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Bayer Leverkusen Nur ein Betriebsunfall?

08.03.2010 ·  Nach der ersten Saisonniederlage kämpft Bayer Leverkusen gegen Klischees und das böse Wort „Vizekusen“. Alle Außenstehenden erwarten nun den Absturz der Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes.

Von Oliver Trust, Nürnberg
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Den Zustand leichter Gereiztheit konnte keine der Führungsfiguren von Bayer Leverkusen bemänteln. Rudi Völler schaute verdrießlich drein, auch das Gesicht von Jupp Heynckes verriet innere Erregung. Notgedrungen nahmen Manager und Trainer den Kampf gegen uralte Klischees auf. Wie Botschafter für die gute Sache eilten die beiden von Interview zu Interview, um gegen den Eindruck anzukämpfen, „Vizekusen“ sei zurück, weil die Nerven dem Druck wieder einmal nicht standhalten. Nürnberg wäre der ideale Zeitpunkt gewesen, das meisterliche Leverkusen vorzuführen. Aber stattdessen gab es beim 2:3 die erste Saisonniederlage, die einen Berg klischeehafter Fragen wachsen ließ.

„Wir“, behauptete Rudi Völler, „sind immer unaufgeregt mit Platz eins umgegangen.“ der Manager sprach von einem einmaligen „Ausrutscher“ und davon, „dass wir jetzt gegen den HSV gewinnen müssen“. Bis dahin allerdings wird über das geredet, was die Leverkusener wieder lebendig werden ließ, ihre Vergangenheit, in der selbst die beste Ausgangsposition nicht zur Meisterschaft reichte. Es sei nichts entschieden, beharrte Völler und verwies auf eine Spielzeit voller konstanter besonderer spielerischer Leistungen: „Wir sind noch unter den besten drei.“ Überhaupt habe man das Unentschieden der Bayern am Vortag in Köln nicht als „Vorlage“ empfunden.

Die Frage bleibt, ob Platz drei ausreicht, um am Ende zufrieden zu sein. Nach Nürnberg findet sich der einstige Tabellenführer Bayer nicht mal mehr auf Rang zwei wieder, weil sich Schalke 04 und Felix Magath dazwischengeschoben haben. 24 Spiele ohne Niederlage ließen bei Bayer Erwartungen wachsen. Mit dem ehemaligen Bayern-Trainer Jupp Heynckes engagierte man zudem einen Coach, der geeignet scheint, den Fluch des „ewigen Zweiten“ mit neuer mentaler Stärke und Stabilität zu überwinden.

Was die Theorie schwacher Nerven dagegen nährte, waren Aussagen von Trainer Heynckes. Diesmal schickte er keine kessen Sprüche mehr in Richtung München wie noch vor wenigen Wochen: „Als ich in München war, habe ich gesehen, dass sie froh waren, Zweiter zu werden. Und ich denke, dass sie das auch diesmal wären“, hatte er damals gesagt. Von Kampfeslust in Richtung der Münchner war beim Bayer-Coach in Nürnberg nichts zu spüren. „Wir haben gesagt, wir wollen international spielen. Wenn die Medien über die Meisterschaft spekulieren, zeigt das, wir haben einiges richtig gemacht“, meinte er nur.

Leichtigkeit ist weg

Aber Heynckes, der über Wochen und Monate so locker und ausgeglichen wie selten in seiner Karriere auftrat, beschlichen vorübergehend einige Zweifel. Vor der Partie in Nürnberg hatte er „eindringlich“ an seine Spieler appelliert, „nach vorne zu spielen und Chancen zu kreieren“. Was sie jedoch nicht schafften. „Es war mal fällig, leider ist es heute passiert“, sagte Völler nach der ersten Niederlage im 25. Spiel und mühte sich um Gelassenheit im Umgang mit dem Rückschlag.

„Die Leichtigkeit ist nicht immer da, das ist doch klar“, sagte Mittelfeldspieler Toni Kroos und war sicher, „wir kehren zu Selbstvertrauen zurück“. Stürmer Stefan Kießling, nach dessen Tor zum 1:3-Zwischenstand (65.) sich Bayer zu einer halben Stunde moralisch wertvoller Aufholjagd und dem 2:3 (73./Helmes) aufraffte, wies den Verdacht der Schaffenskrise energisch zurück: „Bayern hat in dieser Spielzeit schon dreimal vorgelegt, und wir haben dreimal nachgelegt. Da lassen wir uns doch keine Krise einreden“, sagte Kießling.

Schlampiger Hyypiä

Das vor allem in der Defensive unkonzentrierte und unstrukturierte Spiel sah man als reparabel an, was vor allem im Hinblick auf die kommenden Aufgaben gegen den HSV, Dortmund und Schalke trostreich erschien. „Das ist uns zum ersten Mal in dieser Saison passiert“, analysierte Coach Heynckes. „Wir waren nicht gut organisiert.“

Selten hat man erfahrene Spieler wie Innenverteidiger Sami Hyypiä, der zu den zuverlässigsten Kräften der Liga gehört, so schlampig verteidigen sehen. Eine Untugend, die sich im Spielaufbau fortsetzte. Im Gegensatz zu früher, glaubt Bayer heute die Gründe für den Absturz zu kennen. Dass Nürnberg tatsächlich nur ein bedauerlicher Betriebsunfall war, muss man nun möglichst schnell auf dem Rasen beweisen.

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