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Bayer Leverkusen Auf Abstand zum eigenen Trainer

02.06.2009 ·  Das verlorene DFB-Pokalfinale war der negative Höhepunkt einer missratene Saison. In Leverkusen ist die Entfremdung zwischen Trainer Bruno Labbadia und seiner Mannschaft sichtbar. An diesem Dienstag geht es um die Konsequenzen.

Von Michael Horeni, Berlin
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Nach dem Abpfiff konnte man die Distanz, die sich zwischen Bruno Labbadia und seine Spieler gelegt hat, sogar messen. Zwischen drei und fünf Meter. So groß war meist der Radius, den die Leverkusener Profis um ihren Trainer zogen. Oder umgekehrt. So genau ließ sich nicht sagen, wer nach der letzten Enttäuschung des Fußballjahres stärker auf Sicherheitsabstand bedacht war angesichts der gestörten Bayer-Betriebsverhältnisse. Ob nun selbstgewählte Trainereinsamkeit oder kollektive Verlassenheit – während sich ganz Bremen nach dem Pokalsieg in den Armen lag, war auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions das letzte gescheiterte Projekt dieser Bundesligasaison zu besichtigen (siehe auch: Nach dem Pokalfinale: Partywellen bei Werder, Fruststau in Leverkusen).

Bruno Labbadia und Bayer Leverkusen – da fand ganz offensichtlich nicht mehr zusammen, was zunächst so ideal zueinander zu passen schien. Dieser erkennbaren Entfremdung nach dem Pokalfinale folgte eine ganz eigene Verlängerung. „Nach einer Finalniederlage ist es nicht schön, über die Zukunft zu reden“, sagte Labbadia nach dem Schlusspfiff. Natürlich nicht. So soll nun an diesem Dienstag in einem Gespräch zwischen Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, Sportchef Rudi Völler und dem Trainer geklärt werden, ob es vielleicht doch noch einen gemeinsamen Weg gibt oder der umworbene Labbadia sich, wie zu erwarten, ganz schnell mit neuen Angeboten aus der Bundesliga eingehend beschäftigen kann.

Dass Labbadias Wechsel nach Leverkusen ein großes Missverständnis war, daran gibt es jedoch keinen Zweifel mehr. Der Trainer hatte zum Finaltag in einem Interview all die Dinge aufgezählt, die ihm bei Bayer nicht gefallen – und das sind eine ganze Menge. Er habe intern immer wieder darauf hingewiesen, dass sie aus der „Komfortzone“ raus müssten, „doch damit bin ich angeeckt“, sagte der Trainer in der „Süddeutschen Zeitung“.

„Es gibt einiges aufzuarbeiten und zu verändern“

Von Beginn an sei die Arbeit in Leverkusen nicht spannungsfrei gewesen. Bei jeder Niederlage sei seine Arbeit in Frage gestellt worden. Er habe sehr genau registriert, was sich in den vergangenen Monaten zusammengebraut habe. Und er habe die Mannschaft auch darauf vorbereitet, dass die Kampagne nicht aufhören werde, weil zu viele an der Fortsetzung ein Interesse hätten. Ihm sei immer wieder eine zu kritische Haltung zu vielen Dingen nachgesagt worden. Außerdem würde er die Mannschaft angeblich nicht genug schätzen, sagte Labbadia, der jedoch keinen Hehl daraus machte, von den Spielern mehr zu fordern, als diese mitunter zu leisten gewohnt seien. Ein „Weiter so“ könne es für beide Seiten jedenfalls nicht geben, es müsse sich Gravierendes ändern.

„Wir haben jetzt eine Gesprächsgrundlage. Es gibt einiges aufzuarbeiten und zu verändern. Das machen wir in den nächsten Tagen ohne Zorn und ohne Eifer, dafür aber mit Konsequenzen“, sagte Holzhäuser nach der Fundamentalkritik des Trainers, der sich in der angenehmen Lage sieht, sich um seine Zukunft nicht sorgen zu müssen. Er gilt beim Hamburger SV als Kandidat. Labbadia behauptete, seinen Rauswurf nicht provozieren zu wollen. Er habe aber einiges „klarstellen“ müssen.

Die Fundamentalkritik hatte auch ein ein ganz persönliches Ziel: Manager Michael Reschke, die rechte Hand von Rudi Völler. Das Verhältnis darf als zerrüttet gelten. „Ich bin optimistisch, dass wir mit Bruno Labbadia versuchen, die nächste Saison besser zu gestalten“, sagte Holzhäuser dennoch in der Nacht des Bayer-Banketts im Alten Berliner Stadtbad, nachdem Leverkusen im Pokalfinale ein letztes Mal in dieser Saison baden gegangen war.

„Insgesamt war es zu wenig, was wir gezeigt haben“

Die Spieler wollten sich, wie schon in den vergangenen Wochen, kaum oder gar nicht zu ihrem Verhältnis zum Trainer äußern. Nur Nationalstürmer Patrick Helmes, der in der ersten Halbzeit die beste Chance zur Leverkusener Führung unkonzentriert vergeben hatte, wagte sich ein bisschen in die Offensive. „Nicht optimal“ nannte er den Zeitpunkt von Labbadias Kritik – und glaubte, dass die deutlichen Worte auch Auswirkungen auf die Leistungen im Finale gehabt hätten. Wenn auch „nicht bewusst“. Und noch eins: „Er ist halt der Trainer von mir und kann sagen, tun und machen, was er will.“

Leverkusen wurde mit der 0:1-Niederlage von Berlin sportlich mal wieder seinem Ruf gerecht, in entscheidenden Momenten die eigenen Chancen konsequent zu verpassen. Bayer wurde seit 1997 viermal Zweiter in der Meisterschaft, verlor zwei Pokalendspiele, das Finale der Champions League und verfehlte nun wie im Vorjahr im letzten Moment den Europapokal. „Es ist furchtbar, traurig und sehr enttäuschend“, sagte Kapitän Simon Rolfes. „Insgesamt war es zu wenig, was wir gezeigt haben, zu wenig Power.“ Labbadia dürfte das auch so gesehen haben. Er sagte es nach dem Finale aber schon nicht mehr.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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