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Bayern München Kann Hoeneß jetzt noch bleiben?

Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung. Bleibt der Aufsichtsrat des FC Bayern bei seiner Ankündigung, muss er den Fall seines Vorsitzenden nun neu diskutieren.

© dpa Vergrößern Wie geht es nun mit Uli Hoeneß weiter beim FC Bayern?

Ist eine Anklage, die seit Wochen erwartet wurde, eine neue Erkenntnis? Diese Frage muss der Aufsichtsrat des FC Bayern München nun beantworten. Wenn ja, wäre Uli Hoeneß nicht mehr zu halten. Eigentlich kann es niemanden überraschen, dass die Staatsanwaltschaft München II gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Hoeneß Anklage wegen Steuerhinterziehung erhoben hat. Der Gang des spektakulärsten Steuerermittlungsverfahrens der vergangenen Jahre ließ erkennen, dass Hoeneß nicht mit einer frühen Einstellung davon kommen würde.

Ende September, vielleicht auch später, wird die fünfte Strafkammer des Münchner Landgerichts entscheiden, ob dem Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München Fußball AG, der auch Präsident des Vereins FC Bayern München ist, der Prozess gemacht wird wegen nicht versteuerter Einkünfte auf einem Schweizer Konto. Zunächst, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft, haben Hoeneß und seine Verteidiger einen Monat Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

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Hoeneß hatte im Januar Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung gestellt, weil er, so seine Angaben, Spekulationsgewinne aus Börsengeschäften auf ein Schweizer Konto gebracht und nicht versteuert hatte. Im März hatte die Steuerfahndung sein Haus am Tegernsee durchsucht und eine Haftbefehl gegen Kautionszahlung außer Vollzug gesetzt, im April war der Fall durch das Magazin „Focus“ öffentlich geworden. Offensichtlich war die Selbstanzeige nicht umfassend oder ausreichend, hatte handwerkliche Fehler.

Nach einigen Tagen öffentlicher Diskussion bot Hoeneß daraufhin seinen Rücktritt als Aufsichtsratvorsitzender an. Führende deutsche Unternehmer lehnten das Angebot ab: Neben anderen entschieden der Adidas-Vorstandsvorsitzende Herbert Hainer, VW-Chef Martin Winterkorn, der Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler, der Verwaltungsratsvorsitzenden der UniCredit-Group, Dieter Rampl, und Telekom-Vorstand Timotheus Höttges als Aufsichtsräte der FC Bayern München AG am 6. Mai, dass ein Rücktritt nicht angebracht sei.

Gibt es nun eine neue Erkenntnis?

Offensichtlich sollte Hoeneß Gelegenheit bekommen, die erfolgreichste Saison in der bisherigen Vereinsgeschichte des FC Bayern in Amt und Würden zu erleben. „Der Aufsichtsrat wird die Angelegenheit weiterhin beobachten und sich bei Vorliegen neuer Erkenntnisse mit dem Thema befassen“, so die Erklärung des Aufsichtsrats, in dem auch der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sitzt. Gibt es nun, Ende Juli, mit der Anklage, eine neue Erkenntnis? Muss sich der Aufsichtsrat, um das eigene Wort nicht zu brechen, abermals mit der Causa Hoeneß beschäftigen? „Wir sagen dazu nichts“, teilte Bayern-Pressesprecher Markus Hörwick am Dienstagnachmittag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Trotzdem: Legt man die Schlussfolgerung der Staatsanwälte zu Grunde, kann die Antwort nur ja lauten. Denn ohne neue Erkenntnisse gäbe es keine Anklage. Die Münchner Staatsanwälte verdächtigen Hoeneß nicht nur der Steuerhinterziehung, sie sind nach Abschluss der Ermittlungen davon überzeugt, dass eine Verurteilung des Bayern-Präsidenten wahrscheinlich ist. Und auch wenn selbstverständlich weiterhin auch eine Verfahrenseinstellung oder ein Freispruch möglich sind, glauben sie, dass er eine Straftat begangen hat.

Hainer plädiert für mildernde Umstände

Trotzdem hatte Adidas-Mann Hainer bereits Mitte Juli erkennen lassen, dass sich mancher Bayern-Aufsichtsrat möglicherweise nicht mehr an das Diktum vom Mai halten würde. Es gebe keinen Besseren als Hoeneß, erzählte Hainer dem Magazin „Focus“, dessen Herausgeber und Edel-Bayern-Fan Helmut Markwort im Mai in seiner Funktion als Aufsichtsrat ebenfalls Hoeneß‘ Rücktritt abgelehnt hatte. Hainer plädierte noch vor Abschluss des Ermittlungsverfahrens auf mildernde Umstände: Hoeneß wisse selbst, dass er eine „Riesendummheit“ begangen habe und verdiene eine zweite Chance.

Tatsächlich soll ein Teil der Steuerschuld, von 3,2 Millionen Euro ist die Rede, verjährt sein. Andererseits heißt es im Verhaltenskodex der Adidas-Gruppe: „Die Beachtung von Gesetz und Recht ist für die adidas Gruppe oberstes Gebot. Jeder Mitarbeiter hat ethisch zu handeln und die gesetzlichen Vorschriften derjenigen Rechtsordnung zu beachten.“ Adidas hält wie die Audi AG 9,1 Prozent der Anteile an der FC Bayern AG. Beim Autohersteller gelten ähnliche Verhaltensvorschriften, diese Woche lässt die Ingolstädter Firma den „Audi-Cup“ in München ausspielen.

Gibt es noch ein gutes Ende für Hoeneß?

„Ich wüsste nicht, warum meine Selbstanzeige nicht gültig sein sollte“, hatte Hoeneß vergangene Woche gesagt, bevor in der Münchner Fußball-Arena, deren Bau er maßgeblich vorangetrieben hat, der „Uli-Hoeneß-Cup“ zwischen Bayern München und dem FC Barcelona für den guten Zweck ausgespielt wurde. Anschließend wurde eben dieser Uli-Hoeneß-Pokal von Uli Hoeneß an Bayern-Kapitän Philipp Lahm überreicht. Er glaube an ein gutes Ende des Verfahrens, sagte Hoeneß noch. Die Staatsanwälte, das ist mit der Anklage klar, glauben einstweilen an ein anderes Ende.

Quelle: F.A.Z.

 
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