Nun ist also vollzogen, was sich seit Wochen angebahnt hat. Jupp Heynckes übernimmt zum dritten Mal in seiner Trainerkarriere den FC Bayern München. Vor zwei Jahren schon schien Heynckes' Laufbahn beendet, ehe sich Uli Hoeneß an seinen alten Freund erinnerte, als er einen Klinsmann-Ersatz bis Saisonende suchte. Der Fünf-Wochen-Job brachte eine Menge mit sich: für die Bayern die Champions-League-Qualifikation, für Heynckes das Ende des Vorruhestandes. Er spürte wieder das alte Feuer und verpflichtete sich Bayer Leverkusen für zwei Jahre. Mit dem Werksklub bestätigte er den guten Eindruck, den er in seinen fünf Münchner Wochen hinterlassen hatte. Hier ist ein Fachmann, der seine größte Schwächen deutlich abgemildert hat - seine Empfindlichkeit und Dickköpfigkeit.
Mit Heynckes sichern sich die Bayern vor allem die Aussicht auf etwas, das im Augenblick besonders kostbar erscheint: ein, zwei Jahre Ruhe. Und damit eine Zukunftsfähigkeit, die nicht in der immer nervöseren Tages-Hektik und wöchentlich wechselnden Ergebnisabhängigkeit der Liga untergeht.
Ein Mann für die Zwischentöne
Der gelassene Hausmeister Heynckes kennt den Laden an der Säbener Straße. Er ist kein polarisierender Typ wie der brillant-arrogante Louis van Gaal oder der Radikalreformer Jürgen Klinsmann, sondern ein Mann für die Zwischentöne, für die Uneitelkeiten und diplomatischen Geräuschlosigkeiten in einem komplizierten Umfeld. Vor allem ist er: ein Hoeneß-Trainer. Und so prädestiniert, um mit der großen Macht und den nur oberflächlich kaschierten operativen Einflussnahmen des früheren Managers und jetzigen Präsidenten ohne Abrieb zurechtzukommen. Etwas, was in den vergangenen 15 Jahren sonst nur noch Ottmar Hitzfeld gelungen ist.
Eine Zukunftslösung ist der 65 Jahre alte Heynckes eher nicht, der immer wieder mal mit seinem Alter kokettiert und seinem Rentenanspruch. Aber eine gute Zwischenlösung ist der Trainer im Rentenalter, um Zeit zu gewinnen für die Suche nach der Zukunftslösung. Solange er die Bayern trainiert, ist genug Zeit, um den Markt zu sondieren, um brillanten jüngeren Trainern, die entweder noch am Anfang einer großen Karriere stehen, wie Thomas Tuchel, oder mittendrin, wie Jürgen Klopp, Angebote zu machen, die sie nicht ausschlagen können. Oder vielleicht gar, sollte Heynckes drei Jahre die Stellung halten, einen, der dann schon auf dem Gipfel angekommen sein könnte: Joachim Löw nach der Weltmeisterschaft 2014.
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