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Bayern-Kommentar Und Lahm hat auch noch recht

08.11.2009 ·  In drei Wochen verabschiedet sich der mächtigste Mann des deutschen Fußballs aus dem operativen Geschäft. Ausgerechnet jetzt steht der FC Bayern des Uli Hoeneß vor einer Zerreißprobe. Denn Philipp Lahms Kritik trifft ins Schwarze - die Einkaufspolitik des Klubs zieht nicht mehr.

Von Christian Eichler
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In drei Wochen verabschiedet sich der mächtigste Mann des deutschen Fußballs aus dem operativen Geschäft. Manager Uli Hoeneß wechselt nach dreißig Jahren auf den Präsidentenposten. Es werden mehrere Biographien erscheinen und Hunderte von Artikeln, die eine große Lebensleistung würdigen. Doch ausgerechnet nun, da Hoeneß ein vorbildlich bestelltes Feld hinterlassen will, erlebt er den schwächsten FC Bayern seit 15 Jahren. Und dazu die öffentliche Kritik eines Mitarbeiters, wie sie ihm wohl noch nie begegnet ist.

Natürlich hat Philipp Lahm die Regeln missachtet, als er für sein Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ die vorgeschriebene Autorisierung durch den Klub umging. Aber wenn interne Kritik nichts mehr bringt, geht nur noch die öffentliche. Dafür braucht man Mut und Verantwortungsgefühl, es sei denn, man wäre ein Selbstdarsteller, und in diesem Verdacht stand Lahm noch nie.

Das Ärgerlichste für Hoeneß ist, dass Lahm – der nach Vereinsangaben nun eine Rekordstrafe zahlen muss – recht hat. Wer die Spielertransfers der letzten Jahre verfolgt hat, muss dessen Eindruck teilen, dass hier allzu oft nach Marktlage und Gelegenheit gehandelt wurde und zu selten nach einem klaren Konzept, nach der konkreten Idee von einer Mannschaft und ihrem Stil.

Bis vor sieben, acht Jahren funktionierte das Konzept

Jahrzehntelang war das gutgegangen, war Hoeneß mit einer Einkaufspolitik erfolgreich, die man „Best of Bundesliga“ nennen könnte. Mit großer Marktmacht graste er die Top-Profis der Bundesliga ab, mit dem netten Nebeneffekt, die Konkurrenz zu schwächen. Bis vor sieben, acht Jahren konnte man mit diesem Bundesliga-Allstar-Team auch international erfolgreich sein. Dann aber hängten Spanier und Engländer die Bayern ab – weil sie mehr Geld ausgaben, die besten Trainer holten, Konzepte hatten; auch weil das Scouting der Bayern zu viele teure Flops produzierte (wie Breno oder Sosa).

„Wen soll man denn anspielen?“

Rätselhaft ist, warum sich der FC Bayern nie um jenen kostbaren Spielertyp bemühte, der ihm völlig fehlt: der im Spielzentrum den Ball fordert, das Spiel beschleunigt und Ballbesitz in Torgefahr verwandelt – Spieler wie Özil, Arschawin oder Misimovic (ein früherer Bayern-Amateur). Seit Mehmet Scholl hatten die Bayern solch einen Mann nicht. Das Resultat laut Lahm ist Lahmheit im Spielaufbau: „Wen soll man denn anspielen? Wo ist jemand, der mal was bewegt?“

„Best of Bundesliga“ zieht nicht mehr, „Best of Europe“ ist zu teuer. Nur die beiden großen Transfer-Treffer von 2007 überdeckten lange das Dilemma. Aber seit Franck Ribéry verletzt ist und Luca Toni nicht mehr trifft (und während der zweiten Halbzeit lieber nach Hause fährt), wird es immer deutlicher. Hoeneß hatte prophezeit, Gewinner der Finanzkrise zu werden, die unsolide Konkurrenten bestraft.

Tatsächlich konnte der FC Bayern vor dieser Saison so viel Geld ausgeben wie sonst nur Real Madrid und Manchester City, die letzten Großspekulanten des europäischen Fußballs. Was ist dabei herausgekommen? Platz acht in der Liga. Eine fast schon sichere Blamage in der Champions League. Ein Kader, der weniger ist als die Summe seiner Teile. Und nun auch noch eine interne Zerreißprobe.

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