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Veröffentlicht: 25.06.2010, 16:51 Uhr

Ballack zurück nach Leverkusen Lieb - und sehr teuer

Als der FC Chelsea seinen Vertrag nicht verlängerte, standen die Bewerber angeblich Schlange: von Wolfsburg über Liverpool bis Madrid. Nun hat Bayer Leverkusen tief in die Konzernkasse gegriffen. Für Michael Ballack schließt sich ein Kreis.

von Richard Leipold, Leverkusen
© APN Bereits von 1999 bis 2002 hatte Ballack für Bayer gespielt

Der Wechsel zu Bayer Leverkusen ist für Michael Ballack eine runde Sache. „Mit meiner Rückkehr zu Bayer 04 schließt sich für mich ein Kreis“, sagt der Mittelfeldstratege. Wegen einer Verletzung fehlt der Kapitän der Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Seine berufliche Zukunft hat er dennoch zielstrebig in Angriff genommen, nachdem er sich mit seinem vorherigen Arbeitgeber FC Chelsea London, dem englischen Double-Gewinner, nicht über einen neuen Vertrag hatte einigen können.

Ballack verständigte sich mit dem Werksverein auf einen Kontrakt bis Juni 2012, schließt sich also dem Klub an, für den er als junger Aufsteiger schon von 1999 bis 2002 kickte, ehe er ins Establishment zum FC Bayern wechselte. Ballack, der Anfang nächster Woche vorgestellt wird, bezieht in der Spätphase seiner Karriere nochmals ein hohes, für Bundesligaverhältnisse exorbitantes Gehalt. Unterm Bayer-Kreuz ist die Rede von maximal fünfzehn Millionen Euro für zwei Jahre; sein Grundgehalt soll bei etwa sechs Millionen Euro per annum liegen

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Der Transfer ist mit der Konzernspitze abgestimmt

Dennoch heißt es, der 98-malige Nationalspieler sei auch seinem Herzen gefolgt, als er sich für Leverkusen entschied. „Ich hatte hier eine schöne und erfolgreiche Zeit, an die ich gerne zurückdenke. Das hat mich in meiner Entscheidung bestärkt.“ Mit Bayer wurde Ballack in der Bundesliga zweimal Meisterschaftszweiter und erreichte 2002 das Finale der Champions League, das gegen Real Madrid knapp verlorenging. In Leverkusen avancierte Ballack, der zuvor unter Otto Rehhagel für Kaiserslautern gekickt hatte, zu einem Markenzeichen der Bundesliga.

Reportage über einen Fassadenkletterer, der die Großflächenfotos anläßlich der WM am Commerzbank-Turm anbringt © Vergrößern Leverkusen kann Flagge zeigen: Ballack kommt zurück

Der Hamburger SV und besonders der VfL Wolfsburg sollen dem 33 Jahre alten Profi finanziell noch lukrativere Angebote unterbreitet haben. Dem FC Schalke 04 waren von Anfang an finanzielle Grenzen gesetzt, die konkreten Verhandlungen im Wege standen. Auch die Premier-Klubs FC Liverpool und Tottenham Hotspur und sogar die spanischen Vereine Real Madrid und FC Sevilla sollen eine Zusammenarbeit mit Ballack in Erwägung gezogen haben. Für Leverkusen, den von der Bayer AG noch immer großzügig, aber nicht mehr verschwenderisch alimentierten Fußballklub, liegt die Personalie Ballack offenbar an der Grenze des Möglichen. Dieser Transfer liege „außerhalb des Haushalts“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. „Das ist alles mit der Konzernspitze abgestimmt.“ Einen Mann wie Ballack anzuwerben ist also auch in einem Dax-Unternehmen Chefsache.

Die Chance, sich wieder für die Nationalelf zu empfehlen

Der bislang auffälligste Bundesligatransfer dieser Sommerpause hebt die junge Leverkusener Mannschaft wieder in den Kreis der Titelfavoriten. Ein Routinier wie Ballack fehlt der jungen Mannschaft voller Perspektiven seit längerem. „Man hat nicht nur den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft verpflichtet, sondern eine große Spielerpersönlichkeit und eine Weltklassemann“, sagt Jupp Heynckes. Der Bayer-Trainer hatte in der vergangenen Saison mit Leverkusen lange an der Spitze gestanden, in der Rückrunde aber die Meisterschaft und die Qualifikation für die Champions League verpasst, weil es offenbar an Substanz und vor allem an Führungsstärke innerhalb der Mannschaft fehlte. Diese Lücke soll der Rückkehrer nun füllen.

Sportdirektor Rudi Völler rechnet mit einem enormen Qualitätsschub. Ballack „trotz finanziell begrenzter Möglichkeiten“ gewonnen zu haben, zeuge von „seiner emotionalen Bindung zum Verein“. Offenbar haben die Leverkusener nicht erst nach Ballacks Verletzung im englischen Pokalfinale (durch ein Foul des ghanaischen Nationalspielers Kevin-Prince Boateng) erste Signale empfangen, die den Bundesligaklub und dessen Geschäftsführer ermunterten, am Bieterwettbewerb teilzunehmen. Das Abschiedsspiel Bernd Schneiders vor einigen Wochen in Leverkusen sei „ein deutliches Zeichen gewesen“, sagt Holzhäuser. Schneider hatte Ballack in der Nationalelf wie bei Bayer zuverlässig begleitet.

Für Ballack bietet sich mit dem Wechsel nach Leverkusen die Chance, sich auch gegen Ende seiner Karriere bei einem vielbeachteten Bundesligaklub wieder für die Nationalelf zu empfehlen, falls er das anstrebt. Sein früherer Konkurrent und Mitspieler Stefan Effenberg sieht eine gute Perspektive für Ballack. In seinen Augen sei Ballack für die nächsten zwei Jahre in der Nationalelf „ein gesetzter Spieler“. Ob es so kommt, entscheidet sich wohl nicht nur in Leverkusen, sondern auch in Südafrika.

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