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Bayern München Der schleichende Abschied von Ottmar Hitzfeld

15.12.2007 ·  Nur eine Niederlage in 21 Spielen - aber die Zeit des Trainers beim FC Bayern neigt sich dem Ende entgegen. Bald darf Ottmar Hitzfeld wieder dorthin fahren, wo er sich am wohlsten fühlt: in die Schweizer Berge.

Von Elisabeth Schlammerl
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Bald darf Ottmar Hitzfeld wieder dorthin fahren, wo er sich am wohlsten fühlt: in die Schweizer Berge. In seinem Refugium in Engelberg erholt sich der Trainer des FC Bayern München von den Strapazen seines Jobs, die ihm deutlicher anzusehen und anzumerken sind als den meisten seiner Berufskollegen. Und in der beschaulichen Innerschweiz könnte sich in den Weihnachtstagen auch die Zukunft von Hitzfeld beim FC Bayern entscheiden. Endgültig, denn die Tendenz steht schon seit längerem fest.

Es gibt wohl keine große Chance mehr für eine Fortsetzung der Ehe zwischen den Bayern und Hitzfeld. Auch wenn die Münchner am Samstag nach dem letzten Hinrundenspiel bei Hertha BSC Berlin noch immer an der Tabellenspitze der Bundesliga rangieren und als Herbstmeister überwintern, wird sich daran vermutlich nichts ändern. Und auch nicht, wenn die Mannschaft am kommenden Mittwoch gegen Aris Saloniki die K.-o.-Runde im Uefa-Cup als Gruppenerster im letzten Spiel des Jahres erreicht – und dann insgesamt nur eines von 23 Pflichtspielen in dieser Saison verloren hätte.

Mahnende Worte wollte niemand hören

Vor zwei Monaten sah die Lage für Hitzfeld noch ganz anders aus. Die Bayern und ihr Trainer beteuerten sich ihre Zuneigung und Wertschätzung. Eine Verlängerung des auslaufenden Vertrages schien wahrscheinlich, nachdem der Klub im vergangenen Sommer investiert hatte und kein Stein auf dem anderen geblieben war. Hitzfeld war nun als Baumeister gefordert, und dass er es zunächst schaffte, die einzelnen Teile zu einem phantastischen Gebilde zusammenzufügen, hat ihm viel Respekt eingebracht. Er schien unantastbar und war mächtiger denn je.

Die Bayern spielten zauberhaften Fußball, berauschten die Fans, sich selbst und manchmal sogar die Konkurrenz. Mahnende Worte von Hitzfeld, dem alles gar zu reibungslos ging, wollte niemand hören. „Man muss wissen, dass es kein Selbstläufer ist“, sagte er, während seine Mannschaft ihm Woche für Woche das Gegenteil zu beweisen schien. „Wir sind aus den ersten Spielen verwöhnt gewesen“, gibt Manager Uli Hoeneß jetzt kurz vor der Winterpause zu. „Wir müssen etwas bescheidener werden, denn trotz dieser Super-Mannschaft können wir nicht alle anderen einfach so wegputzen.“

Die Leichtigkeit des Gewinnens war vorbei

Natürlich war es mit der bajuwarischen Herrlichkeit nicht auf einmal vorbei, der Rückschritt erfolgte schleichend. Die Pausen der Spieler während der 90 Minuten wurden immer länger. Ein Trend, der den Verantwortlichen nicht verborgen blieb – und wohl auch nicht Hitzfeld. Er rotierte noch mehr und hoffte, dass die Mannschaft die Phase unbeschadet überstehen würde.

Aber die Leichtigkeit des Gewinnens war vorbei, die Bayern quälten sich durch die Liga und noch mehr durch die Gruppenphase des Uefa-Pokals. Zunächst waren es tatsächlich vielleicht nur körperliche Abnutzungserscheinungen, die die Spielfreude der Münchner gebremst hatten. Aber als sich die Kritik häufte, zeigte sich, dass die Harmonie sehr fragil ist. Und als der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge den Trainer öffentlich rügte, war Hitzfelds Position endgültig geschwächt.

In Zukunft Schweizer Nationaltrainer

Womöglich hatte er schon früher gespürt, dass die Begeisterung bei den Verantwortlichen für ihn nachlässt. Manager Hoeneß gilt im Gegensatz zu Rummenigge noch als sein Unterstützer – wie schon während Hitzfelds erstem Engagement. Der Trainer ahnte vielleicht, dass die Solidarität des Managers am Ende wieder nicht reichen könnte.

Warum sonst hätte er schon im Oktober lanciert, dass er sich den Job des Schweizer Nationaltrainers vorstellen könnte? Es schien, als ob Hitzfeld wusste, dass er das Zepter nicht mehr in der Hand halten würde. Und bald begehrten auch unzufriedene Spieler wie Sagnol oder Ismaël auf.

Suspendierung als Zeichen der Stärke

Seither wird viel diskutiert um die Zukunft von Hitzfeld. Und aus der Schweiz meldete sich immer wieder Ernst Lämmle. Als Delegierter des Verbandes mit der Suche für einen Nachfolger des nach der EM scheidenden Köbi Kuhn betraut, verkündete er, dass er sich noch in diesem Jahr mit seinem Wunschkandidaten treffen werde. Hitzfeld versicherte zwar immer: „Ich habe keine Ambitionen zu gehen.“ Aber vermutlich behauptet er dies, um die Diskussion nicht weiter zu befördern.

Denn Hitzfeld will die Saison unbedingt erfolgreich zu Ende zu bringen. Mit der Suspendierung von Kapitän Kahn für hatte er in dieser Woche ein autoritäres Zeichen gesetzt. Der Verein brauche Ruhe, sagte er, „keine Nebenkriegsschauplätze“. Die Suspendierung sollte ein Zeichen der Stärke sein. Aber ob das hilft, wenn in der Winterpause die Entscheidung über Hitzfelds Zukunft fällt? Ersatzkapitän Mark van Bommel zumindest stellt nüchtern fest: „Der Trainer steht unter Druck.“

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