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Bayern München Deisler will sein „letztes Comeback“

17.11.2006 ·  Nach sechs Operationen ist Bayern-Spieler Sebastian Deisler vorsichtig geworden. „In der Vergangenheit wollte ich oft zu früh zu viel. Das ging immer schief“, sagt der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Ein klein wenig ist Sebastian Deisler schon erschrocken bei seinem ersten Auftritt in der Öffentlichkeit nach acht Monaten. Als sich der Mittelfeldspieler des FC Bayern München am Donnerstag nachmittag zum ersten Mal wieder offiziell zeigte, in einem kleinen Raum an der Säbener Straße Rede und Antwort stand, sah er sich dort mit reichlich Kameras, Mikrofonen oder Kugelschreibern konfrontiert. „Ich dachte nicht, daß so viele da sind“, gab er zu. Dann hat er sich schnell wieder gefangen und schickte mit einem Lächeln ein „aber wunderbar“ hinterher.

Obwohl Deisler in den vergangenen Jahren mindestens so viel Zeit bei Ärzten und in der Reha verbracht hatte wie auf dem Fußballplatz, mithin die Rückkehr nach Verletzungen oder Krankheiten nichts mehr Besonderes bei ihm sind, erregte die Ankündigung seines Comebacks nach mehr als einem halben Jahr Pause wegen eines Knorpelschadens im rechten Knie immer noch viel Beachtung.

Hoffnung auf Spielkultur

An diesem Samstag im Bundesliga-Spitzenspiel gegen Tabellenführer VfB Stuttgart in der Allianz Arena wird er zum ersten Mal wieder im Kader des deutschen Rekordmeisters stehen. Womöglich erfährt Deisler bei dieser Rückkehr auch deshalb so viel Aufmerksamkeit, weil er die Hoffnung nährt auf ein wenig mehr Spielkultur beim FC Bayern. Er könnte vielleicht bald wieder mithelfen, die kreative Lücke im Mittelfeld, die bei den Münchnern in dieser Saison besonders auffällig ist, zu verkleinern.

Aber natürlich sind von Deisler keine Wunderdinge zu erwarten, und schon gar nicht in den ersten Wochen. Er wird zunächst auch nur auf der Ersatzbank sitzen, das Spiel der Münchner deshalb kaum prägen können. Trainer Felix Magath macht seine Einwechslung am Samstag vom Spielverlauf abhängig. „Ich finde es wunderbar, wieder dabeizusein, und hoffe, daß ich der Mannschaft weiterhelfen kann, aber ich muß mir meinen Platz erst wieder erarbeiten“, weiß auch Deisler.

Zweifel plagen Deisler

Deisler kennt die Situation bestens, sich nach einer langen Pause wieder etablieren zu müssen. Die Operation Mitte März beim weltweit angesehenen Experten Richard Steadman in Vail ist die insgesamt sechste in seiner Karriere und die fünfte im rechten Knie gewesen. Der Arzt in Colorado hatte ihm im Frühjahr zwar versprochen, daß das Knie nun fast besser sei als vorher; aber ein wenig Zweifel plagten Deisler dennoch. „Es ist doch klar, daß man sich viele Gedanken macht. Man weiß nicht, was wird.“ Er hat wegen Verletzungen oder Krankheiten die vergangenen drei Großereignisse mit der deutschen Nationalmannschaft verpaßt und weiß auf Anhieb selbst schon nicht mehr genau, wie oft er hat aussetzen müssen. Sogar die Frage nach dem wievielten Comeback beim FC Bayern war für ihn schwer zu beantworten. „Das zweite? Nein, das dritte. Jedenfalls das letzte.“

Deisler mußte lernen, sich in Geduld zu üben. Er hat sich dieses Mal Zeit gelassen nach der Verletzung, viel Zeit sogar. „In der Vergangenheit wollte ich oft zu früh zu viel. Das ging immer schief.“ Er trainiert schon seit Wochen intensiv, zeitweise unter Regionalligatrainer Hermann Gerland und zuletzt auch mit den Profis. Aber erst jetzt schien ihm die Zeit reif für eine Rückkehr. Er verzichtete auf die Möglichkeit, sich erst einmal abseits des großen Rummels Spielpraxis in der Regionalliga zu holen, wie er es im April 2004 nach seiner fast halbjährigen Pause wegen Depressionen getan hatte: „So viel hat mir das damals nicht gebracht.“

In dieser Woche nun hat es ein Gespräch gegeben zwischen Trainer und Deisler; die beiden waren sich einig, erzählt Magath, daß die Zeit nun langsam reif sei für ein Comeback. Danach fiel die Entscheidung, den 26 Jahre alten Mittelfeldspieler für die Partie gegen Stuttgart zu nominieren. „Wichtig ist, daß er von sich aus sagt, daß er sich stark genug fühlt“, sagt Magath und hofft, Deisler möge nach dieser längeren Vorbereitung „stabiler in den Wettkampf gehen und den Schritt, reinzufinden, schneller hinter sich bringt.“

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