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Bastian Schweinsteiger „Ich bin kein 08/15-Typ“

09.11.2008 ·  Seit Klinsmann den FC Bayern trainiert, ist Bastian Schweisteiger im Aufwind - der Mittelfeldspieler spielt seit Wochen in guter Form. Im Interview mit der Sonntagszeitung spricht er über Rückschläge, sein Image - und seine geduldige Freundin.

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Seit Jürgen Klinsmann den FC Bayern München trainiert, ist Bastian Schweisteiger im Aufwind - der Mittelfeldspieler spielt seit Wochen in guter Form. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht der Nationalspieler über Rückschläge, sein Image und die Gründe für den Formanstieg.

Hat der Schüler Schweinsteiger den Fußballspieler Schweinsteiger in den vergangenen Wochen ein paar Mal um dessen Noten in den Zeitungen beneidet?

Ja, die sind schon besser, als die früher in der Schule waren. In dem einen oder anderen Fach zumindest, aber in Mathe war ich zum Beispiel nicht so schlecht.

Sie erleben derzeit eine ganz neue Situation beim FC Bayern. Jeder ist voll des Lobes.

Das ist schon ungewohnt, denn normalerweise werde ich immer etwas kritischer beäugt als andere Spieler. Ich glaube trotzdem, dass das noch immer der Fall ist, aber im Moment läuft es ganz ordentlich für mich.

Jürgen Klinsmann ist im Sommer mit dem Vorsatz angetreten, jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Bei Ihnen hat das bisher am besten geklappt.

Ich denke, Jürgen Klinsmann spielt schon eine Rolle, warum ich konstanter bin. Ich habe es zwar schon Anfang des Jahres gemerkt, dass es besser wird, aber ich habe es noch nicht geschafft, nach einem guten Spiel gleich wieder ein gutes zu machen. Seit der EM, glaube ich, spiele ich auf einem hohen Niveau. Ich habe ein paar Veränderungen in meinem Umfeld getätigt, die sich jetzt bezahlt machen.

Sie meinen damit das Management. Da gab es in den vergangenen Jahren ja immer wieder Probleme. Wer half Ihnen, als es sportlich und privat nicht lief?

Ich habe schon viele Rückschläge in meiner Karriere erlebt, manchmal konnte ich auch nichts dafür – wie für die Schlagzeilen um einen angeblichen Wettskandal. Mit diesen Situationen muss man einfach lernen umzugehen. Natürlich habe ich meine Familie, die mir immer hilft. Und jetzt habe ich auch ein gutes Umfeld, das war früher nicht so. Heute würde ich einige Dinge bestimmt anders machen. Allerdings habe ich dadurch auch gelernt. Mit meinen 24 Jahren habe ich schon viel durchgemacht, viel erlebt, Positives wie Negatives, und dadurch auch eine gewisse Weisheit erreicht.

Sie haben gesagt, dass Sie von Jürgen Klinsmann profitieren. Was hat sich verändert?

Jürgen Klinsmann ist ein Trainer, der sich sehr gut in die Spieler hineinversetzen kann. Er hat es schon bei der WM 2006 mit der Nationalmannschaft bewiesen, dass er sehr gut motivieren kann. Er motiviert wirklich bis in die letzte Haarspitze, das brauche ich. Und mit dem neuen Leistungszentrum hier fühle ich mich wohler. Ich kann mich besser erholen und besser vorbereiten. Natürlich muss sich die Freundin daheim jetzt öfters mal gedulden, bis ich nach Hause komme. Aber das macht sie gerne, wenn ich dafür gut Fußball spiele. Wir haben ja auch viele Möglichkeiten außerhalb des Fußballs. Ich spiele fast jeden Tag gegen Lukas Podolski Tischtennis. Im Moment steht es 7:6 für mich. Das muss ich betonen, weil ich gerade zweimal gegen ihn gewonnen habe.

Haben Sie Ihre Spielweise verändert oder verändern müssen?

Ich spiele sicher nicht mehr so wie als Achtzehnjähriger, denn man wird natürlich cleverer und routinierter. Man verlangt immer von uns, dass man schnell nach vorne spielt, aber es bringt mir nichts, wenn ich drei Minuten nicht in Ballbesitz bin, dann den Ball bekomme und ihn gleich nach vorne haue. Dann ist er weg. Man muss schon mit Auge und Cleverness spielen, auch mal den Ball halten.

Und Sie haben Ihr Defensivspiel verbessert, arbeiten mehr nach hinten.

Alle Spieler müssen in der Defensive mitarbeiten, auch die Stürmer. Wir machen das noch nicht perfekt, sonst hätten unsere Gegner nicht so viele Torchancen. Aber man muss natürlich auch sehen, welche Spielertypen in der Mannschaft sind. Franck Ribéry ist so wichtig für unser Spiel nach vorne, dass wir ihm die Defensivaufgaben abnehmen. Das machen wir gerne.

Wie definieren Sie den Begriff „Führungsspieler“?

Das ist einer, der für die Mannschaft alles gibt, nicht nur, wenn es gut läuft. Es muss nicht unbedingt ein Spieler sein, der laut wird auf dem Platz oder in der Kabine. Ich bewunderte Zinédine Zidane nicht nur als Fußballer, sondern auch, wie er auf dem Platz auftrat, seine Größe, wie er Dinge auf sich zukommen ließ und wie er dagegenhielt. Ich habe oft mit Willy Sagnol oder früher mit Bixente Lizarazu über ihn gesprochen. Die haben gesagt, dass Zidane die Mannschaft allein durch seine Präsenz, durch seine Aura mitgerissen hat. So stelle ich mir die Rolle vor und hoffe, vielleicht sie selbst irgendwann so ausfüllen zu können.

Sehen Sie sich denn schon als Führungsspieler beim FC Bayern?

Ich glaube, da muss ich noch ein paar Erfahrungen sammeln, mich noch weiter entwickeln. Aber ich bin nicht mehr so weit weg, wie ich schon war. Ich habe noch ein paar Etappen vor mir, aber die werde ich mit Sicherheit auch noch schaffen.

In der Nationalmannschaft sind Sie ja schon seit Jahren eine feste Größe. Warum hat es in München etwas länger gedauert, bis Sie sich endgültig durchgesetzt haben?

Als ich 2004 zur Nationalmannschaft kam, gab es kurz darauf einen Umbruch, und es kamen viele junge Spieler dazu. Da waren Lukas Podolski und ich die Ersten, die diesen Neuanfang mitgemacht hatten. Deshalb war es für uns vielleicht ein bisschen einfacher. Im Verein hat man immer mehr Konkurrenz. Aber ich habe immer gesagt, wenn ich meine Leistung abrufe, werde ich auch spielen. Das war in der Vergangenheit so, das ist in der Gegenwart so, und das wird auch in der Zukunft so sein.

Geben Sie im Nachhinein Uli Hoeneß recht, der einmal gesagt hat, man habe Ihnen zu viel Puderzucker in den Hintern geschoben?

Früher hat es sicher gestimmt. Uli Hoeneß will ja die Spieler mit so etwas nur kitzeln, genauso wie in der vergangenen Woche Lukas Podolski. Deshalb darf man das nicht persönlich nehmen.

Sie sind der einzige deutsche Nationalspieler mit einem kleinen Popstar-Image. Das scheint Ihnen ganz zu gefallen.

Ich bin vielleicht vom Typ ein bisschen anders als die meisten, trage gerne mal ausgefallene Klamotten. Aber ich mache das nicht, weil es womöglich meiner Karriere hilft, sondern weil ich es mag. Ich glaube, ich wäre unglücklich, wenn ich jeden Tag als 08/15-Typ hier auftreten müsste. Und dass ich eine Freundin habe, die Model ist, passt zwar ins Schema, aber ich bin ja nicht als Single durch die Gegend gelaufen mit einem Schild, auf dem stand: „Suche Model als Freundin“.

Sie haben den nächsten Schritt in Ihrer Karriere gemacht – beim FC Bayern. Wäre nun nicht ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel ins Ausland, dort zu versuchen, sich zu behaupten? Ihr Vertrag läuft im kommenden Sommer aus, und italienische Vereine haben schon Interesse bekundet.

Ich habe immer gesagt, dass ich das Ausland sehr reizvoll finde. Ich spreche häufig mit Owen Hargreaves über seine Erfahrungen in England. Ich schätze die englische Liga, die Atmosphäre dort in den Stadien sehr. Aber ich sage auch, dass, was hier beim FC Bayern entstanden ist, mich schon ein Stück weitergebracht hat. Ich fühle mich hier zu Hause. Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, hier weiterzuspielen. Ich habe Bayern auch gesagt, dass sie meine ersten Ansprechpartner sind. Das Wichtigste ist, dass ich mich weiterentwickle. Man wird sehen, ob das beim FC Bayern sein wird oder woanders.

Das Gespräch führte Elisabeth Schlammerl

Quelle: F.A.Z.
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