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Bayern München Blitzrochade gegen die Systemkrise

31.08.2009 ·  Mit einem Sieg gegen Meister Wolfsburg hat der FC Bayern die bösen Geister erst einmal vertrieben. Die Wende hat aber auch ihre Opfer: Durch die Verpflichtung von Arjen Robben könnten Klose und Schweinsteiger in München ins Abseits geraten.

Von Christian Eichler, München
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Neue Kollegen werden auf dem Rasen noch kritischer beäugt als neue Kollegen im Büro. Am Ball sind immer nur elf Arbeitsplätze frei. Aber mehr als doppelt so viele wollen einen. Es ist wie die „Reise nach Jerusalem“, nur mit viel mehr Verlierern. Und mit dem Unterschied, dass im Fußballspiel nicht die Sieger sitzen, sondern die Verlierer: auf der Bank. „Ich denke, dass alle Spieler ein Problem kriegen, wenn einer dazukommt“, sagte Louis van Gaal, als er den Landsmann Arjen Robben am Freitag als neuen Bayern begrüßen konnte. Der Flügel-Holländer soll die Probleme im Spielaufbau und in der Systemsuche der Bayern lösen - und tat das gleich bei seinem Debüt als Joker gegen Wolfsburg mit den Toren zum 2:0 und 3:0 beeindruckend. Für manchen Kollegen aber löst Robben kein Problem. Er schafft eines. Denn einige Etablierte könnten zu den großen Verlierern gehören.

Das gilt besonders dann, wenn die Bayern nun auf das 4-3-3 bauen, das System des niederländischen Fußballs, mit dem van Gaal beim Champions-League-Sieg mit Ajax Amsterdam 1995 seinen größten Erfolg feierte. Bei Dienstbeginn in München beklagte van Gaal, dass ihm mangels passender Spieler die 4-3-3-Option verwehrt sei. Nun ist sie da, mit Robben und Ribéry. In diesem System allerdings würde ein Problem der Personalplanung der Bayern noch dringlicher: das Überangebot an zentralen Stürmern.

„Fußballer wollen spielen, wenn es zu viele im Kader sind, schafft das Unruhe“, sagte van Gaal im Juli. Damals hatte er noch 27 Profis, dann wurden Lucio und Borowski verkauft, nun sind es mit Robben 26. Van Gaals erklärtes Ziel ist ein Kader von „22 Spielern plus drei Nachwuchsleute“. Leider wird man überzählige Spieler nicht so leicht los, sie haben Verträge. In diesen Tagen kurz vor Transferschluss werden solche Profis von vielen Klubs ins Schaufenster gestellt mit dem Hinweis, man lege ihnen im Falle eines Angebots „keine Steine in den Weg“.

Steinlos wäre der Weg derzeit für Großverdiener Luca Toni und die Randfiguren Lell und Görlitz. Aber der FC Bayern „ist keiner der Klubs, die ihre Leute praktisch zwingen, den Klub zu verlassen“, sagt Manager Uli Hoeneß. Und da er für seine Spieler das schönste und wärmste Nest der Fußball-Republik geschaffen hat, fliegt so schnell keiner von allein davon.

Klose als der große Verlierer?

Im Sturm der Bayern drängeln sich fünf Spieler um maximal zwei Plätze. Bei einem 4-3-3 ist es gar nur einer. Und da ein 35-Millionen-Euro-Einkauf wie Mario Gomez sich praktisch von allein aufstellt, droht ein Platz auf der Bank auch Stars wie Toni und Miroslav Klose. Klose, schwach in die Saison gestartet, musste seinen Stammplatz gegen Wolfsburg räumen, als der FC Bayern erstmals von Beginn an auf 4-3-3 setzte. Obwohl Robben und Ribéry noch gar nicht in der Startformation standen (Robben kam erst nach 45, Ribéry nach 63 Minuten), hatte van Gaal neben Gomez dem Neuzugang Ivica Olic und dem jungen Thomas Müller den Vorzug im Angriff gegeben.

Wenn die beiden großen Flügel-Stars fit für neunzig Minuten sind, könnte Klose endgültig der größte Verlierer der Robben-Rochade sein. Wohin mit Klose? Es könnte ein Problem auch für Bundestrainer Joachim Löw werden. Stürmer brauchen Spiele, doch bei den Bayern wird ihr Spielraum immer enger. Das ist heikel gerade in der WM-Saison, in der, wie van Gaal weiß, „Fußballer nicht nur für ihren Verein, sondern auch für einen WM-Platz spielen“.

Schweinsteigers Reifeprüfung

Auch die Position eines weiteren Nationalspielers wird beim FC Bayern schwieriger, die von Bastian Schweinsteiger. Tempodribbler Robben, der beidseitig attackieren kann, soll die linke Seite Ribéry überlassen und von rechts kommen - dem hauptsächlichen Revier von Schweinsteiger und Altintop, den er gegen Wolfsburg in der zweiten Halbzeit ablöste. Allerdings wäre es womöglich nicht mal verkehrt, wenn Schweinsteiger einmal um eine Position kämpfen müsste.

Trotz seiner Beliebtheit bei Fans, Trainer und Management hat er immer noch nicht die Rolle gefunden, in der er hundertprozentig überzeugt. Oft wirkt seine Lockerheit eine Spur zu selbstzufrieden. Noch besetzt „Schweini“ bei den Bayern die Planstelle des Eigengewächses - als der wandelnde Beweis dafür, dass es auch der eigene Nachwuchs schaffen kann. Dieser Bestandsschutz könnte aber bald auslaufen.

Wo es Verlierer gibt, gibt es auch Gewinner. Einer könnte Anatoli Timoschtschuk sein, der in einem weiteren nun praktikablen Bayern-System, einem flügelstarken 4-4-2 mit „Doppel-6“, gemeinsam mit dem bisher übermächtigen Konkurrenten Mark van Bommel die Doppelposition vor der Abwehr übernehmen könnte. Er wird ihn wohl mögen, den neuen Kollegen Robben.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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