Im Planetarium im Deutschen Museum bot Uli Hoeneß die Bayern-Version von „Star Wars“: Das Imperium schlägt zurück. „Arjen Robben war schon immer unser Wunschspieler“, sagte er trotzig: „Und wir bekommen in der Regel die Spieler, die wir wollen.“ Nicht nur der Ort, an dem die Bayern gemeinsam mit Pressevertretern die Auslosung der Champions-League-Gruppen auf einer Großleinwand verfolgten, passte perfekt für die Botschaft an den Rest von Fußball-Deutschland, auch das Timing. Kurz darauf besiegelte Robben den Wechsel von Real Madrid zum FC Bayern, wo er für vier Jahre bis 2013 unterschrieb. Er steht bereits im Kader für das Spitzenspiel gegen den VfL Wolfsburg an diesem Samstag.
„Mia san mia“, das zuletzt bei der Mannschaft vermisste Selbstgefühl natürlicher Überlegenheit, der Manager strahlte es voller Genugtuung über den Transfer-Coup aus. Fußball-Deutschland hatte in den Tagen vor Transfer-Toresschluss am Montag Verstärkungen in der Abwehr der Bayern erwartet, die sich zuletzt in Mainz blamiert hatte (siehe: Nach dem 1:2 in Mainz: Bayern bemüht sich um Gelassenheit). Aber Hoeneß verkündete, man habe „nie daran gedacht, jemanden für die Defensive zu holen“, denn die sehe man „mittelfristig“, also nach Rückkehr der verletzten Demichelis und van Bommel, „gut aufgestellt“. Und so holten sie nun noch einen Offensivspieler, obwohl Trainer Louis van Gaal schon bei der ersten Bestandsaufnahme im Juli ein Überangebot im Sturm festgestellt hatte. (siehe: Luca Toni in der Krise: Einer zu viel im Bayern-Sturm)
Mangelware Defensivleute
Auf dem derzeitigen Markt ist es allerdings viel einfacher, einen guten Angreifer zu bekommen als einen guten Verteidiger. Starke Defensivleute hat keiner zu viel, namhafte Offensivspieler drängeln sich dagegen vor allem bei den Großeinkäufern im Dutzend: bei Real Madrid und Manchester City. Diese beiden, der eine vom Größenwahn eines Präsidenten befeuert, der andere von arabischen Öl-Milliarden, sind die beiden einzigen Klubs Europas, die in diesem Sommer noch mehr Geld ausgegeben haben als der FC Bayern. Knapp 75 Millionen Euro für neue Spieler sind Rekord im deutschen Fußball.
Robben landete auf der Resterampe von Real, weil neben den Einkäufen Ronaldo, Kaká, Benzema kein Platz mehr für ihn war. Für Ribéry wäre noch ein Plätzchen, aber Hoeneß dementierte, dass Robben nur Teil eines Gegengeschäftes sei: „Wir wollten nie Robben für Ribéry, wir wollten immer Robben und Ribéry.“ Die spanische Presse spekuliert weiter über „einen Freundschaftspakt“ zwischen München und Madrid, demzufolge die Klubs einen Wechsel Ribérys im nächsten Jahr für eine „gemäßigte“ Ablöse vereinbart hätten.
Nun zwei Kreativspieler
Robben, der knapp 25 Millionen Euro kosten soll, ist einer der besten Flügelmänner und Tempodribbler der Welt, aber auch enorm verletzungsanfällig, was die nach seinem famosen Debüt beim FC Chelsea vor fünf Jahren erwartete Weltkarriere verhinderte. Er sei ein „explosiver Spieler“, fand van Gaal, „da muss man schon mal mit Verletzungen rechnen.“ Dennoch, „wenn er kommt, bin ich froh, bisher haben wir nicht genug Kreativität“. Indirekt bezeichnete der Trainer 96 Prozent seines Kaders praktisch als ideenlos, indem er sagte: „Nun haben wir zwei kreative Spieler.“ Bisher also: Ein Ribéry und 24 Mitläufer? Nicht das beste Zeugnis für die Personalplanung eines Weltklubs.
Die Gabe, überraschende Dinge zu tun, hatten bei den Bayern der bisherigen Saison in Abwesenheit von Ribéry nur die Innenverteidiger, das aber immer im falschen Strafraum. Nun soll, so die simple Logik des Muskelspiels auf dem Transfermarkt, der Gegner mit den Flügelstars Ribéry und Robben (der links wie rechts spielen kann) derartig beschäftigt werden, dass die Abwehr gar nicht in Not geraten kann.
Reicht das für die Champions League oder Wolfsburg?
Das mag gegen viele Teams aus der Bundesliga reichen. Aber auch gegen die Champions-League-Gegner aus Turin, Bordeaux, Haifa (siehe: Champions League: Günstige Auslosung für deutsche Teams )? Oder gegen Wolfsburg? Dem deutschen Meister, dessen Trainer Armin Veh es gewagt hatte, den Bayern die traditionelle Vormachtstellung abzusprechen, wurde mit Robben kurz vor dem Spitzenspiel ein Brocken aufgetischt, der womöglich zur Verunsicherung taugt. Vielleicht spiele Robben ja schon an diesem Samstag, ließ Hoeneß wissen. Vielleicht spiele auch Ribéry, sagte van Gaal. Und das System? „Ich will mich nicht festlegen“, so der Trainer. Nicht mal auf den Torwart. Ob Rensing oder doch wieder Butt, der am Mittwoch beim Sponsorenkick bei Union Berlin im Tor stand – „man wird es erst am Samstag sehen“. Die zuletzt verunsicherten Bayern bemühen sich, Öffentlichkeit und Konkurrenz ein paar Rätsel aufzugeben.
Mit Robben kann van Gaal nun das klassische 4-3-3 seiner holländischen Heimat spielen lassen, mit Flügelspielern, die an den Außenlinien auf Zuspiele warten. Auch ein 4-4-2 mit „Doppel-6“, zwei Spielern vor der Abwehr, sei nun möglich, so der Trainer. Ob die Spieler, die unter Klinsmann einen Mangel an System beklagten, bald unter einem Überangebot leiden? Die System-Verwirrung war zuletzt groß. Das 4-4-2 mit Raute, das van Gaal wochenlang mit ständigen Personalwechseln vergeblich durchprobierte, darf allerdings als abserviert gelten. „Wir haben alles gemacht, um in dieser Mannschaft einen Zehner zu finden“, sagte van Gaal, „aber wir haben ihn nicht gefunden.“ Es ist ein Nachruf auf den Bayern-Spielmacher, der Ribéry sein sollte, aber nicht wollte.
Wie viel Sauce Hollandaise verträgt die Weißwurst?
Ein Trainer aus Holland, ein Kapitän aus Holland, zwei Neueinkäufe aus der Eredivisie und nun noch ein neuer Heilsbringer mit der holländischsten aller Spielweisen, der Außenwirbler Robben: All das ist noch weit weg von den acht Landsleuten, mit denen van Gaal einst beim FC Barcelona die kritische Masse überschritt und scheiterte.
Doch der Feinschmecker des Fußballs darf sich nicht nur auf einen neuen Weltklassespieler für die Bundesliga freuen. Sondern auch auf die leckere Frage, die spätestens bei der nächsten oder übernächsten Bayern-Krise aufgetischt werden dürfte: Wie viel Sauce Hollandaise die Weißwurst verträgt.
Das Imperium schlägt zurück?
Wolfram Jäger (wojaeger)
- 28.08.2009, 18:29 Uhr
Hier geht es ...
Uwe Wagner (view)
- 28.08.2009, 18:39 Uhr
Wir leben in interessanten Zeiten
(Benedikt.Neueder)
- 28.08.2009, 19:20 Uhr
Hoeness und co werden dement
erik häfner (schronk)
- 28.08.2009, 20:29 Uhr
Hallo Bayern-also jetzt doch!
Franz Simon Haider (hallo1002)
- 28.08.2009, 21:04 Uhr