Home
http://www.faz.net/-gtn-78i57
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Bayer Leverkusen Millionenklage nach Insolvenz

Wusste Bayer Leverkusen von der Finanznot seines früheren Sponsors Teldafax und kassierte weiter Millionen? Der Insolvenzverwalter des Stromanbieters sagt: ja - und fordert vom Bundesliga-Dritten 16 Millionen Euro zurück.

© dapd Vergrößern So einfach war es nicht: Bayer-Sportdirektor Völler auf der inzwischen berühmt-berüchtigten Teldafax-Reklame

Während die Mannschaft von Bayer Leverkusen in der Fußball-Bundesliga um einen Platz in der Champions League kämpft, müssen die Manager des Werksklubs auf ganz anderem Gebiet schwitzen: Der Verein muss sich mit einer Millionenklage befassen. Dabei geht es um die Pleite des ehemaligen Trikotsponsors Teldafax aus Troisdorf, der bis 2011 auf der Brust der Spieler zu sehen war.

Michael Ashelm Folgen:  

Wie die F.A.Z. erfuhr, soll der Insolvenzverwalter des früheren Stromanbieters vom Verein 16 Millionen Euro zurückfordern. Dafür ist Klage beim zuständigen Landgericht Köln eingereicht worden. Ein Sprecher dort wollte dies am Donnerstag noch nicht bestätigen, seine Formulierung deutet darauf hin, dass vor einem öffentlichen Kommentar die Klageschrift erst Bayer Leverkusen zugestellt werden soll: „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nichts dazu sagen.“

Mehr zum Thema

Der Fall könnte sich für den Fußballklub zu einem bösen Flop mit ungeahnten finanziellen Konsequenzen entwickeln. Teldafax war zwischen 2007 und 2011 Sponsor von Bayer Leverkusen, der Vertrag war zwei Jahre vor dem Ende (2013) „in partnerschaftlichem Einvernehmen“ aufgelöst worden.

Der Insolvenzverwalter, Biner Bähr aus Düsseldorf, will offenbar über die Klage die Millionen zurückfordern. Berechtigte Ansprüche bestünden per Gesetz dann, wenn Teldafax durch Zahlungen an die Fußballtochter des Bayer-Konzerns wissentlich andere Gläubiger benachteiligt und die Bayer-Manager davon gewusst hätten. Bähr geht davon aus, dass das lange Zeit überschuldete Unternehmen die Insolvenz damals verschleppt hat.

Die Insolvenz des Stromanbieters gilt mit rund 750000 Gläubigern als eine der größten Pleiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Dabei muss es schon im Jahr 2009 aus Sicht von Bayer Leverkusen Hinweise darauf gegeben haben, in welchen Schwierigkeiten der Werbepartner steckte. Damals schon bot Teldafax Bayer Leverkusen eine Stundung der Sponsorenbeiträge an. Der Verein hat das nie geleugnet.

Werbefigur Völler

Statt sich aber vom klammen Partner zu trennen, verlängerten die Werksfußballer die Laufzeit des Vertrags bis 2013. Im Oktober 2010 brachte ein umfangreicher Beitrag im „Handelsblatt“ Licht in die dubiosen Strukturen der Firma in Troisdorf. Es stellte sich heraus, dass die bestimmende Energiesparte des Unternehmens hohe Verluste schrieb, Wirtschaftsprüfer schon im Jahr 2008 ein Testat für die Bilanz verweigerten und der ehemalige Vorstand Michael Josten wegen Kapitalbetrugs im Jahr 2007 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war. In der Loge des Vereins wurde Josten bei den Bundesligaspielen dennoch gern gesehen.

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat gerade wieder Anklage gegen Josten und zwei weitere ehemalige Vorstände von Teldafax erhoben. Die Vorwürfe: Insolvenzverschleppung, Bankrotthandlungen, gewerbsmäßiger Betrug in 241 Fällen.

Kein gutes Bild gaben die Bayer-Verantwortlichen ab. Sportdirektor Rudi Völler lockte als Werbefigur in einem Fernseh-Spot weitere Kunden an: „Wechseln is‘n Klax - mit Teldafax“, erklärte das Idol. Verbraucherschützer warfen Bayer damals Verantwortungslosigkeit vor. Nun kann es im Nachhinein noch richtig teuer werden.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Teldafax-Insolvenz Bayer Leverkusen muss 16 Millionen zurückzahlen

Zwei Jahre lange prangte auf dem Trikot der Spieler von Bayer Leverkusen Werbung für Teldafax. Jetzt muss der Verein Sponsorengelder an den Insolvenzverwalter des Billigstromanbieters zurückzahlen. Mehr

22.10.2014, 11:46 Uhr | Wirtschaft
Champions League Leverkusen will gegen St. Petersburg gewinnen

Gruppenspiel Nummer drei für deutsche Werkself in der Champions League. Noch ist Bayer 04 in der Gruppe auf Platz drei. Der Gegner heißt Zenit St. Petersburg. Mehr

22.10.2014, 12:05 Uhr | Sport
2:0 gegen Zenit Leverkusen nimmt Kurs Richtung Achtelfinale

Wichtiger Sieg für Bayer Leverkusen: Nach dem 2:0-Sieg gegen St. Petersburg übernimmt die Werkself die Führung in der Champions-League-Gruppe. Mehr Von Peter Heß, Leverkusen

22.10.2014, 22:48 Uhr | Sport
Ozonschicht hat sich in Teilen regeneriert

Die gute Nachricht ist das Ergebnis einer Studie der Vereinten Nationen. Dadurch könnten bis zum Jahr 2030 zwei Millionen Fälle von Hautkrebs jährlich vermieden werden. Mehr

11.09.2014, 12:11 Uhr | Wissen
Bayer Leverkusen Völler plant Aussprache im Fall Calhanoglu

Nachdem Hakan Calhanoglu sich öffentlich zu einem dramatischen Vorfall beim türkischen Nationalteam äußerte, plant Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler eine Aussprache. Trainer Roger Schmidt lobt Calhanoglu. Mehr

21.10.2014, 18:11 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.04.2013, 18:03 Uhr

Umfrage

Welcher ist Ihr Fußballspruch des Jahres 2014?

4710 Stimmen wurden abgegeben.

24%
„So wie ich die Fifa kenne, haben die das verboten.“
24%
„Da mach’ ich mir vom Kopf her keine Gedanken.“
28%
„Wir sind freundlich begrüßt worden – von Menschen, Frauen und Kindern.“
24%
„Hoffe, ich werde 90. Dann sage ich, ich hätte 100 werden können. Habe aber in Nürnberg gearbeitet.“
Die Umfrage ist geschlossen. Alle Umfragen
Ergebnisse, Tabellen und Statistik