mittelpunkt stellen als das eigentliche Ergebnis.“ Darum sollen sich Gomez, Mandzukic und Pizarro der Sache zuliebe so produktiv aneinander reiben, dass sie im Mai 2013 gemeinsam zu neuen Titelhelden werden können.
Krise könnte weitergehen
Christoph Rohde (prediger1)
- 20.07.2012, 10:49 Uhr
Hedgefonds Bayern München...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 20.07.2012, 09:10 Uhr
So ungefähr stimmt das, aner.....
Tyler Durden Volland (tylerdurdenvolland)
- 20.07.2012, 00:25 Uhr