26.11.2009 · Das Resultat stimmte aus Sicht von Bayern München – vor allem jenes aus Bordeaux, das ihnen ein Endspiel in Turin beschert. Spielen sie am 8. Dezember bei Juventus aber so wie gegen Haifa, wird es ein böses Erwachen geben.
Von Christian Eichler, MünchenBeim FC Bayern ist man es gewohnt, das Maximum zu erwarten. Das bringt im Leben oft Verdruss. Nun mussten sie lernen, auch einmal nur auf das Minimale zu hoffen. Und schon erkennen sie das Glück, das in geringer Erwartung stecken kann. „Die schwarze Serie ist vorbei“, frohlockte Ivica Olic, der Schütze des einzigen Tores.
Fast hätte man meinen können, hier wäre Real Madrid besiegt worden oder wenigstens Bayer Leverkusen. Aber es war nur Maccabi Haifa, die schlechteste Mannschaft der Champions League. Eine offensiv so harmlose Elf war in der Allianz Arena seit langem nicht mehr aufgetreten, und das schließt die Gegner von 1860 München mit ein. Aber den Bayern kam es gerade recht für einen dieser „Hauptsache, gewonnen“-Siege, die man in der Krise braucht.
Eigentlich stimmte nur das Resultat – vor allem jenes aus Bordeaux. Der französische Meister tat dem deutschen Rekordmeister den Gefallen, trotz schon sicherer Qualifikation für das Achtelfinale der Champions League mit der bestmöglichen Elf anzutreten und Juventus Turin 2:0 zu besiegen. Erst die Zwischenstände aus Bordeaux machten in München aus einem Spiel, das eher ein Schlafmittel war, eines mit krampflösender, ja belebender Wirkung. „Wir waren schon abgeschrieben“, sagte Mark van Bommel, „jetzt leben wir wieder.“
Der graue Bayern-Herbst wird in Turin unwiderruflich enden
Zugleich war er realistisch genug, dem niederländischen Landsmann Louis van Gaal zu widersprechen: „Wir haben nicht gut gespielt, zu viele Fehlpässe gemacht“, fand der Kapitän. Der Trainer dagegen hatte von einem „unserer besten Spiele“ gesprochen. Der unter Dauerdruck geratene Fußball-Pädagoge im ersten Bayern-Lehrjahr hangelt sich seit Wochen von Spiel zu Spiel. Kein rechter „Befreiungsschlag“, wie von Uli Hoeneß gefordert, will gelingen.
Aber zugleich ist bisher auch keine Demontage dabei wie das 1:5 in Wolfsburg und das 0:4 in Barcelona, die Vorgänger Klinsmann den Rest gaben. So haben alle Spiele im November den unbefriedigenden Status quo verlängert, aber wenigstens nicht noch verschlechtert. Die Wochen des Lavierens enden nun spätestens am 8. Dezember in Turin. Nur ein Sieg zählt dann noch. Der graue Bayern-Herbst wird dann unwiderruflich enden, schwarz oder weiß.
Während van Gaal angespannt seine exklusive Sicht der Partie referierte, strahlte Uli Hoeneß. Er hatte in seinem letzten Spiel als Manager ein positives Resultat bekommen; eines, das vor der Jahreshauptversammlung an diesem Freitag, bei der er den Managerposten abgibt und Franz Beckenbauer als Vereinspräsident und Aufsichtsratsvorsitzender ablöst, die Stimmung des Vereinsvolkes besänftigen könnte. Er hoffe darauf, dass man sich nun „wieder auf das Wesentliche konzentrieren kann“, sagte Hoeneß, „und auf ein paar Wochen ohne Trainerdiskussion“.
Van Bommel: „Man spielt für den Verein und für sich selber“
Dazu passend verkündete Olic politisch korrekt: „Wir Spieler stehen hundertprozentig hinter dem Trainer.“ Kapitän van Bommel wählte eine kühlere, feinere Formulierung: „Man darf nie für den Trainer spielen. Man spielt für den Verein und für sich selber. Der Trainer gehört dazu.“ Es sind die typischen Sprechmuster professioneller Fußballspieler. In beiden Äußerungen heißt es nicht zufällig nur „der Trainer“ – eine Worthülse, die immer passt, auch nach jedem Trainerwechsel.
Spielerisch hat sich nicht viel verändert mit dem Sieg gegen Haifa. Es war die übliche Anhäufung von zielloser Ballkontrolle und mangelnder Dynamik im Spielaufbau, die eher zufällig ab und zu in einen Angriff mündet. Aber zumindest ist das, was die größte verunsichernde Wirkung hatte, nun weg: Seit Mittwoch ist der FC Bayern nicht mehr fremdbestimmt. Er hat seine Chance in der Champions League wieder selber in der Hand. Allerdings muss er dafür erstmals in dieser Saison auch ein Spitzenspiel gewinnen. Keine einzige der neun Partien gegen die Teams, die in Bundesliga und Champions League besser plaziert sind, haben die Bayern gewonnen.
Hoeneß: „Die beste Nachricht, die wir haben können“
Hoeneß, der Rekordmeister der „Abteilung Attacke“, hat nun Ruhe und Harmonie auf den Arbeitsplan gesetzt. Er will vermitteln zwischen van Gaal und Luca Toni, der nach abermaligen öffentlichen Äußerungen über sein Zerwürfnis mit dem Trainer aus dem Kader geworfen worden war – wovon Mario Gomez profitierte, der das Siegtor einleitete und „heute das Gefühl hatte, gebraucht zu werden“.
Hoeneß hofft, „eine kleine Bindung hinzukriegen“ zwischen Trainer und Torjäger: „Wenn Luca sich entschuldigt, gibt es wieder eine Chance für ihn.“ Er hatte noch mehr Wahlversprechen für die Bayern-Fans. Den Lateinkundigen unter ihnen verkündete er, Ribéry und Robben stünden „ante portas“. Vor allem dass Franck Ribéry wieder trainieren kann, sei „die beste Nachricht, die wir haben können“. Fast so gut wie ein 2:0 aus Bordeaux.
Noch milde formuliert
Markus Müller (Luke23)
- 26.11.2009, 18:08 Uhr
Unrealistische Erwartungen
E. Wald (E.Wald)
- 26.11.2009, 21:35 Uhr
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |