11.02.2007 · Die notwendige Erneuerung des FC Bayern ist schwierig. Und mit Interimstrainer Ottmar Hitzfeld wird die Bewältigung der aktuellen Krise nicht einfacher, denn ohne Klarheit in der Trainerfrage kommt kein Topspieler.
Von Michael HoreniIn dieser Woche hielt Uli Hoeneß im „Bayerischen Hof“ einen Vortrag, den er in den vergangenen Jahren immer wieder ganz gelassen aus der Schublade ziehen konnte: „Der FC Bayern – eine Erfolgsgeschichte“. In diesen Tagen allerdings, wo diese Geschichte ihre Risse bekommt, wollten die über 600 Zuhörer auch etwas anderes von Hoeneß hören – wie nämlich das Krisenmanagement des Münchner Fußballriesen funktioniert.
Der Manager griff vor dem Auditorium allerdings vorwiegend auf seine rhetorische Stärke zurück. Er redete eine Stunde lang über Fußball, Gott und die Welt – und dabei natürlich auch über Siemens und die CSU, die beiden anderen angekratzten Symbole bayerischer Kraft. Er redete von den „Heuchlern“ in Deutschland beim Thema Bestechung und von seiner eigenen Befindlichkeit in diesen schwierigen Zeiten. „Ich spüre so eine Wut in mir. Wir geben in den nächsten zwölf Monaten richtig Gas. Ich spüre so eine Aufbruchstimmung. Das wird interessant“, sagte Hoeneß.
„Den Schnitt tiefer machen“
Aber beim eigentlichen Thema, der Krisenbewältigung des FC Bayern, blieb der wortgewaltige Manager ziemlich einsilbig. „Es wäre das falsche Signal an die Mannschaft, jetzt schon zu sagen, wer ab dem 1. Juli Trainer sein wird“, sagte er. Oder er deutete, garniert mit einem Anflug von Selbstkritik („gewisse Selbstzufriedenheit“), die missliche Lage ganz einfach zur ersehnten Herausforderung um: „Diese Situation gibt uns die Chance zur Erneuerung. Wir müssen den Schnitt wohl tiefer machen, als wir uns das vorgestellt hatten.“
Aber wie? Hoeneß blieb die Antwort im edlen Ambiente schuldig. Den deutschen Champion wieder zur unumstrittenen deutschen Nummer eins und gleichzeitig zu einem internationalen Titelkandidaten zu machen, dürfte zur schwierigsten Aufgabe der letzten Jahre für den dienstältesten Manager der Bundesliga werden. Zu viel ist zuletzt liegengeblieben bei den Bayern, zu weit ist die europäische Konkurrenz den Münchnern mittlerweile finanziell enteilt.
„Ohne Klarheit in der Trainerfrage kommt kein Topspieler“
An diesem Sonntag geht es im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (Siehe auch: FAZ.NET-Liveticker) erst einmal nur darum, den freien Fall seit der Winterpause zu stoppen, um sich wieder der Champions League zu nähern. Hitzfeld kümmerte sich im Training vor allem um die einfachen Dinge. „Manchmal ist es gut, zur Basis zurückzukehren und Standardübungen zu absolvieren“, sagte Torjäger Makaay. Aber mit dem Standardprogramm wird zumindest die Vereinsführung in den nächsten Monaten kaum weiterkommen. Die Bayern müssen sich, gemäß ihrem alten Erfolgsrezept, sportlich wieder mal neu erfinden.
Aber die Umstände sind diesmal besonders schwierig – und die Planungen für die nächste Saison stocken. Die Trainerfrage ist der Schlüssel. „Das ist alles ein Experiment“, sagte Hitzfeld vor seinem Heimdebüt, zumal er erstmals in seiner Karriere „Aushilfstrainer“ sei. Präsident Franz Beckenbauer und Hoeneß hatten zuletzt auf ein längeres Engagement Hitzfelds gehofft – sie wissen insgeheim warum. „Ohne Klarheit in der Trainerfrage kommt kein umworbener Topspieler zu einem Klub“, sagt Michael Becker, der Berater von Michael Ballack und einigen anderen Nationalspielern.
Die Gesetze des Trainermarktes
Die Topspieler wollten unbedingt wissen, welche Rolle sie bei einem Trainer spielen. So traf sich auch der deutsche Kapitän vor seiner Zusage bei Chelsea mit José Mourinho zu einem ausführlichen Gespräch. Solange die Bayern aber keine Trainerplanung präsentieren können, haben sie auf dem Transfermarkt mit zusätzlichen Schwierigkeiten zu kämpfen – ganz abgesehen von ihren finanziell ohnehin geringen Ressourcen.
Auch der Trainermarkt funktioniert nach seinen eigenen Gesetzen. Finanziell ist es zwar keine Schwierigkeit für die Bayern, einen erstklassigen Fußball-Lehrer zu verpflichten – fünf Millionen Euro Grundgehalt, zusätzlich eine Million Euro für jeden nationalen Titel und zwei Millionen für einen internationalen Pokal gelten als Standardtarif in der Oberklasse. Darüber wird in der Liga der Mourinhos, Wengers und Capellos gar nicht diskutiert – sondern nur über die Möglichkeiten, die ihnen ein Klub international bieten kann.
Wer wird mit dem Münchner Reizklima fertig?
In den Sphären der Happy few der Trainergilde geht es nur noch ums Prestige, die weitere internationale Titel verheißen. Da aber hat der Champions-League-Sieger von 2001 derzeit nicht viel zu bieten – und auch nicht in Zukunft, wie Felix Magath findet. „Natürlich wollte ich die Champions League gewinnen, aber realistisch gesehen, war und ist der FC Bayern nicht in der Lage, die Champions League zu gewinnen“, rief der entlassene Trainer in einem Interview mit dem „Stern“ seinem Arbeitgeber hinterher. Einen Trainer wie Mourinho könne er sich in München „nie vorstellen“, tönte Hoeneß dagegen weiter im alten Bayern-Stil; umgekehrt stimmt’s eher.
Keine Topspieler, kein Toptrainer; kein Toptrainer, keine Topspieler – aus dem personalpolitischen Teufelskreis gibt es tatsächlich nur schwer einen Ausweg. Aber sich in dieser Zwangslage auf neue Wege zu begeben, mit einem frischen Trainer wie etwa Jürgen Klopp (was bei den Bayern zumindest diskutiert wird), birgt Unwägbarkeiten und rührt auch am Selbstverständnis des Rekordmeisters. Wie werden von Medienkritik und klubinternen Dauerdiskussionen bisher verschonte Trainertalente mit dem speziellen Münchner Reizklima fertig?
Und mag sich der mit Weltmeistern gespickte mächtigste Klub des Landes wirklich einen Trainer ohne Titel leisten – und damit auch weiter nach dem eben längst nicht mehr bewährten Motto verfahren, die tagesaktuellen Aufsteiger der Bundesliga zu holen? Die große Wende zu schaffen, wäre das wahre Meisterstück der Bayern.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |