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Bayer Leverkusen Labbadias Kurssuche

30.05.2009 ·  Bei Bayer Leverkusen richten sich viele Blicke auf Trainer Bruno Labbadia: Bleibt er, oder muss er sogar bei einem Sieg im DFB-Pokalfinale über Werder Bremen gehen? Einen Treueschwur bei Bayer jedenfalls gibt es nicht.

Von Christian Kamp, Berlin
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Bremen – das hat für Bruno Labbadia einen guten Klang. Weniger, weil er einst selbst dort Fußball spielte. Es war die graue Zeit nach Otto Rehhagel, in der Werder unter wechselnden Trainern im schleichenden Verfall begriffen war. Labbadia, obwohl damals schon im Herbst seiner Karriere, gehörte als Wühler und Kämpfer noch zu den Lichtblicken jener Tage. Sehnsuchtsort Bremen, das hat für Labbadia eher etwas mit der jüngeren Vergangenheit zu tun.

Werder – das junge, offensive, erfolgreiche unter Thomas Schaaf – sei eines seiner großen Vorbilder, bekannte er letzten Oktober. 2:0 hatte Bayer Leverkusen gerade im Weserstadion gewonnen, und noch beeindruckender als das Ergebnis war, wie seine Mannschaft Werder zur Verzweiflung gebracht hatte: Mit einer defensiven Ordnung, die den Bremern noch den letzten Zentimeter Raum zu rauben schien, und einer Angriffslust, die spielerische Leichtigkeit und kühle Effizienz auf das Beste verband. Bayer war Tabellenführer der Bundesliga an diesem Abend, und Labbadia ein stolzer Trainer (siehe auch: 2:0 in Bremen: Leverkusener Spitzenspiel zum Jubiläum).

Jetzt sitzt er wieder auf dem Podium, zwei Meter neben ihm sein Vorbild Schaaf. Es ist die Aufwärmhalle tief unten im Berliner Olympiastadion, und die Verantwortlichen von Werder Bremen und Bayer Leverkusen sollen Auskunft geben über ihren Gemütszustand vor dem großen Finale um den DFB-Pokal an diesem Samstag (20.00 Uhr / Live in der ARD und im FAZ.NET-DFB-Pokal-Liveticker).

„Wir wollen mit ihm in die neue Saison gehen“

Schaaf, das merkt man, ist erfahrener in solchen Situationen. Ihm gelingt es viel besser, den Eindruck von Lockerheit und Vorfreude zu vermitteln vor diesem Spiel, das für beide Mannschaften die letzte Chance ist, eine enttäuschende Saison noch zu einem versöhnlichen Ende zu bringen. Aber Schaaf weiß eben auch, dass er, wenn er denn möchte, auch im nächsten Jahr sicher als Trainer auf der Werder-Bank sitzen wird.

Bei Labbadia ist das anders. In Leverkusen wird seit Wochen über seine Ablösung spekuliert, nachdem die Mannschaft in der Rückrunde auf den neunten Tabellenplatz abstürzte und nichts mehr zu spüren war von der Aufbruchstimmung der Hinserie. Ein Boulevardblatt wollte sogar von einer Spielerabstimmung erfahren haben, das vermeintliche Ergebnis – sehr zu Ungunsten Labbadias – lieferte sie gleich mit. Und wo immer es in diesen Tagen um einen vakanten Posten geht, ob in Hamburg, Frankfurt oder Kaiserslautern, fällt sein Name, als stünde er selbstverständlich bereit. Als wäre er eigentlich schon nicht mehr Trainer von Bayer Leverkusen.

Labbadia sagt fast nichts dazu. Er räumte aber gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ ein, dass es vor allem Differenzen mit Manager Michael Reschke gebe. Der Trainer fordert Verstärkungen, spricht von einer „Kampgane“ gegen ihn. Davon will Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser nichts wissen. „Wir wollen mit ihm in die neue Saison gehen“, sagte er. Aber wollen ist nicht werden, schon gar nicht im Fußball. Und deshalb sagte Holzhäuser auch: „Es gibt keinen Treueschwur.“ In den Tagen nach dem Finale werde man gemeinsam in Klausur gehen, um die Saison aufzuarbeiten. „Wir lassen uns bei der rationalen, objektiven Analyse von einem Sieg genauso wenig wie von einer Niederlage im Pokalfinale blenden“, kündigte Holzhäuser an.

Schafft es Labbadia noch, neue Reize zu setzen

Nach Erklärungen für die sportliche Erosion suchen sie schon länger unterm Bayer-Kreuz; in der ganzen Rückrunde gab es schließlich nur noch ein Spiel, das an den Pioniergeist der Hinserie erinnerte: das 4:2 gegen Bayern München im Pokal (siehe auch: )FC Bayern: Klinsmanns Hilflos-Suada. Da wäre der Kader, der zwar reich ist an Hochbegabten, aber arm an Stabilisatoren, oder der Umzug in das Düsseldorfer Exil (in dem in der Bundesliga erst das letzte Heimspiel gewonnen wurde), dazu die Formschwankungen einzelner Spieler (Augusto, Helmes, Adler).

Fußball ist nicht monothematisch, und schon gar nicht kann alles am Trainer liegen, der in der Vorrunde ja noch als Glücksfall gegolten hatte. Aber es braucht eben einen, der gegensteuert, wenn Dinge aus dem Ruder laufen. Und einen neuen Kurs hat Labbadia nach den ersten Rückschlägen nicht gefunden. Vielleicht, weil der Dreiundvierzigjährige, der vor der Saison aus Fürth gekommen war, als Trainer keine Erfahrung auf höchster Ebene hat, vielleicht auch, weil er es als Typ nicht schafft, den jungen, aber anspruchsvollen Spielern neue Reize zu setzen.

„Wir sind überzeugt, dass er tolle Arbeit macht“

Wie weiter also bei Bayer und mit Labbadia? In Leverkusen haben sie immer noch Hoffnung, den großen Traum von der Meisterschaft eines Tages zu verwirklichen. Der aktuelle Kader soll die Basis dafür sein, zur neuen Saison kommen der Finne Hyypiä und der Schweizer Derdiyok dazu. Mittelfristig aber, daraus machen die Verantwortlichen kein Hehl, ist das Team nur zu halten, wenn es international spielt. Die Europa League ist damit fast Pflicht. „Wenn wir es nicht schaffen, wäre einiges sicher schwerer“, sagt Holzhäuser.

Nationalstürmer Helmes wird jetzt schon mit dem VfB Stuttgart in Verbindung gebracht (siehe auch: Fußball kompakt: „Gladiator“ motiviert - Kahn warnt - Trochowski kritisiert). Noch, so Sportchef Völler, gebe es zwar keine offizielle Anfrage. „Aber natürlich haben wir eine Schmerzgrenze.“ Viel hängt also ab für Bayer von diesem Berliner Finale. Ist es aber auch schon Labbadias persönliches Endspiel? Sportchef Völler geht noch einmal für den Trainer in die Offensive. „Wir sind überzeugt, dass er tolle Arbeit macht“, sagt er und versichert, auch bei Gegenwind standhaft bleiben zu wollen. So, wie Werder es seit Jahren vormache. Bremen? Labbadia blickte auf. Da war er wieder, dieser Klang.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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