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Bayer Leverkusen Anpfiff nach Abpfiff

08.10.2007 ·  Nach dem 1:2 in Frankfurt beruhigten sich die Gemüter der Verantwortlichen von Bayer Leverkusen nur langsam. Doch es ging dabei nicht um die eigene Leistung, sondern um die der Schiedsrichter. Bernhard Böth über den Lärm um einen Pfiff.

Von Bernhard Böth, Frankfurt
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Es war ein Zweikampf, wie man ihn an einem Bundesliga-Spieltag wohl hundert Mal zu sehen bekommt: Mann gegen Mann, ein Dribbling hier, ein Zupfer da. Doch an diesem Sonntag sorgte ein solches Duell für mächtig viel Wirbel.

Tatort Frankfurt, WM-Arena: Albert Streit, Mittelfeldspieler im Trikot der heimischen Eintracht, behauptet am rechten Strafraumeck den Ball, wird vom Leverkusener Vratislav Gresko jedoch in Richtung Eckfahne abgedrängt. Gresko zieht Streit kurz am Trikot, Schiedsrichter-Assistent Volker Wezel hebt daraufhin die Fahne. Die Folge: Spielleiter Felix Brych pfeift Freistoß für die Hessen.

Sinkiewicz: „Und so etwas pfeift er dann“

„Der Spieler, der angeblich gefoult wurde, wollte ja noch nicht einmal selbst den Freistoß haben“, tobte Leverkusens Trainer Michael Skibbe nach dem Schlusspfiff. „Ein absoluter Witz“, meinte auch Sportdirektor Völler, „da darf man keinen Freistoß pfeifen.“ Doch wieso die ganze Aufregung wegen eines einzelnen Freistoßes? Ganz einfach: Streit zirkelte anschließend den ruhenden Ball maßgeschneidert auf den Kopf des Griechen Sotirios Kyrgiakos, der neben dem Führungstreffer (54.) zehn Minuten vor Spielende das Frankfurter Siegtor erzielte.

Für die Werkself war es nach dem 0:1 gegen Branchenführer Bayern München und dem 2:3 im Uefa-Pokal-Rückspiel gegen União Leiria die dritte knappe Pflichtspielniederlage in Folge. Doch diese Gegebenheit stand nicht im Mittelpunkt - einzig und allein die umstrittene Freistoßentscheidung sorgte für Gesprächsstoff. „Es ist schwer zu erklären“, sagte Lukas Sinkiewicz, der mit seinem Einsatz am Eigentor von Marco Russ zum Leverkusener Ausgleich (72.) entscheidend beteiligt war. Vor der Halbzeit sei der Schiedsrichter wegen einer Szene noch zu ihm gekommen und habe erklärt, dass es sich „um einen Männersport“ handele. „Und so etwas pfeift er dann.“

„Das war eine absolute Frechheit“

Trainer Skibbe nahm kein Blatt vor den Mund und machte die Ursache für die Niederlage und damit den Sturz auf Tabellenplatz acht allein an der Entscheidung des Unparteiischen fest: „Ich habe da überhaupt kein Verständnis für“, meckerte der Fußballlehrer. Sein Team habe ein „tolles Spiel“ gezeigt, aber der Schiedsrichter habe die Partie „gegen uns entschieden. Das war eine absolute Frechheit“, schimpfte Skibbe.

Gut, dass der Trainer erst später, als er sich wieder etwas beruhigt hatte, von den Fernsehbildern erfuhr, die eindeutig belegen, dass sich Doppeltorschütze Kyrgiakos vor dem Siegtor mit einem Schubser den Weg frei gemacht hatte. Hätte Skibbe unmittelbar nach Abpfiff davon gewusst, wäre das Theater wohl noch größer gewesen.

Vier Leverkusener spielen für Deutschland

Sogar von Frankfurter Seite bekamen die Rheinländer Unterstützung. „Ich kann Michaels Frust nachvollziehen. Beide Spieler wollten in dieser Situation weiterspielen“, stand Friedhelm Funkel seinem Trainerkollegen bei. Und auch Streit, einer der Hauptdarsteller in der Aktion nahe des Sechzehners, meinte, „dass man da keinen Freistoß pfeifen muss. Ich dachte erst, der Schiri pfeift gegen mich, weil ich auch ein bisschen gehalten habe“, wunderte sich der Mittefeldmann. Ingesamt zollte Funkel den Leverkusenern Respekt. „Sie haben drei Tage nach dem schweren Auswärtsspiel im Europapokal richtig Gas gegeben.“

Nach drei „englischen Wochen“ können die Leverkusener nun erst einmal durchatmen. Die Länderspielpause macht's möglich. Zumindest für einige Akteure, denn mit Manuel Friedrich, Simon Rolfes, Bernd Schneider und Stefan Kießling sind vier Leverkusener für das deutsche Team im Einsatz.

Erinnerungen an Island

„Wir müssen neue Kraft tanken“, sagte Skibbe, „gerade die jungen Spieler brauchen eine Pause.“ Das Fehlen von Schneider, der gegen seinen ehemaligen Klub wegen einer Knieprellung noch nicht im Kader war, war dem Leverkusener Spiel zuletzt deutlich anzumerken. Skibbes Spieler erarbeiteten sich zwar gegen eine nicht gerade überzeugende Eintracht einige Chancen. Doch entweder stand der gut aufgelegte Frankfurter Schlussmann Markus Pröll im Weg oder es fehlte den Leverkusenern der letzte Wille und sicher auch die Kraft, einen weiteren Treffer zu erzielen.

Sportdirektor Völler äußerte sich immer wieder zu der strittigen Szene, die man streng genommen ahnden kann, mit dem nötigen Fingerspitzengefühl aber nicht pfeifen muss. Nach dem Abpfiff setzte der gebürtige Hesse noch einen Anpfiff drauf. Zwar ging er nicht so weit, wie bei seinen verbalen Attacken als Teamchef der Nationalmannschaft nach der Nullnummer auf Island („So einen Käse will ich nicht mehr hören“). Doch der Tonfall ähnelte ansatzweise der Szene von vor vier Jahren „Eines sage ich ganz offen: Der Assistent soll sich ein Schild umhängen und damit eine Woche rumlaufen.“ Und was sollte in Völlers Augen auf dem Schild geschrieben stehen? „Ich schäme mich.“

Eintracht Frankfurt - Bayer Leverkusen 2:1 (0:0)
Frankfurt: Pröll - Ochs (71. Mahdavikia), Russ, Kirgiakos, Spycher - Preuß (49. Galindo), Fink - Streit, Meier,
Thurk (83. Weissenberger) - Amanatidis
Leverkusen: Adler - Castro, Sinkiewicz, Haggui, Sarpei (71. Gresko) - Schwegler (81. Dum), Rolfes - Vidal (59. Papadopulos), Barbarez, Barnetta - Kießling
Schiedsrichter: Brych (München)
Zuschauer: 47 600
Tore: 1:0 Kirgiakos (54.), 1:1 Russ (72./Eigentor), 2:1 Kirgiakos (79.)
Gelbe Karten: Meier (1), Galindo (1), Kirgiakos (4) / Barbarez (2)

Quelle: FAZ.NET
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